"Il Belpaese" hätte es verdient

In letzter Zeit werden wir immer wieder aus der Schweiz angefragt, wie denn die Situation in Italien sei.  Anfänglich haben wir etwas erstaunt darüber reagiert. Wir waren der Meinung, dass man doch sehr gut informiert sei. Doch, wir sind seit Juni mittlerweile zum zweiten Mal im Wallis in Kurzferien, sind wir eines anderen belehrt worden. Keine Information über den Belpaese, höchsten im Fernsehen Reklame über Oesterreich. Da sind wir doch etwas konsterniert, weil – aktuell – sind die Fallzahlen in Italien besser als in der Schweiz; gemessen an der Bevölkerung. Hat das System? Steckt da Kalkül dahinter? Wenn ja, ist das sehr schade, dass man mit dieser Fehl-, Falsch- oder gar keiner Information die Bevölkerung im Land behalten will. Haben denn die Eidgenossen keine Angst vor den Touristen aus dem Ausland? Da atmen Belgier, Holländer, Franzosen, Deutsche, Italiener und viele mehr die gleiche Luft ein und aus wie die Schweizer. Ob im Einkaufszentrum, in der Seilbahn, im Restaurant etc. Und ja, im Restaurant gelten ja anscheinend kaum mehr Einschränkungen. In Italien? Da ist man nach wie vor sehr vorsichtig. Seit Wochen sind wir auf stets gleich tiefem Niveau. Natürlich tragen wir Masken im Einkaufszentrum und im öv. In den Restaurants gilt immer noch die Zweiertischregelung – ausser bei Familien. Bei Freunden wird ein grösserer Tisch beispielsweise für 4 Personen mit gebührendem Abstand angeboten. Immer noch nah und gemütlich. Ebenfalls bleiben die Discos und Clubs bis auf weiteres geschlossen.

 

Nochmals zur Erinnerung; Italien hat wohl den härtesten Lockdown in Europa durchgemacht. Es war kein Spaziergang. Ueber zwei Monate waren Millionen von Menschen in ihren Wohnungen eingesperrt, nur eine Person durfte nur mit Zertifikat für die ganze Familie einkaufen gehen. Die Kinder? Ueber zwei Monate in ein und derselben Wohnung. In Wohnungen, welche einerseits klein, und anderseits kaum Balkone haben. Viele jedoch haben in den Hügeln Zweitwohnungen etc. Doch diese durften erst nach zwei Monaten wieder besucht, und die Gärten bewirtschaftet werden.

 

Und nun, nachdem das italienische Volk mit so viel Disziplin nach dem Lockdown die Zahlen auf ein sensationell tiefes Niveau gebracht hat? Da schweigen die Nachbarländer. Die Länder, welche es nicht versäumt haben, die Bilder von Bergamo immer und immer wieder in den Zeitungen abzudrucken, oder über den Bildschirm flimmern zu lassen. Da frage ich mich als Journalistin: wo ist da die gerechte Berichterstattung? Ausser den «Abgesang Italiens» lese ich keine einzige erfreuliche Zeile. Die Italiener hätten indes Applaus, ein Chapeau und viele Reisende in dieses wunderbare Land verdient.

 

Wir durften seit Mitte Juni bereits einige Gäste bei uns begrüssen, wir haben uns riesige gefreut. Und alle haben sich sicher und sehr gut aufgehoben gefühlt. Abschliessend noch eine Reaktion einer unsere Gäste:

 

«Kei Tag vergoht ohni en Rückblick uf die letschti Wo. Mer händ eus so sicher gfüehlt. Mer händs gnosse  vom morge bis am obe. Shoppe , Wydegustation, Käffele. Mer händ glücklechi Mensche,  ob ide Stadt oder ufem Land, dörfe erlebe. Ond au met wenig italienische Kenntnis hämmer do und det en Schwatz duregfüehrt. Freue eus scho ufe September.”

Noch nie, und wahrscheinlich nie wieder wird man so viel Platz an den Stränden haben, oder die Sehenswürdigkeiten in den Städten so ruhig besichtigen können – nutzen Sie die Möglichkeit.

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Wir starten

Endlich, am Samstag begrüssen wir unsere ersten Gäste in diesem Jahr – ein besonderer Augenblick. Die Freude ist gross, wir sind fast ein wenig nervös. In den letzten 10 Tagen haben wir Ferientage in der Schweiz genossen. Endlich konnte ich wieder meine Söhne und Schwestern sehen, es waren besondere Augenblicke. Mit einem etwas mulmigen Gefühl strebte ich am 7. Juni der Schweizer Grenze entgegen. Mulmig, weil die Grenze ja nur einseitig – von Italien – geöffnet war. Aber ich wusste, dass ich als Schweizerin so oder so einreisen durfte – ungewohnt war es trotzdem. Aber meine Sorgen waren unbegründet. Auf der italienischen Seite keine Grenzbeamtenseele, und am Schweizer Zoll wurde ich gefragt, ob ich für Einkäufe nach Italien gereist sei. Also, der Zöllner hat gar nicht darauf geachtet, dass ich mit einem italienischen Nummernschild anrollte.

 

Nach einer Stippvisite im Aargau ging die Reise weiter ins Wallis. In Montana stand natürlich das Wandern auf dem Tagesprogramm. Dank der momentan guten Verfassung von Tirass konnten wir grössere Touren unternehmen. Wir hoffen, dass es so bleibt. Er hat etwas an Gewicht zugelegt und ist auch kräftiger geworden. Die Anfälle kommen momentan so alle fünf Wochen. Immer noch recht häufig, aber wir haben uns an den Gedanken gewöhnt, dass unser Hund wohl zu denen gehört, welche nicht therapierbar sind.

 

Seit gestern sind wir wieder in unserer Casa, und die Arbeiten im und ums Haus sind fast beendet. Da es in der ganzen letzten Woche fast ausschliesslich geregnet hat, konnte Stevo erst heute die Einfahrt etc. neu einkiesen. Dem Unkraut wird morgen der Garaus gemacht, die Rosen bekommen den längst fälligen Schnitt, und am Freitag kommt dann der Rasenmäher zum Einsatz. Diana hatte während unserer Abwesenheit die Gästezimmer hergerichtet, am Freitag werden dann noch die Fenster geputzt. Hoffen wir, dass mit dem Regen nun Schluss ist. Schlussendlich pützeln auch wir uns raus, am Freitag ist Coiffeurtag. Nicht, dass man uns nicht mehr erkennen würde, es hat sich vom Tag her einfach so ergeben.

 

Wir wurden in der Schweiz immer wieder mit der Frage konfrontiert, wie es denn mit dem täglichen Leben in Italien so sei. Kurz gesagt, wie beispielsweise in Deutschland. In den Geschäften muss man eine Maske tragen, die Temperatur wird nur noch selten gemessen. Ansonsten ist das Maskentragen nur noch dann nötig, wenn beispielsweise auf dem Markt der Abstand nicht eingehalten werden kann. Beim Restaurantbesuch braucht es die Maske nur beim Eintreten, am Tisch nicht mehr. Und wenn man draussen sitzt, erübrigt sich diese sowieso. Wir waren vor unseren Ferientagen noch auswärts essen, es war gemütlich und ausgezeichnet wie immer. Eigentlich müsste man jetzt die Strände und Städte besuchen, nie hat man mehr Platz als in diesem Sommer. Und bei uns? Da hat es wie gewohnt genügend Platz und wenn gewünscht jede Menge Privatsphäre.

 

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Gute Nachrichten

Tolle Neuigkeiten heute Abend. In ganz Italien hat es heute nicht mehr als 178 neue Fälle gegeben. Und das bei rund 60 Mio. Einwohnern. Das sind seit Ende Februar die besten Zahlen überhaupt - das macht Freude. Aber noch mehr Freude bereitet mir, dass ich am kommenden Sonntag für ein paar Tage in die Schweiz reise, um endlich meine Söhne und Schwestern zu sehen. Zwar hätte ich als Schweizer Bürgerin schon immer einreisen dürfen, jedoch die Ausreise wäre dann in Italien mit einer Quarantäne von zwei Wochen belegt gewesen. Das fällt am 3. Juni weg, dann sind die Grenzen zum Belpaese wieder offen. Und in Anbetracht der guten Nachrichten kann man wieder problemlos Ferien bei uns geniessen. Seien Sie willkommen, die Zeit ohne Gäste war schwierig.

Doch auch sonst haben wir Neuigkeiten. Bis anhin hatten wir im Dorf ein tolles Restaurant, nun kommt ab Mitte Juni ein zweites dazu. Sportliche Gäste können zu Fuss nach Montabone zum Essen pilgern. Wer es lieber bequem möchte, den führen wir natürlich hoch, und stehen später wieder bereit, um die zufriedenen Gäste nach Hause zu chauffieren. Und nach wie vor hat Acqui Terme kulinarisch so einiges zu bieten. Diese Woche gehen wir nach langer Abstinenz wieder auswärts essen, mal schauen wie es sich so anfühlt. Für den Vergleich zur Schweiz ist bereits gesorgt, der Tisch im alten Landgericht in Lenzburg ist reserviert.

Mit so viel positiven Nachrichten können wir gut gelaunt in die neue Woche starten. Wir wünschen auch euch einen guten Start und viel Gfröits.

 

 

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Gärn ha

"Auso, wett mi gärn hesch, denn . . . ." Kennen wir diesen Satz nicht alle, egal in welchem Zusammenhang. Bei uns kommt dieser äusserst selten vor, und wenn, dann von Roberto, und nur - also wirklich, nur - wenn er beim Kartenspiel verliert. Und natürlich lass ich ihn nicht gewinnen, trotz aller Liebe. Denn, mein Roberto gewinnt sonst meistens. Aber bein Jokerspiel war es beispielsweise heute Abend schon etwas bitter für ihn, 12:2

Sonst gewinnt er ja regelmässig. Sei es beim Mühlespiel, beim erwähnten Joker oder bei den im Moment rege gespielten Dinge auf Facebook. Obwohl, bei FB gewinne ich auch recht häufig gegen Roberto. Ihr ahnt es, wir spielen gerne gegen- und auch miteinander. Wobei, das Miteinander ist im Moment etwas schwierig, dazu fehlen die Partner, damit wir uns wieder zusammentun können. 

Da die Grenzen immer noch dicht sind, und wir offiziell erst am 18. Mai wieder öffnen dürfen, haben wir viel Zeit, um am Abend zu spielen. Der Tag ist nach wie vor angefüllt mit den täglich Arbeiten, um unser B&B bezugsbereit zu halten. Auch machen wir grosse Spaziergänge mit unserem Tirass, ihm geht es im Moment ziemlich gut. Aber nach dem Nachtessen möchten wir nicht nur vor dem Fernseher sitzen, und deshalb spielen wir. A-propos Spiele. Nächste Woche soll ein Bundesligaspiel übertragen werden. Dann wird Roberto ganz sicher hin und weg sein, und die 90 Minuten Spiel in vollen Zügen geniessen. Auf den Ausgang werde ich mit all meinem "Gärn ha" keinen Einfluss nehmen können. Hauptsache ist, der Fussball ist - wenigstens auf dem Bildschirm - zurück.

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Kochbücher lesen

Lieben Sie es auch, in Kochbüchern zu lesen? Also ich meine nicht in Kochfibeln, in welchen sich Rezepte an Rezepte reihen. Nein, ich meine diese, welche zwischendurch mit Informationen zu den Lebensmitteln und den Geschichten und Legenden, welche sich um Gerichte ranken, aufwarten. Darin kann ich mich stundenlang vertiefen. Oder besser gesagt, bis mein Hunger so gross ist, dass ich selber zu den Pfannen greifen muss. Heute hatte ich es bequem, während ich las, respektive immer wieder vorlas, kochte Roberto unser Nachtessen. Dies deckte sich - ausser dass es vorzüglich schmeckte - in keiner Art und Weise mit meinem Lesestoff. Während ich von dem nötigen Lüftchen las, welches durch verschieden Täler und über Hügel streift, um dann -  angelangt im Parmatal - mit seiner Würze den Parmaschinken zu trocknen, bereitet Roberto einen Merluzzo mit Kräuterkruste im Ofen zu, dazu gab es Peperonata. Wir geben uns lediglich am Freitag oder Samstag der "Völlerei" hin, ansonsten sind wir ziemlich "schlank" unterwegs. Aber zurück zum Lesen der Kochbücher. So las ich heute die hübsche Legende über die Entstehung der Tortellini, oder auch, dass der Sieg und der Erfolg der französischen Küche auf die Kultur der italienischen Renaissance zurückzuführen sei. Denn, Katharina von Medici, die Gattin Heinrichs II. von Frankreich, brachte ausser Musikern, Malern und Schauspielern auch Köche aus Italien in die Ehe mit und führte in der französischen Gesellschaft die gastronomische Tradition und Raffinesse festlicher Veranstaltungen ein. Auch weiss ich jetzt, woher die Pizza Margherita ihren Namen hat, und bin auf das älteste italienische Tomatenrezept gestossen. Natürlich bin ich bei den einen oder anderen Rezepten hängen geblieben, und mein Einkaufszettel für morgen wurde immer länger und länger; und ich bin erst beim Kapitel des Gemüses. Aber wir haben ja Zeit, obwohl wir am 18. Mai wieder offiziell den Betrieb aufnehmen. Aber bei geschlossenen Grenzen wird sich bei uns nicht viel tun. Doch auch was das Kochen anbelangt, wären wir bereit. Und wenn mir zwangsläufig noch mehr Zeit gegeben wird, dann wage ich mich an das Kochbuch, welches ich von meinem Sohn Christoph zu Weihnachten bekam. Darin sind vorwiegend alte piemontesische Rezepte, mit den nötigen Erklärungen zur Entstehung und den richtigen Produkten aus den Tälern und Dörfern des Piemonts.

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Woche acht

Wenn ich jetzt in die Tasten greife, und zu erzählen beginne, wie enttäuscht die Italiener, wir,  und ganz viele kleine Gewerbetreibende ob der so viel gepriesenen Phase 2 sind, dann kommt nichts Gutes dabei heraus. Unsere Hoffnung liegt nun auf dem öffentlichen und politischen Druck auf die Regierung, so doch die eine oder andere Massnahme zu lockern. Das Beispiel der Gärtnereien und der Baumärkte, welche - nach dem Entscheid, dass die Menschen wieder in ihre Gärten dürfen - unverzüglich öffnen durften, stimmt zuversichtlich.

Stattdessen gibt es nun viele Bilder von unseren Spaziergängen in der vergangenen Woche.

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Wir sind bereit

Unser Dialog neulich:

Ich: Ich ga mi no schnäll ga zwäg mache. (Anmerkungen: also das geschieht jeden Tag)

Roberto gibt sich erstaunt: Worum, wär chunnt?

Ich: Eh, hüt chömi üser Gescht.

Roberto: Ou, fasch vergässe. Was mache mer zum zNacht?

Ich: Diversi Vorspise, es Crostata mit Spargle, es Tagliata, zum Dessert en Bounet

Roberto: Guet, i höckle ou derzue.

 

Liebe Lesende, das kommt davon, wenn man seit Wochen keinen anderen Menschen zu Gesicht bekommt, als den Partner, da kann es schon vorkommen, dass die Fantasie mit uns durchgeht. Denn, erst jetzt können wir ganz leise hoffen, dass eventuell im Laufe des Mai wir wieder Gäste bei uns begrüssen dürfen - sofern die Grenzen wieder völlig offen sind. Bis zum 3. Mai haben wir noch Ausgangssperre, aber so nach und nach soll das eine oder andere gelockert werden. Es gibt das Gerücht, dass ab dem 4. Mai alles auf einen "Tätsch" wieder möglich sein soll. Da wüsste man nach 8 Wochen daheim kaum, wohin man zuerst soll. Ich persönlich hoffe, dass wir schon bald wieder ohne zwingenden Grund über die Gemeindegrenzen hinaus gehen können. Mir fehlen die wunderschönen Wanderungen durch die Weinberge und über die Hügel von Fontanile und Alice Bel Colle oder Strevi.

Aber es wird wohl sehr lange eine Zeit geben, in welcher hier wie in der Schweiz nichts sein wird wie vorher. So soll es beispielsweise in einzelnen Bereichen, Supermercato etc., eine Maskenpflicht geben. Ebenfalls ist das Distanz halten weiterhin vonnöten. Wir sind jedoch vorbereitet. Auf den Zimmern hat es nun neben Duschmittel, Haarshampoo und Zahnpasta auch noch Masken und Desinfektionsspray.

Bei uns fällt es ja nicht allzu schwer, Distanz zu halten, die diversen Tische oder Liegestühle weit genug voneinander entfernt lassen ein gemütliches Beisammensein zu, ohne wirklich nahe zu sein. Auch werden nur 3 Zimmer verfügbar sein, ausser, es hat sich eine Gruppe gemeldet. Und die Zimmer besitzen alle sowieso neben dem Schlafzimmer eine Stube, eine Terrasse oder eine Laube. Da ist Privatsphäre garantiert. Unsere Weinbauern kommen auch zu uns, wenn eine Degustation gewünscht wird, wobei es kleine, feine Güter sind, und keine anderen Reisenden zugegen sind, wenn wir angemeldet sind. Die Wanderwege sind ideal, da begegnet man eigentlich nie jemandem. Bleiben nur noch die Restaurants. Da werden sich die Wirte sicher etwas einfallen lassen. Und sonst kochen wir halt für unsere Gäste nicht nur am Ankunftstag. Ihr seht, wir sind gerüstet, und freuen uns auf euch. In der Zwischenzeit geniessen wir die Casa Fossello notgedrungen zu zweit. A dopo.

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Woche fünf und sechs

Derweil Roberte sich einen Fussballmatch aus früherer Zeit - 2006 Halbfinal Deutschland-Italien an der WM- anschaut, versuche ich, mich nicht allzu sehr über das Gebahren einiger weniger Eidgenossen aufzuregen. Seit vier Wochen herrscht bei uns absolute Stille. Höchstens am frühen Morgen - wenn ich mit dem Hund auf Tour bin - wird diese unterbrochen durch Lastwagen, welche im Tal auf der Hauptstrasse von und nach Acqui Terme fahren. Ab und zu ein PW, aber der Fahrer muss wohl zur Arbeit. Ehrlich, ich staune über die Disziplin der Italiener. Ich kann es zwar nur für unsere Region beurteilen, aber die ist musterhaft. Die Ausgangssperre ist ein eklatanter Eingriff in die Bewegungsfreiheit. Vor allem in den Städten ist dies wahrscheinlich schwer auszuhalten. Aber es funktioniert, und viele Stimmen haben sich via den sozialen Medien zu Wort gemeldet mit dem Aufruf, die kommenden zwei Wochen noch auszuharren. Chapeau den Italienern. Und die Zahlen lassen hoffen.

Heute beispielsweise war ein wunderbarer Frühlingstag. Ach was sage ich, es war bereits etwas Frühsommer in der Luft. Unter uns im Tal die Strasse, welche normalerweise in dieser Zeit von Motorradfahrern massenhaft befahren wird. Heute? Kein Ton. Und ich bin sicher, dass diesselbe Disziplin am kommenden Osterwochenende herrscht. Diese Nation, welche sich - nach Meinung von uns Schweizern - nicht allzu streng an das Gesetz hält. Aber, die Italiener wollen endlich aus der Ausgangssperre raus. Und das geht nur, wenn man sich im Moment wirklich daran hält.

Und genau das scheinen viele in der Schweiz nicht zu wollen. Die Zahl der Unfälle, Toten und Verletzte auf der Strasse, unterscheidet sich kaum von einem x-beliebigen Wochenende früher. Wir nehmen hier einen Teil der Schweizer Bevölkerung wahr als zwängelnde Kinder. Ist es denn so schwierig, für einmal auf den Ausflug zu verzichten. Ich weiss, viele sind der Meinung, da wo sie hingehen, sei sowieso keine Menschenseele. Die Bilder, welche heute in Umlauf waren, erzählen vom Gegenteil. Auch ich befürchte nicht, dass der Virus bei mir grossen Schaden anrichtet, aber das ist nie und nimmer ein Grund, weshalb ich mich nicht an die Empfehlungen des Bundesrates halten möchte - hier sind es Verbote mit Androhung von hohen Bussen oder Gefängnis. Aber wollen die Unbelehrbaren wirklich, dass ihre Partner, Eltern und Grosseltern länger als nötig in ihren Wohnungen ausharren müssen, damit man den eigenen Egoismus ausleben kann? Denn genau auf das läuft es hinaus. Die Auswüchse dieses und des nächsten Wochenendes sind `nicht sofort, sondern erst nach zwei oder drei Wochen ersichtlicht - wenn es für den einen oder anderen schon zu spät ist.

Entschuldigt bitte, dass ich mich gerade etwas echauffiere, aber auch wenn man das Gefühl hat, das Ganze sei nur Panikmache, könnte man sich doch einfach nur einmal an die Empfehlungen halten. Denn, je schneller wir aus dieser Situation raus sind, umso weniger "wirtschaftliche" Opfer gibt es. Und können wir abschätzen, wie viele Kinder Schaden nehmen wenn sie so lange Zeit ohne soziale Kontakte nach Aussen verbringen müssen? Sei es in der Schweiz oder in Italien. Und mal ehrlich, freut sich nicht der eine oder andere schon auf die Sommerferien an der Adria oder Riviera? Aber je länger, dass es dauert, um so weiter muss man dann dem Strand entlang marschieren, um ein noch funktionierendes Bagno zu finden oder eine Bar. Auch nächstes Jahr Nun - jeder einzelne hat es in der Hand.

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Albtraum

Wir können unverhofft endlich neue Gäste begrüssen. Wie bin ich nervös. Aber irgendwie will alles nicht wie gewohnt klappen. Mir zerreisst die Bettwäsche beim Anziehen - zu lange wurde sie nicht mehr gebraucht. Für den Willkommensaperitif können wir nur einen staubigen und dreckigen Schuppen anbieten, und das Gästehaus - ein Graus . . . .

Zum Glück erwache ich inmitten meines wirklich schrecklichen Albtraums. Und ja, zum Glück ist alles nur ein Traum. So sehr ich mir es wünsche, dass wir endlich wieder Gäste bei uns begrüssen dürfen; so darf es sicherlich nicht sein, und soweit wird es auch nicht kommen. Aber wir sind bereit, alles ist herausgepützelt, vieles neu gestrichen und ein Teil neu renoviert, und wir freuen uns, wenn es endlich wieder los geht. Wann das sein wird, wird sich zeigen. Aber man darf ja den Optimismus nicht verlieren. Und in Anbetracht der neuesten Zahlen, bin ich verhalten froh gestimmt, dass wir eventuell doch noch einen Teil der Frühlingsgäste bei uns begrüssen dürfen.

Hoffen Sie mit mir.

 

 

 

 

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Landleben

Zum ersten Mal in diesem Jahr schreibe ich den Eintrag draussen, wir geniessen Frühlings- ja fast Frühsommertage. Die Begleitmusik in der gewohnten Ruhe ist ein Weinbauer mit seinem Traktor, nichts Aussergewöhnliches. Man könnte fast vergessen, dass wir uns in einer ausserordentlichen Zeit befinden. Stevo ist an den Abschlussarbeiten, kein Problem, denn hier kann man sich sehr gut aus dem Weg gehen. Wir zupfen derweil Unkraut, mähen Rasen und Wege, und pützeln das Gästehaus heraus. Denn, irgendwann wird sich dieses wieder mit Leben füllen. Eigentlich Idylle pur. Wir wissen aber jetzt schon, dass wir die in den kommenden Wochen fehlenden Einnahmen bis Ende Saison nicht mehr generieren können. Aber das geht wohl den meisten so.

Zwar dürfen wir ausser für Einkäufe das Gemeindegebiet nicht verlassen, aber wer schon einmal bei uns war, weiss, wie weitläufig es bei uns ist. Es ist uns bewusst, dass wir uns in einer guten Situation an hervorragender Lage befinden. Ja, manchmal vergessen wir fast die Einschränkungen. Nicht so in den Städten. Wie beengend muss es sein, die Zeit in der Wohnung zu verbringen, und vor allem, die Situation den Kindern zu erklären. Im Moment darf man für sportliche Betätigung - aber nur einzeln ausgeführt - nach draussen, auch Spazieren ist erlaubt. Aber immer nur alleine, oder mit der Person, mit welcher man auch daheim zusammen ist. Spaziergänge mit Hunden sind ebenfalls erlaubt. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich so mancher Hund in einer anderen Welt wähnt. Denn so oft, wie die Leute mit ihren Hunden in der Stadt Gassi gehen, ist das nicht üblich.

Unsere Ausflüge nach Acqui Terme beschränken sich auf das Minimum, nämlich, um die Dinge einkaufen zu gehen, welche im Dorfladen nicht erhältlich sind.  Das "uns" gibt es dabei nicht, nur eine Person pro Familie darf einkaufen, und auch das nur mit Ausgangsschein. Die Carabinieri kontrollieren häufig, sind aber sehr nett. Ihr seht, die Vorgaben sind happig - aber wenn sich der Erfolg in den nächsten Wochen einstellt . . .

Ich bin ja so verchlüpft, als ich die leergekauften Regale in den Schweizer Geschäften sah. Ist die Angst wirklich so gross? Vor zwei Wochen sah man hier vereinzelt Leute mit übervollen Wagen, aber nun ist der Alltag eingekehrt. Es fehlt an nichts, und die Stimmung ist ruhig. Na ja, wir sind euch punkto Einschränkungen etwas voraus, wir sind in der zweiten Woche. Etwas ist allerdings gewöhnungsbedürftig. Im Supermarkt tragen sozusagen alle, Kunden wie Personal, Masken. Da kommt man sich ohne etwas deplatziert vor. Also stülpe auch ich mir eine über, die Handschuhe sind sowieso Standard. Aber ich sage euch, das Atmen fällt schon etwas schwer, und draussen ist das tief Luft holen eine Wohltat. Ich hoffe, dass auch euch das mit Abstand Zusammenstehen nicht allzu schwer fällt. Häbets guet.

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Immer um 18 Uhr

Seit vier Tagen leben wir sozusagen in Isolation, noch drei Wochen hat Italien vor sich. Man spürt, alle hoffen, dass die auferlegten Einschränkungen Wirkung zeigen. Aber noch ist es leider nicht soweit. Jeden Abend um 18 Uhr sitzen wohl viele im Belpaese vor den TV-Geräten um Signore Borrelli, dem Chef des italienischen Zivilschutzes zu lauschen. Es ist wohl eine der bekanntesten Stimmen in Italien im Moment. Er ist der, welcher mit seinen Nahrichten - im Moment noch - die Hoffnungen zunichte macht, dass die Ansteckungen gegenüber dem Vortag nicht zugenommen haben. Da braucht es Zeit, und die Hoffnung wird in den nächsten Tag weitergetragen. In den Städten und teilweise in den Dörfern organisiert man sich, dass zu einer bestimmten Stunde alle das Fenster öffnen, zu singen oder zu musizieren beginnen. Leider sind wir etwas zu abgelegen, als dass wir etwas von diesen Konzerten hören können, aber die sozialen Medien "berichten" uns davon. Mich rühren diese Aufnahmen ehrlich zu Tränen. Auch das ist eine Art Zusammenstehen in dieser schwierigen Zeit.

Mir wurde in den vergangenen Tagen so der eine oder andere Entscheid abgenommen. Von Samstag auf Sonntag kam die Nachricht, dass die Provinzen Alessandria und Asti zur roten Zone gehören. Also war, nach meinerseitigen Zweifeln,  klar, dass ich morgen Samstag nicht in die Schweiz reisen konnte, um mit meinem Sohn den 30sten Geburtstag zu feiern. Etwas verunsichert wusste ich auch nicht, ob denn der Besuch des Coiffeurs in Asti ein gescheites Unterfangen wäre, da man ja einen gewissen Abstand zu seinem Nächsten haben müsste. Und der ist beim Coiffeur mitnichten gegeben. Einen Tag später herrschte Klarheit - alle Geschäfte ausser Lebensmittelgeschäfte und Apotheken mussten geschlossen bleiben.

Und da habe ich eine Frage an euch: Wie haltet ihr es denn, so ohne generelle Geschäftsschliessungen mit solchen Terminen? Denn der Abstand beim Coiffeur, bei der Manicure, bei der Massage etc. ist ja auch in Anbetracht der Schweizer Empfehlungen nicht gegeben. Geht ihr trotzdem hin, oder verschiebt ihr diese Termine? Und: wie grosse Sorgen macht ihr euch?

 

 

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Abgeriegelt

Heute Morgen kamen wir uns so richtig gut betreut vor, um halb Neun stand unser Gemeindepräsident mit den Carabinieri vor dem Tor. Sie wollten wissen, wie die Lage betreffend der Gäste sei. Konkret, ob wir eventuell anwesende bereits in ihre Heimat geschickt und den bis zum 3. April zu erwartenden abgesagt hätten. Haben wir bereits schweren Herzens gemacht. Da wir in Montabone eine der wenigen Beherbergungsbetriebe sind, welche bereits anfang März die Tore wieder öffnet, konnten die Beamten ihre Runde wohl rasch beenden. Die meisten öffnen am 1. April oder an Ostern.

Es ist wirklich ein etwas beklemmendes Gefühlt, wenn man ausser zum Allernötigsten nicht mehr von Daheim weg darf. Wir gehen in der gästefreien Zeit zwar auch nicht jeden Tag nach Acqui Terme oder auf Besuch. Aber wenn das Zuhausebleiben zur Pflicht wird, dann ist das etwas ganz anderes. Für jede Tätigkeit ausserhalb unseres Grundstückes müssen wir eine "Autocertificazione"  dabei haben, welche aussagt, warum wir gerade nicht an unserem Wohnort sind. Sogar, wenn ich mit dem Hund auf Wanderung bin, wo ich eh niemanden antreffe. Auch fürs Einkaufen haben wir eine dabei. Im Supermercato hat sich einiges geändert. Das Personal an der Kasse ist mit Masken ausgerüstet, und alle haben Handschuhe an. Die sonst sehr nette und gesprächige Signora bei den Selbstzahlkassen machte heute einen sehr grossen Bogen um die Kunden und liess jede zweite Kasse sperren, um ja den Abstand von Kunde zu Kunde zu wahren.Auch wird man immer wieder dazu aufgerufen, den Abstand zum nächsten zu wahren.

Aber es geht ja Millionen von Menschen genau gleich im Belpaese. Standen am Sonntag, als über Nacht das Piemont zur roten Zone erklärt wurde, so ziemlich alle unter Schock, hat sich das etwas gelegt. Die Regale im Supermercato sind gut gefüllt, und von Hektik oder sogar Hamsterkäufe keine Spur (mehr). Die fanden vor rund zwei Wochen statt. Auch die Nespressolieferung ist gestern pünktlich einen Tag nach Bestellung eingetroffen. Einzig der Nachschub aus der Schweiz von Kaffeerahmfläschli und Le Parfait Portiönli kommt etwas ins Stocken, mit diesem Manko können wir leben.

Wir haben ja das Glück, ein grosses Grundstück zu haben, da fällt einem die Decke weniger auf den Kopf. Im Moment gibt es draussen genug zu tun, und auch das Wetter spielt mit. Aber äbe, freiwillig daheim zu bleiben ist was anderes als auferlegt.

Das Piemont hat zwar mit seinen Corona-Fällen gemessen an den über 4 Mio. Einwohner eine nicht gerade hohe Zahl, aber man versteht die Situation und fügt sich den Vorschriften. So ist es auf der Hauptstrasse sehr sehr ruhig, am frühen Morgen sieht man nur vereinzelt Lastwagen durchfahren. Alle haben die gleiche Hoffnung, dass die Einschränkungen bis zum 3. April Erfolge zeigen. Natürlich auch wir, neben den fehlenden Einnahmen fehlt uns vor allem der Kontakt mit den Gästen, das Kommen und Gehen, und die Freude, wenn es ihnen gefallen hat.

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Reisen ins Piemont

Täglich erreichen uns besorgte Nachrichten, wie es uns hier so gehe in der momentanen Situation. Uns geht es sehr gut, das Piemont ist vom Coronavirus kaum betroffen. Wir können nachvollziehen, dass ob den manchmal übertriebenen, ja zum Teil an den Haaren herbeigezogenen Medienmitteilungen die Unsicherheit wächst, ob denn eine Reise ins Piemont, oder auch zu uns ins Südpiemont überhaupt noch angezeigt ist. Wer sich über die Situation selber informieren möchte, kann dies unter www.regione.piemonte.it/Sanità tun. Die Seite ist nur auf Italienisch, aber Goggel übersetzt ziemlich wortgetreu. Diese offizielle Seite schaltet mehrmals täglich die neuesten Informationen auf.

Nach den ersten Nachrichten aus der Lombardei wurden auch hier Grosseinkäufe getätigt, jedoch waren nicht die Konserven, sondern die Teigwaren und Zitrusfrüchte heiss gefragt. Ihr seht, andere Länder, andere Sitten.

Mittlerweile haben wir wieder "Normalbetrieb", die Bars waren gestern Abend gut besucht, und auch die Restaurants wurden frequentiert. Dass unter der Woche die Strassen in der Altstadt relativ leer sind hat nichts mit dem Virus zu tun. Das ist normal, die Saison beginnt erst in ein paar Wochen - mit hoffentlich vielen Besuchern des Piemonts. Das ist wirklich alles, was uns im Moment bleibt - zu hoffen.

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Doch noch eine Baustelle

Was haben wir doch noch vor wenigen Wochen gesagt? "Dieses Jahr keine Baustelle mehr. Kein Staub, kein Schlamm." Nun ja, Staub wird es geben, aber Schlamm und Dreck ganz sicherlich nicht. Dies ist der Treppenaufgang zum Zimmer "Aldilà". Er ist zwar noch völlig in Ordnung, aber die Holzdecke zeigt doch langsam die eine oder andere Stelle, welche übermalt werden müsste. Zudem war der Stützbalken an seinem Fusse ziemlich morsch, er musste ausgewechselt werden. Und wenn Stevo schon das Gerüst aufstellt, dann machen wir auch Nägel mit Köpfen. Wie ihr seht, ist der neue Balken schon gesetzt, nun werden noch neue Dachrinnen und Abläufe montiert und die Decke beim Treppenaufgang und auch beim Sitzplatz auf der Laube wird neu - Stevo montiert eine neue Decke. Die rosafarbene Wand wird dann in Weiss gemalt, und noch die eine oder andere Kleinigkeit gemacht. Ich freue mich darauf, denn in diesem Teil war es immer schwierig, zwischen den Dachbalken die Spinnweben zu entfernen. Wenn dann wirklich alles bereit für die neue Saison ist, mache ich euch mit den Bilder etwas gluschtig. Wir sind zwar schon erfreulich gut durchs Jahr gebucht, aber ich kann bei dieser Sache kaum über den eigenen Schatten springen. Am liebsten wäre mir, ich könnte schon jetzt sagen: "Sorry, erst nächstes Jahr wieder". Da drückt halt wohl das Sicherheitsdenken der Schweizerin durch.

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Roberto ist nervös

Bekanntlich öffnen die Restaurants bei uns auch in den Wintermonaten erst um 20 Uhr. Jedoch in der einen oder anderen Bar ist das Aperoangebot ab 18 Uhr so gross, dass man mit einem oder auch zwei Gläser Wein genug vom Buffet naschen kann, dass der Hunger gestillt ist. So alle zwei Wochen einmal gönnen wir uns uns einen solchen reichhaltigen Apero, und sind dann auch nicht allzu spät wieder daheim. Wobei "sich gönnen" schon relativiert werden muss. Das Glas Wein kostet 5 Euro, und das Buffet ist dann mehr als reichhaltig. Aber das war es nicht, was meinen Roberto nervös machte. Erst auf dem Heimweg sagte er etwas verhalten: "I bi scho e chli närvös". Erstaunt schaute ich ihn an, denn ich wusste genau, ich konnte nicht der Auslöser sein. Da kennen wir uns schon etwas zu lange, als dass ein kleiner Aperitif mit lauter bekannten Gesichtern im beschaulichen Acqui Terme ihn auf ihrgend eine Weise nervös machen könnte.

"Säg, was isch denn?", fragte ich besorgt. "Eh, hüt faht ja San Remo a`" meinte er schmunzelnd. Ach ja, San Remo. Ich weiss ja nicht, wie weit ihr das ganze Brimborium mitbekommt. Aber bereits seit Tagen, ja Wochen, wird darüber berichtet. Wer wann was gesagt hat, wer ans Mikrofon treten darf, wie viel Gage da ausbezahlt wird - es sind horrende Summen. Im Vorfeld werden Wetten abgeschlossen, um wie viele Sendestunden heute überzogen wird. Letztes Jahr hat sich ob des Gewinners mit Migrationshintergrund sogar der Minister Salvini zu Wort gemeldet. Natürlich nicht lobend. Man bemerkt, dieser Anlass - übrigens heuer zum siebzigsten Mal - bewegt bis ganz oben in die Regierungskreise. Mich kümmert das nicht gross, wenn die Sendung endet, werde ich schon sehr lange in tiefem Schlaf liegen. Roberto übrigens auch. So nervös kann er gar nicht werden, als dass ihn eine Schlagershow so lange wach hält. Ah ja, San Remon ist ja nicht nur heute, das dauert die ganze Woche, bis endlich der Sieger oder die Siegerin erkoren ist. Da kommt dann ob der vielen nicht enden wollenden Zwischenwerbung schon eher etwas Langeweile auf.

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Viel viel Schnee

Nicht, dass ihr jetzt denkt, wir versinken im Schnee. Aber das kann in den nächsten Wochen gut möglich sein. Denn, heute war ein richtig warmer Frühlingstag. Bei 18 Grad war es um die Mittagszeit so richtig schön, um draussen den Kaffee zu trinken. Aber dieser warme Frühlingstag hat auch seine Schattenseite. Denn, wenn es am 2. Februar, oder auch am 1. Sonntag im Februar - so genau weiss ich das nicht mehr - warm ist, dann soll der Winter mit viel Schnee nochmals Einkehr halten. Ob diese Regel in Anbetracht der so viel zitierten Klimaerwärmung noch Gültigkeit hat, weiss ich nicht. Auf jeden Fall versorge ich weder Schneeschuhe noch Schlitten für die nächsten paar Wochen. Und unsere Weinbauern? Die sind sich einig, dass der Schnee nochmals kommen wird. Sie hoffen, dass dies natürlich bald geschieht, damit sich die Weinstöcke dann dem Frühling zuwenden können.

Wir indessen hoffen, dass das sonnige und vor allem trockene Wetter andauern wird. Denn der Weinkeller ist nach wie vor etwas feucht. Kein Wunder, nach dem achtwöchigen Dauerregen. Mittlerweile sind zwar die Mauern fast trocken, aber eine nasse Periode könnte uns wieder zurückwerfen.

Wie verheerend die Regenfälle während der acht Wochen Ende Jahr waren, zeigem sich darin, wie viele Strassen wegen der Erdrutsche immer noch geschlossen sind. So auch die offizielle Strasse nach Montabone - sie wird es wohl noch ein halbes Jahr lang sein. So ist es vor allem unsere Strasse und diejenige auf der gegenüberliegenden Seite von uns, welche befahrbar sind. Jedoch, wenn ergiebig Schnee fällt, dann werden diese zwei einzig offenen Strässchen zur Herausforderung.

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Rückblende

Oh je, schon so lange habe ich euch keine Neuigkeiten mehr zukommen lassen. Was soll ich sagen. Zuerst einmal allen viel Glück und Gesundheit im neuen Jahr. Bis zum 15. Januar darf man dies - so steht es irgendwo geschrieben - noch wünschen. Bei uns waren die Zeiten sehr turbulent. Einerseits hielt, und hält uns noch, der Gesundheitszustand von Tirass in Trab. Andererseits war es ein tolle Zeit mit meiner Familie und unseren Neujahrsgästen. Doch alles der Reihe nach. Tirass hatte nach wie vor alle zwei Wochen seine Epilepsie-Anfälle. Nach einer Erhöhung der Medikamente hatten wir einen anderen Hund. Das will heissen, dass sich Tirass total veränderte. Er war den ganzen Tag nicht er selbst, wankte und wollte überhaupt nicht auf Wanderung. Der Grund: nur eine kleine Erhöhung der Dosierung und eine - uns unerklärliche - Gewichtsabnahme führte dazu, dass die Dosis zu hoch war. Wir machen uns riesige Sorgen, und am kommenden Mittwoch wird er von Kopf bis Fuss untersucht. Wir sehen, dass er sich nicht wohl fühlt. Und wir müssen uns wohl in nächster Zeit die Frage stellen, wie viel wir unserem Tirass noch zumuten können. Wir hoffen einfach, dass nach den Untersuchungen der Tierarzt eine gute und behandelbare Erklärung für seine Schwäche hat.

Nachdem wir den 24. Dezember in trauter Zweisamkeit verbrachten, freuten wir uns auf die Ankunft von Christoph mit seiner Partnerin Nana und ihrem Sohn Kota. Er ist ein toller Junge von 5 Jahren, und fordert mich - sprachlich - ganz gehörig. Denn er beherrscht neben Japanisch noch Englisch. Und trotzdem mein Englisch nicht gerade rühmenswert ist, hatten wir tolle Tage zusammen. Er liebt unseren Hund, und Tirass selber ist so tolerant und ruhig unserem kleinen Kota gegenüber. Ja, und plötzlich waren sie da, die "grossmütterlichen" Gefühle. Wenn er seine Hand auf den Spaziergängen einfach so in meine stahl, lief mir das Herz über, man könnte ihn immer wieder in die Arme nehmen. Am 26. reisten dann Thomas mit seiner Marielle an - die Familie war komplett. Ich habe so das Gefühl, dass mir der Himmel diese zwei Frauen für meine Söhne gesandt hat.

Am 30. Dezember kam ich etwas ins Trudeln. Nana hatte eine veritable Magengrippe, die Neujahrsgäste waren unterwegs. Kurzerhand wurde die kleine Familie in unser eigenes Gästezimmer gezügelt, damit meine gute Seele Diana die Zimmer für die Gäste vorbereiten konnte. Gegen Mittag war auch Roberto mit dieser Magengeschichte ausser Gefecht gesetzt. Ihr könnt euch vorstellen, dass ich etwas nervös wurde. Schlussendlich aber hatten wir alles im Griff. Christoph und Nana reisten mit Kota einen Tag später als geplant mit meinem Auto in Richtung Zürich.

Doch auch zwei unserer Gäste ereilte das gleiche Schicksal, "Montezumas" Rache suchte auch sie heim. So kam es, dass auch unsere Neujahrsgäste die Heimreise einen Tag später antraten. Der Arzt in Montabone bestätigte unsere Befürchtung; es war ein Virus in Umlauf. Zum Glück hatten wir tolles Wetter, so spielten wir mit unseren gesunden Gästen einige Partien Petanque - für mich das erste Mal.

Und nun? Nach einer weiteren Woche "Ferien" in Rupperswil sind wir nun wieder daheim. Und bereits jetzt laufen die Vorarbeiten für die neue Saison. Das eine oder andere Zimmer muss neu gestrichen werden. Vor allem aber kümmern wir uns die nächsten Tage um unseren Tirass. Drückt uns die Daumen.

 

 

 

 

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Deckel

Nach über zwei Wochen sind wir wieder daheim in Montabone angekommen. Zwischen meinem Bad im eisigen Waldsee und heute liegen wundervolle Wintersonnentage im Wallis und etwas kühlnasse im Aargau. Das kühle Nass hält sich hier immer noch. Ich weiss kaum mehr, was hinter dem nächsten Hügel liegt. Es kommt mir so vor, als ob über das Piemont seit Wochen ein Deckel aus Regen, Wolken und Nebel gefallen ist. Und so ist es, seit Anfang November haben wir mehr oder weniger Dauerregen. Das Problem ist, dass Laub wischen kaum möglich ist. Und auch Reinigungsarbeiten, welche durch das Sandstrahlen im Weinkeller bitter nötig sind, nicht ausgeführt werden können. Heute wollte ich mit dem Hund dem Bormida entlanglaufen, doch der Weg ist immer noch gesperrt. Auch die Alternativroute über einen Hügel wurde mir vereitelt, dort ist die Strasse unterbrochen. Ueberall ist man am Auf- und Wegräumen. Die Strasse, welche nach der Autobahn über die Hügel zu uns führt, ist ebenfalls geschlossen. Dies, weil das Wasser die Strassenlöcher so ausgewaschen hat, dass daraus Strassengruben entstanden sind. Doch die Italiener sind fix, wenn es um den Einbau von Strassenbelag geht.

Es gibt auch Lichtblicke. So sind die Arbeiten im Weinkeller quasi abgeschlossen, Ende Woche können wir wieder einräumen. Und gegen das Wochenende hin soll endlich wieder die Sonne scheinen. Das stimmt hoffnungsfroh, und ich freue mich jetzt schon auf die Aussicht am frühen Morgen. Gross ist die Vorfreude auch auf den 25. Dezember. Ab dann reist meine Familie für gemütliche Feiertage an.

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Eisiges Bad

Wie ihr wisst, bin ich wieder in Montana. Tirass und ich geniessen den Schnee und unternehmen lange und wunderschöne Wanderungen. So auch heute Morgen, es sollte einen ausgeschilderten Weg von 9 km entlang gehen. Wunderbare Winterlandschaft und tief verschneite Wälder. Ja, und dann kamen wir an diversen kleinen und zugefrorenen Waldseen vorbei. Schon beim ersten See kam Tirass wahrscheinlich ein verführerischer Duft entgegen, er musste sicherheitshalber an die lange Leine. Beim nächsten See war er noch neugieriger, und schwupps, rutschte er in den See. Anstatt subito kehrt zu machen, versuchte er, auf die nächste Eisplatte zu klettern,  welche natürlich unter seinem Gewicht nachgab; er entfernte sich immer mehr vom Ufer. Zwei Mal ging er ganz unter Wasser, und ich vermochte ihn nicht an Land zu ziehen. Ohne viel zu überlegen, stieg ich ebenfalls ins Wasser, und versank sofort bis zu den Knien im Schlamm. Das Wasser reichte mir bis über die Hüfte und stank fürchterlich faulig. Schlussendlich hatte ich Tirass endlich wieder in Richtung Land dirigiert, und er schaffte es aus dem Wasser. Ich hingegen stand immer noch im stinkenden Schlamm, denn das Bort war abschüssig und vereist.  Es machte sich bei mir etwas Verzweiflung breit, im eisigen Wasser zu stehen, und keine Hilfe in der Nähe. Als ich endlich an Land sass, kam Tirass herangetrottet, und was macht der Hund? Er schüttelt sich. Nun war auch noch der Rest von mir nass.

Meine wohlig warm gefütterte Winterstiefel waren eiskalt und pflotschnass. Aber es blieb mir nichts anderes übrig, als mit dem ebenfalls triefenden Hund den rund 4 km langen Weg in Richtung Auto zu marschieren.

Wir sind beide wieder trocken, und gönnten uns bereits etwas Gutes auf den Schreck. Tirass ein feines Hundebisquit, ich ein traumhaftes Vermicelles.

Vor kurzem ist Roberto aus Italien eingetroffen, es ist alles wieder in Ordnung. Ab Morgen soll es die ganze Woche traumhaft sonnig sein - aber definitiv kein Badewetter mehr.

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Wenn es mit dem Verputz nicht so einfach ist

Der Weinkeller: Wir wissen ja, dass alles gut wird. Aber es ist schwer vorstellbar, dass am 20. Dezember alles tiptop sein soll. Doch Stevo wird es richten.
Der Weinkeller: Wir wissen ja, dass alles gut wird. Aber es ist schwer vorstellbar, dass am 20. Dezember alles tiptop sein soll. Doch Stevo wird es richten.

 

Bei unserer Abwesenheit vor zwei Wochen hatte Stevo im Sinn, mit dem Aushub bei der Einfahrt für die Verlegearbeiten zu beginnen. Im Wissen darum, dass Regen angesagt war, haben wir gemeint, er könne doch bei Schlechtwetter rasch den sehr groben Verputz im Weinkeller entfernen, und durch eine neuen, glatten versehen. Von einer glücklichen Fügung bei so viel Regen zu sprechen, ist wohl etwas übertrieben, aber diese grossen Niederschlagsmengen haben - nachdem der Verputz im Weinkeller weg war - die Schwachstellen aufgezeigt. Hinter der Mauer war die Drainage zu ungenügend, oder kaum vorhanden. So hat sich die Mauer wie ein Schwamm mit Wasser gefüllt. Jetzt haben wir einfach wieder viel Schutt und Schlamm. Stevo, der wusste, dass wir nicht mit so etwas gerechnet hatten, meinte munter: "Keine Sorge, in drei Wochen sieht alles genau so aus, wie es sein soll, und auch ein Teil der Einfahrt ist fertig." Er ist wohl der Beste. Wir wissen ja, dass er Recht hat, aber im Augenblick haben wir genug von Schlamm, Regen und Schutt im und ums Haus. Gemeinsam haben wir uns entschlossen, die Arbeiten im Frühstückszimmer um ein Jahr zu verschieben. "Mau im Winter e kei Baustell", waren Robertos Worte. Ich stimme ihm zu. Klar wäre die Renovation des Frühstückzimmers so das Tüpfelchen auf dem i gewesen, aber es sieht ja noch recht gut aus, und kann ruhig noch eine Saison im jetzigen Gewand erscheinen. Auch Stevo kann sich dann mehr Zeit für den Rest der Einfahrt nehmen. Ihr merkt, wir lassen wie Tirass auch, die Ohren etwas hängen. Ihm gefällt es absolut nicht, immer nur auf den Strassen ausgeführt zu werden. Aber abseits der befestigten Strassen ist es entweder zu gefährlich, zu schlammig, oder dann sind die Jäger unterwegs. Während Roberto noch das eine oder andere zu erledigen hat, reise ich am Samstag wieder ins Wallis, es sind sonnige Wintertage vorausgesagt. Das hebt meine Stimmung und Tirass' Ohren. Er liebt den Schnee und die Berge. Roberto folgt dann nächste Woche. Am 8. Dezember geht es dann für die ordentlichen Ferien nach Rupperswil.

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Rutschgefahr

Nach wochenlangen Regenfällen ist es nicht verwunderlich, dass die Hänge im Piemont ins Rutschen kommen. Keiner unserer Nachbarn kann sich an solche Wassermassen erinnern. Rund 140 Strassen sind gesperrt, viele Dörfer sind von der Umwelt abgeschnitten, und es ist kein Ende des Regens in Sicht.

Nach wundervollen Wintertagen in Montana hat uns Montabone seit gestern wieder. Wobei, am liebsten hätten wir gerade wieder kehrt gemacht. Ihr könnt euch die Schlammmassen nicht vorstellen. Unsere Strasse ist im Augenblick die einzige Verbindung nach Montabone, es herrscht also reger Verkehr. Die, welche die Situation kennen, können sich vorstellen, dass es beim Kreuzen die eine oder andere brenzlige Situation gibt. Denn auch unser Strässchen wurde nicht von rutschenden Hängen verschont, der Schlamm wurde aber bereits weggeräumt. Trotzdem ist es noch enger als vorher. Und bei uns? Hinter dem Haus hat eine kleine Mauer dem Wasserdruck nicht stand gehalten, und bei der Einfahrt sind einige Steine heruntergepurzelt. Ungemütlicher sieht es bei den Bäumen aus, der eine oder andere steht durch die kleinen Rutsche etwas schief da. Stevo wird diese nun so rasch wie möglich fällen, nicht dass sie uns aufs Dach kippen oder die Elektroleitung kappen. Eigentlich gehört ja der Hang hinter unserem Haus Beppo, aber dem ist das Ganze anscheinend egal, und es ist ihm ganz recht, wenn wir das Ganze in die Hand nehmen. Wie es sonst mit den Arbeiten bei uns so steht, erzähle ich morgen. Nur so viel: auch hier hat der Regen Regie geführt. Nun noch ein paar "Rutschbilder".

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Wintermärchen

Wie bereits im letzten Eintrag erwähnt, machen wir momentan einige Tage Pause in Montana. Es ist ein absolutes Wintermärchen, welches wir hier erleben. Zuerst einen Tag Schneefall, dann ein Tag purer Sonnenschein, dann wieder Schneefall. Euch muss ich nicht erklären, wie es einen Tag nach intensivem Schneefall aussieht. Einfach traumhaft. Tirass und ich verbringen Stunden im Schnee, die Winterwanderwege sind einmalig. Leider kann Roberto nicht mittun, wie er gerne möchte, er ist erkältet. Morgen kommen die Schneeschuhe zum Einsatz,  dann können wir noch etwas höher hinaus. Da die Wetteraussichten im Wallis recht gut sind, werden wir eventuell noch zwei oder drei Tage anhängen, denn in Montabone regnet es sozusagen ununterbrochen. Und Schneefall mit zwischendurch Sonne ist definitv verlockender.  Und hier noch zwei Eindrücke von unseren "Winterferien".

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Kleine Pause

Wir haben für diese Saison unsere letzten Gäste verabschiedet, und urplötzlich ist es sehr still geworden. Kein Frühstück mehr richten, die Zimmer sind alle bereit für einen kurzen Winterschlaf, und Stevo ist bereit, um mit den diversen Arbeiten zu beginnen. Wir dürfen wiederum auf eine tolle Saison zurückblicken, und auch die Aussichten auf das 2020 geben zur Freude Anlass.

Dieses Jahr müssen wir die Arbeiten relativ gut planen, da wir uns einerseits über Silvester wieder über ein volles Haus freuen können, andererseits wir die Einfahrt von der Strasse bis zum Haus neu gestalten möchten. Also, für einige Zeit wird die Zufahrt nicht möglich sein. Wir hoffen einfach, das Wetter spielt mit. Neben der mit Steinplatten ausgelegten Einfahrt wird auch der kleine Fussweg zu unserem Grundstück, welcher am grossen Tor vorbeiführt, wieder neu gemacht. Damit Stevo bereits die eine oder andere Arbeit in Angriff nehmen kann, "verschwinden" wir für eine Woche, und tauchen - so weissagen es die Wetterfeen - zum ersten Mal in diesem Jahr in den Schnee ein. Es geht nämlich nach Montana. Im Dezember dann sind wir wie gewohnt für eine Woche im Aargau.

Restauriert wird in diesem Winter das letzte der Zimmer im Gästehaus, nämlich das Frühstückszimmer. Darauf freue ich mich riesig. Ja, und dann bekommt auch unser Weinkeller einen neuen Verputz und Anstrich.

Ihr seht, es läuft wieder einiges, und die Gäste dürfen auf das Neue in der kommenden Saison gespannt sein. Was bleibt, ist unsere Freude am Tun und die Vorfreude, wenn es ab dem 1. März wieder heisst: Benvenuti a Casa Fossello. Doch so lange mache ich natürlich im Blog nicht Pause. Da gibt es über die Baufortschritte sicherlich das eine oder andere zu berichten und zu bebildern. Also: a dopo.

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Haarig

Dieser Eintrag ist wohl etwas ungewöhnlich, ist aber nicht an den Haaren herbeigezogen. Er hat einen fülligen Ansatz, verdünnt sich in der Mitte, bis er zum Schluss hin wiederum an Volumen gewinnt. Das Ganze begann vor gut 12 Jahren. Damals war ich der Meinung, lange Haare würde ich niemals tragen können, zu fein seien meine. Der Zufall wollte es, dass ich in Wildegg den Bericht über eine Neueröffnung eines Coiffeursalons schreiben musste. Und der Haarkünstler Engin Mert sprach immer wieder von seiner Schnitttechnik und das Erlernte in Italien und anderswo. Und so kam es, dass er das für mich Unmöglich scheinende wahr machte, und mir mit seinem Wissen vom Kurzhaarschopf zu voluminösen schulterlangen Haaren verhalf. Leider zog er ins Ausland. Ich hatte jedoch das  Glück, eine seiner Schülerinnen zu finden. Nun, kaum in Italien, musste ich natürlich zum Coiffeur, pardon, hier heisst er ja Parrucchiere. Und in den letzten zwei Jahren wurden meine Haare immer mehr zu Härchen, der Schnitt war einfach nicht der Richtige. Roberto könnte hier ein Lied davon singen, wie ich ihm mit meinem Problem wohl auf die Nerven ging. Immer wieder musste er sich Bilder von früher ansehen. "Lueg, das cha doch nid si, dass es hüt so schütter usgseht", war meine Rede.

Und dann war es wiederum Enging Mert, welcher mir den richtigen Tipp gab, wo es in meiner Umgebung einen Coiffeursalon gab, welcher nach dem gleichen Prinzip die Haare schneidet und pflegt. Es war übrigens ein absoluter Zufall, dass ich Engin auf Facebook gefunden habe.

Nach nur zweimaligem Besuch in dem von ihm genannten Salon in Asti waren die Erfolge bereits zu sehen - ich bin wieder rundum zufrieden - Roberto wohl auch. Also, liebe Damen - und natürlich auch Herren -, wenn ihr mit euren Haaren und dem Schnitt Probleme habt, dann geht einfach für eine Beratung zu Engin Mert, Personal Hair Designer, Lindenhofstrasse 15, 8001 Zürich. 

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Günther

Günther haben wir von den Vorbesitzern der Casa Fossello übernommen. Er wurde nicht aktiv in das Uebernahmeprotokoll wie etwa die Betten, die Nachttische, die Tische oder Stühle übernommen, er war einfach da. Etwas blass stand er mal dort, mal hier. Er war und ist so durchscheinend und nichtssagend, dass man ihn glatt übersieht  - vor allem, wenn man nach ihm sucht. Denn, wenn wir ihn brauchen, dann dringend. "Weisch du, wo der Günther isch?" meine schon fast verzweifelte Frage gestern. "Nei, i ha ne vor es paar Tag im Chäller gseh", gab Roberto zur Antwort. Zum Glück für euch reden wir immer noch Schweizerdeutsch miteinander, sonst müsste ich das hier direkt übersetzen. Aber zurück zu Günther. Vor allem, als wir unseren Keller ausräumen mussten, da wir alles mit Plattenboden versehen wollten, war Günther für einige Zeit unauffindbar. Zuletzt haben wir ihn an seinem angestammten Ort vermutet, aber infolge der Züglete wurde er ohne Murren seinerseits an einem anderen Ort deponiert. Ihr werdet vielleicht denken, dass wir nach ihm rufen könnten. Doch Günther ist weder eine Katze noch ein Hund, er steht einfach nur so rum. Und wenn er einen Duft von sich lässt, dann liegt das in unserer Verantwortung, er kann rein gar nichts dafür. So suchten wir gestern wieder einmal nach Günther. Und siehe da, Roberto fand ihn fast auf Anhieb. Er war da, wo er eigentlich schon immer stand, auf dem Regal in unserem neuen Keller. Günter ist wirklich sehr blass, ja schon fast wässerig, aber hat so um die 65% Alkoholgehalt. Und das nicht nur vorübergehend, sondern für immer. Na ja, bis die Flasche halt leer ist. Und duften tut er nur dann, wenn wir den Deckel nicht richtig auf die Flasche schrauben. Aber Günther leistet uns gute Dienste, wenn wir etwas entfetten müssen. Ob es ein Badezimmerplättli ist, um einen neuen Seifenhalter zu montieren, oder wie gestern, als wir unsere neue Beschriftung vor dem Haus auf eine Holzplatte kleben mussten.

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Stunden der Ungewissheit

Es war vor einigen Tagen, als unser Tirass wieder einmal einer seiner viel zu vielen Epilepsieanfälle hatte. Die momentanen Medikamente scheinen einfach nicht zu helfen, ab Montag stellen wir dann die Medikamentation um. Aber zurück zum Tag des Geschehens. Nach seinem Anfall schien er gut erholt, und strebte auf noch etwas wackeligen Beinen dem offenen Tor zu, welches zum Feld unterhalb unseres Hauses führt. Für uns eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, dort irgendwie weiterzukommen. Nun, Tirass in seiner Verwirrtheit - wir vermuten, er hatte nochmals einen Anfall - schaffte das für uns Unmögliche. Doch damals wussten wir das noch nicht. Wer bereits bei uns war, weiss, dass unser Grundstück sehr steil ist, und der Waldrand, resp. die Felswand den Abschluss bildet. Auf die andere Seite bildet ein tiefer Graben die Grenze. Vergebens riefen wir nach unserer Fellnase, die Suche mit Scheinwerfer waren ebenfalls negativ, denn inzwischen war es am Eindunkeln. Roberto war sich sicher, dass unser Tirass in einem seiner Anfälle einem Herzstillstand erlegen sei. Nach einer weiteren erfolglosen Suche beschloss ich, die Strasse herunterzufahren. Vielleicht hatte er ja einer der "Schluchten" überwunden. Doch kein Hundehaar von Tirass war zu sehen. Also fuhr ich die Strasse auf der gegenüberliegenden Hangseite noch hoch. Dort stoppte ich einen Autofahrer und fragte ihn, ob er eventuell einen frei laufenden Hund gesehen hätte. Natürlich war die Antwort ein "No". Aber er fragte nach der Rasse unseres Hundes und der Adresse. Unverrichteter Dinge kehrte ich nach Hause zurück. Roberto rechnete schon lange nicht mehr damit, den Hund lebend anzutreffen, in mir sträubte sich alles dagegen. Auch war kein Darandenken, einfach ins Bett zu gehen.  Ausgerüstet mit einer warmen Decke machte ich es mir auf dem Liegestuhl bequem. Wer weisse vielleicht rief Tirass nach uns in der  Nacht. Was rief, war mein Telefon, um ein Uhr in der Nacht. Der Mann, welchen ich auf der Strasse in Richtung Montabone angetroffen habe, hatte unseren Hund auf den Heimweg angetroffen und festgehalten. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie erleichtert wir waren.

Und der Mann, welcher unseren Tirass gefunden hatte war kein geringerer, als der zweite grosse Winzer von Montabone - ihm ist ein grosser Weineinkauf gewiss.

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Mein Fels in der Brandung

Wer Roberto kennt, weiss, dass er ein eher ruhiger Typ ist. Und man meint, es könne ihn nicht so viel aus der Ruhe bringen. Er ist wirklich mein Fels in der Brandung. Wenn ich aus irgend einem Grund - und das kommt ab und zu vor - hypere, dann ist Roberto da, und bringt mich mit seiner ruhigen und bedachten Art wieder auf den Boden zurück. Nur bei einer Sache sind die Rollen umgekehrt - soweit das überhaupt möglich ist. Gerade heute Abend ist es wieder passiert. Es bahnte sich ein veritables Gewitter an, und auch der Fussballmatch Armenien-Italien stand kurz bevor. Es braucht bei diesen Wetterverhältnissen kein überirdisches Gefühl um zu wissen, dass über kurz oder lang der Fernsehempfang über die "Schüssel" gestört sein wird. "Urlare" heisst fluchen, und das begann bei Roberto schon einige Zeit vor dem Gewitter. Denn zu allem andern sich anbahnenden Uebel waren die Batterien bei der einen Fernbedienung - es braucht für einen gemütlichen Fernsehabend deren vier - am Anschlag. Doch nach der Auswechslung funktionierte das Ganze für kurze Zeit einwandfrei. Das Gewitter war es, welches Roberto vollends aus der Fassung brachte. Ich will jetzt hier nicht wiedergeben, was er alles über Italien, das wackelige Netz etc. sagte. Sie wissen, "urlare" heisst fluchen. Aber es ist wie bei dem Tunnel, wo von Ferne her ein Lichtlein blinkt. Mein Fernseher in der Küche. Den brauche ich nur, um Musik zu hören, und die Sender kommen über das Kabel. Dieser kleine, kaum von Roberto beachtete Ferseher kann nur wenige Sender empfangen, aber an diesem Abend brachten sie das Spiel auf RAI 1. Nun sass Roberto - mehr oder weniger ruhig - auf einem Küchenstuhl, und schaute sich nun völlig ruhig den Matche an. Wieso in aller Ruhe? Italien gewann natürlich.

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Das Lüftchen erzählt vom Herbst

Wir haben zwar immer noch sommerliche Temperaturen mit viel Feuchtigkeit. Doch gerade heute wehte ab und zu ein kühles Lüftchen von den Bergen her. Der Vorbote für den nahenden Herbst. Und auch die Wetteraussichten zeigen, dass es langsam aber sicher dem Herbst entgegen geht. Einerseits bin ich froh, dass die monatelange Bruthitze mit über 40 Grad im Schatten vorüber ist, in welcher man den Tag hindurch draussen kaum was machen konnte. Und auch mit Tirass müssen wir nicht mehr nur in den frühen Morgen- und späten Abendstunden wandern gehen; jetzt sind wir wieder etwas flexibler. Die Nächte mit kaum unter 30 Grad gehören der Vergangenheit an. Für unsere Gäste diese Saison kein Thema mehr, in den Gästezimmern halten die Klimaanlagen die Hitze fern. Wir in unserem Haus hingegen, sind noch nicht soweit.

Seit rund einer Woche sind wir PET-frei unterwegs, die Wasserstationen wurden installliert. Nun können unsere Gäste auswählen, ob sie stilles Wasser zimmerwarm oder gekühlt, und Sprudelwasser gekühlt haben möchten. Einfach die Taste gedrückt, die Karaffe daruntergestellt, und - voilà - der Durstlöscher sprudelt. Doch nicht nur die kühleren Temperaturen heissen wir willkommen, sondern auch unsere zahlreichen Gäste, bis Ende Oktober sind wir quasi ausgebucht - da herrscht Freude und auch Dankbarkeit, dass unsere Casa so gut besucht ist. Habt vielen dank ihr lieben Gäste. Ach ja, wie letztes Jahr haben wir auch heuer über die Silverstertage geöffnet. Ideal für Gruppen bis maximal 8 Personen, um bei uns gemütliche und ruhige Feiertage mit Weinreise oder Besichtigungen zu geniessen

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2500 Kilometer

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Ohne Pet-Flaschen

Ihr könnt euch vorstellen, dass bei uns eine grosse Zahl an Pet-Flaschen anfällt. Sie werden zwar auch hier recycelt, aber wir haben seit längerer Zeit kein so gutes Gefühl mehr dabei. Zwar könnte man, gemäss Gemeindeverwaltung, das Leitungswasser trinken, aber ab und zu riecht dieses leicht nach Chlor, und das wiederum sorgt ebenfalls für etwas Skepsis. Nun haben wir die Lösung gefunden. Künftig wird unser Trink- und Kochwasser durch ein Filtersystem "geschleust" - dem Trinkgenuss steht dann nichts mehr im Wege. Kommt hinzu, dass unsere Gäste an der künftigen Wasserstation dann zwischen Frizzante kühl, Frizzante normal und Naturale wählen können. Das Wasser wird zudem regelmässig untersucht, und auch die Filter in regelmässigen Abständen ausgewechselt.

Wir haben nicht nur ein besseres Gefühl, auch die Schlepperei mit den Pet-Flaschen hat ein Ende. Nur der Ferragosto kommt uns noch etwas in die Quere bei all dem, was wir vorhaben. Wie gewohnt sind über diese Tage die Italiener in den Ferien - wir müssen uns noch etwas mit dem Einbau gedulden.

Die heissesten Tage haben wir hinter uns, die Temperaturen sinken vor allem in der Nacht auf angenehme 18 bis 20 Grad. Am Tag sind es noch rund 30 bis 32 Grad. Dank den Klimageräten in den Zimmern wurde es für unsere Gäste nie unangenehm. Und das Gute daran, der Strom dazu kommt vom Hausdach. Ihr seht, lauter gute Nachrichten. Ausser, dass Roberto im Augenblick eine Sommergrippe "ausbrütet". 

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Familienferien

Der Wanderurlaub liegt schon in weiter Ferne. Das Nachhausekommen war nicht gerade das, was wir erwartet haben. Während unserer Abwesenheit hatte der Buchsbaumzünsler ganze Arbeit geleistet, und unsere acht wunderschön gross gewachsenen Buchskugeln waren nur noch jämmerlich verdorrte Dinger. Da gab es nur noch eines: aus den Kübeln hieven und in der Feuerstelle verbrennen - und natürlich Ersatz beschaffen. Die neuen buchsähnlichen Pflanzen sollen nun resistent gegen den Zünsler sein. Nur sehen sie halt noch etwas klein aus, aber sie sollen schneller wachsen als der Buchs. Während der Zünsler ganze Arbeit leistete, war Stevo mit unserem Keller und dem neuen WC noch nicht so weit, wie wir es uns gewünscht hätten. Kam hinzu, dass die Zeit langsam knapp wurde, in drei Tagen wurden die nächsten Gäste erwartet. Da mussten wir nun alle auf gut Deutsch etwas in die "Hosen". Neue Pflanzen setzen, jäten, mähen, den Staub von Stevos Kellerarbeit eliminieren, und, und, und . . . Zwei Stunden bevor unsere Gäste eintrafen, war alles fertig. Die Gäste, das waren meine Söhne und die WG-Gspänli von Christoph. Einen Tag später traf dann noch seine Freundin mit ihrem kleinen Sohn ein - die Familie war komplett. Das Planschbecken für den Kleinen war so gross, dass auch die Erwachsenen Gefallen daran fanden. Das Problem war nun, die rund 3500 Liter Wasser  nach und nach so abzulassen, dass es uns nicht den ganzen Hang wegschwemmte.

Seit zwei Tagen haben wir wieder Normalbetrieb, die Saison beginnt dann so richtig wieder Ende August. Bis dahin müssen wir noch den einen oder anderen "Bürokram" erledigen. Auch bereitet uns "Tirass" grosse Sorgen, seine Anfälle werden wieder sehr häufig. Zwar erholt er sich schneller davon als noch vor einem halben Jahr, aber sie sind trotzdem zu häufig. Wir hoffen auf Besserung mit den neuen Medikamenten, drücken Sie uns, resp. Tirass, die Daumen.

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Von 280 auf 1500

Es ist weder ein Stresspegel, noch eine Schrittzahl, sondern ganz einfach die Höhenmeter, welche wir getauscht haben. Kurz, von den piemontesischen sommerheissen Hügeln in den kühleren Bergsommer von Montana im Wallis. Wir haben uns selber zwei Wochen Auszeit genommen, und sind der sommerlichen Hitze mit über 40 Grad am Tag, und kaum Abkühlung unter 30 Grad im Piemont entflohen. Unsere Gäste haben die neu installierte Klimaanlage zu schätzen gewusst. Bevor es am 15. Juli mit einigen Anreisen wieder mit der Saison weitergeht, wandern wir auf bekannten und teils unbekannten Wegen im Gebiet von Montana. Stevo ist, wie bereits das letzte Mal erzählt, derweil dabei, unseren Keller in "schön" zu verwandeln. 

Es ist hier schlichtweg herrlich. Natürlich wird es auch am Nachmittag ordentlich warm, aber wir starten jeweils so gegen halb Neun, und sind dann im frühen Nachmittag wieder daheim. Eine Dusche, ein kurzes Nickerchen, und dann steht Einkaufen in Montana fürs Nachtessen auf dem Programm. Nicht so tierisch ernst, wie das jetzt tönt, da liegt ein Kaffe mit einem traumhaften Kuchen bei "Taillens" - dem wohl besten Cafè in Montana - drin. Wenns später wird bei unserem Rundgang durch das Dorf, geniessen wir den Apero mit bester Aussicht auf die Promenade. Ab und zu gehen wir auch auswärtes essen, aber die Preise erschrecken uns jeweils ein bisschen, so, dass wir mehrheitlich daheim essen. Aber ein- oder zweimal beim Argentinier einkehren, liegt drin. Und das alles natürlich mit "Tirass". Er schätzt die Kühle sichtlich, vor allem dann, wenn wir einem Wasser entlang wandern, wird er schlichtweg zum Wasserhund. Doch was sollen all die Zeilen, ich lege noch einige Bilder bei, damit ihr euch einen abgerundeten Eindruck von unserer tollen Zeit machen könnt.

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Sommer ist, wenn . . .

. . .  unser "Tirass" keine Lust mehr hat, mit seinem Lieblingskong zu spielen. Sommer ist, wenn wir früh um Sechs mit "Tirass" auf Tour sind, da es sonst zu heiss wird. Sommer ist, wenn unsere Gäste bereits am frühen Morgen froh sind, wenn sie am Schatten frühstücken können. Aber es ist noch nicht Sommer. Immer wieder macht entweder der kühle Wind, Wolken oder zwischendurch Regen diesem aufkeimenden Gefühl einen Strich durch die Rechnung. Es ist zwar recht warm - wenn der Wind nicht bläst - aber wir sind weit weg von den gewohnten über 30 Grad am Schatten. Aber auch weit weg davon, um in Klagen auszubrechen. Wir sind es halt einfach etwas anders gewohnt, sind jedoch gewiss, dass der gewohnte Sommer noch Einzug halten wird. Dann, wenn die Temperaturen in Richtung 40 Grad klettern, und um die Mittagszeit der kurze Weg von der Haustüre bis zur schattigen Pergola zur Mutprobe wird. Dann, wenn bis spätestens 9 Uhr alle Arbeiten im Freien erledigt sein müssen. Dann, wenn die Temperaturen auch nachts nur knapp unter 30 Grad sinken. Ja, dann ist wirklich Sommer. Und wir? Wir verziehen uns im Juli während rund 10 Tagen ins kühlere Montana im Wallis. In dieser Zeit wird unser Stevo für einmal nicht das Gästehaus verschönern, sondern in unserem Haus tätig sein. Doch vorher möchten wir bis Ende Juni mit unseren Gästen noch etwas Sommer geniessen, und hoffen, dass er endlich und endgültig Einzug hält. So, dass man die lauen Abende in vollen Zügen geniessen kann. Nach dieser kurzen Auszeit in den Bergen im Juli sind wir dann ab dem 15. Juli bis Ende November da für unsere Gäste. Und wenn sich der Herbst wie im letzten Jahr wiederholt, dann freuen wir uns schon jetzt auf lange und laue Abende, farbenprächtige Wochen, und natürlich auf einen guten Jahrgang 2019.

 

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Wieder daheim

Vor rund eineinhalb Jahren hat Robertos Vater den Wunsch geäussert, er möchte von Neuhausen zu uns ziehen. Nach 60 Jahren in der Schweiz kam er sozusagen wieder heim, denn er wurde in Asti geboren. Natürlich entsprachen wir seinem Wunsch, und so zog er in eines unserer Gästezimmer ein. Mit dabei sein kleines, gelbes Rüstmesserchen. Ich seh ihn heute noch, wie er mir am grossen Küchentisch das Gemüse rüstete und die eine oder andere Handreichung tätigte. Zu den Gästen war er der besorgte und sehr charmante Capo, welcher sich immer wieder danach erkundigte, ob wir denn alles zur Zufriedenheit machten.  Es ging ihm soweit gut, so dass wir schon daran dachten, für ihn eine kleine Wohnung in Acqui Terme zu mieten. Dort hätte er es viel näher zu seinen Verwandten gehabt, und diese wiederum auch zu ihm. Wir sahen ihn schon mit den anderen Pensionären Boccia spielen, und ja, den Lebensabend in seiner Heimat geniessen. Doch unvermutet verschlechterte sich sein Gesundheitszustand sozusagen von einem Tag auf den andern, was einen Umzug in die Altersresidenz in Acqui Terme unumgänglich machte. Leider mussten wir vor zwei Wochen von Riccardo Abschied nehmen. Doch für ihn hat sich der Kreis unserer Meinung nach perfekt geschlossen. Wir durften ihn auf dem Friedhof in Visone, dem Nachbarort von Acqui Terme,  bestatten. Dort, wo seine Eltern, Grosseltern, Cousinen und Cousins, kurz, die ganze Familie mütterlicherseits ihre Ruhe gefunden hat. Riccardo ist wirklich nach Hause gekommen.

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Alarm im Einkaufszentrum

Es war schon eine etwas ungemütliche Situation. Ich stand mit andern Kunden an der Käse- und Fleischtheke, das Nümmerchen in der Hand, und gleich wäre ich an der Reihe gewesen. Da sagte der Verkäufer unvermittelt, wir sollen uns doch bitte zur Kasse und in Richtung Ausgang begeben. Da kam auch noch der Chef und sagte mit Nachdruck dasselbe. Also liessen wir unsere Einkaufswagen stehen - das Nümmerchen behielt ich natürlich noch - und verliessen zügig das Einkaufszentrum. Draussen angekommen wurden wir alle an die äusserste Ecke des Parkplatzes geführt, am weitesten Weg vom Zentrum. Zuerst standen wir alle etwas ratlos und mit einem mulmigen Gefühl da. Vor allem machte ich mir auch Sorgen um mein Auto in der Tiefgarage. Bald wurden wir darüber aufgeklärt, dass es lediglich eine Uebung war. Bis auf den Chef war auch das ganze Peronal mit ihren Kassen in den Armen versammelt. Der letze, welcher bei uns ankam, war der Chef. Gerade so, wie es sich für einen Kapitän ziemte. Die Erleichterung, dass es sich lediglich um eine Uebung handelte, war bei allen zu spüren,  sofort war die Stimmung wieder gelöst, und der Ruf nach einem Cafè als Entschädigung wurde vom "Kapitän" mit zustimmendem Nicken zur Kenntnis genommen.

Während die einen an der Bar ihren Cafè schlürften, suchten die anderen ihre Wägelchen, und setzten den Einkauf fort. Natürlich war mein Nümmerchen nun Schnee von gestern, und es wurde neu gezogen. Uebrigens eine gute Sache bei den Theken. Da gibt es kein Vorpreschen, es geht alles schön der Reihe nach.

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Vor dem grossen Tief

Ich "schiniere" mich ein wenig, dass ihr so lange auf einen neuen Eintrag warten musstet. Doch auch hier fliegt die Zeit "il tempo vuole". Besonders dann, wenn man Gäste begrüssen darf, und verabschieden muss. Denn irgendwie wachsen mir alle ans Herz. Die, welche mich schon länger kennen, wissen, dass ich eine "Gluggere" bin. Zufrieden bin ich erst, wenn alle meine Gäste das Gewünschte bekommen und zufrieden sind. Aber eigentlich schweife ich ab, ich wollte über unseren Frühling berichten, bevor das Genuatief über uns hinwegzog. Noch sind von Weitem dunkle Wolken zu sehen, doch wir haben das Gröbste hinter uns, und freuen uns auf sonnige und warme Tage. Die hatten wir schon vorher, davon zeugen die Bilder, welche ich nachfolgend zeigen werde. Und wer nicht genau weiss, was mit den freien Tagen im Mai und Juni zu machen, dem sei gesagt, dass wir vom 5. bis 11. Mai sowie infolge einer Annulation vom 6. bis 16. Juni noch Zimmer frei haben. Uf wiederluege oder "a dopo"

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Mir gefällts

Derweil sich der Brotteig noch einige Zeit gehen lässt, und der Bounet im Wasserbad bei 145 Grad seinem Garende nähert, will ich euch wie versprochen die Aktualitäten berichten. Doch zuerst zum Bounet. Es ist ein typisch piemontesischer Dessert, welchen unsere Gäste morgen - wenn sie dann noch mögen - serviert bekommen. Der Bounet ist einfach ausgedrückt ein Schokoladepudding in unendlichen Varianten an weiteren Zutaten. In Kürze werde ich meine Variante in der Rubrik "Rezepte aus unserer Küche" vorstellen. Doch nun zu unseren Projekten. Stevo ist heute mit der schönen Natursteinmauer und dem Parkplatz fertig geworden. Ein richtiges Prunkstück, fast zu schade, um Autos darauf abzustellen. Stevo wäre eigentlich schon früher fertig geworden, wenn wir nicht immer noch das eine oder andere gehabt hätten. Sei es die Installation der Ablaufvorrichtung unserer neuen Kombination im Frühstückszimmer, welche immer wieder einen Gang in den Baumarkt nötig machte. Oder das Montieren einer Solarlampe für den Parkplatz, die Reparatur des Rasenmähers, und, und, und . . .   Auch die Photovoltaikanlage ist installiert, nun muss einfach noch die zuständige Elektrofirma den Zähler installieren. Wir sind also endgültig bereit, in die neue Saison zu starten, welche für uns und die ersten Gäste jedoch schon vor einer Woche begonnen hat. Wir sind sozusagen warm gelaufen. Nun freut euch mit mir an den Bildern des neuen Parkplatzes und des Stromspenders auf dem Dach des Gästehauses.

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Erwischt

 

Der Fahrausweis, schon fast eine endlose Geschichte. Doch bei mir zeichnet sich ein Ende ab. Mein Schweizer Permis ist bei den Behörden betreffend Ausstellung eines italienischen Fahrausweises, ich kurve im Augenblick mit einer zweiseitigen Bestätigung herum, welche bescheinigt, dass der Wechsel läuft.

 

Roberto hatte da noch ein Problem. Sein Heimatschein war nur in deutscher Sprache abgefasst, derweil meiner in allen vier Landessprachen ausgestellt war. Nun verlangte das Büro UPA – sozusagen das Strassenverkehrsamt – eine Uebersetzung des Heimatscheins von Roberto, welche er dann in einer anderen Amtsstelle in Alessandria bestätigten müsste. Wir wussten genau, dass dieses Büro in Alessandria sicher noch andere Bedingungen stellen würde, weshalb Roberto der Einfachheit halber einen neuen Heimatschein bestellte, welcher in ebenfalls allen vier Landessprachen abgefasst war. Nun fährt auch er mit einer zweiseitigen Bestätigung herum, bis der italienische Fahrausweis eintrifft.

 

Das war aber vor rund einer Woche noch nicht so, da fuhr Roberto noch mit einem nicht mehr gültigen Fahrausweis aus der Schweiz herum. Ja, und es kam, wie es kommen musste: die Carabinieri winkten uns in Alessandria heraus. Es gab ein Hin und Her, es wurden hohe Bussen angedroht, und schlussendlich wollten die Carabinieri den Fahrausweis von Roberto einziehen. Wir hatten die ganze Zeit das Gefühl, dass die Uniformierten nicht ganz wussten, was sie nun machen wollten. Das Ganze zog sich mittlerweile eine halbe Stunde hin, und daheim wartete unser Vierbeiner auf uns. Roberto war nicht ganz die Ruhe selbst, aber er war sehr beherrscht – chapeau. Nachdem Roberto den Polizisten erstaunlich ruhig erklärte, sie könnten den Fahrausweis gerne behalten, nur müssten sie ihm erklären, wie er – da er diesen Ausweis zur Umschreibung ja benötigte – diesen dann der UPA vorlegen sollte. Nach einem langen Gesicht des Carabinieri und einer noch längeren Diskussion mit seinem Kollegen in ihrem Wagen, kam er dann forschen Schrittes auf unser Auto zu, und erklärte Roberto, er solle die Angelegenheit nun in Ordnung bringen, händigte ihm den Ausweis mit der Ermahnung aus, dass ab sofort ich das Lenkrad übernehmen solle. Und ich konnte es nicht lassen, und meinte zu Roberto: “Ich darf von Gesetzes wegen ja mit deinem Auto gar nicht fahren. Frag ihn mal, wie wir das jetzt lösen sollen.” Ein kurzes und gezischtes “Hör auf” liess mich vermuten, dass wir uns einfach nur davon machen sollten. Gesagt, getan. 

 

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Frühlingstaumel

In den vergangenen Tagen verwöhnt uns die Natur mit Frühling pur. Blühende Bäume, Sträucher, ja ganze Wälder befinden sich im Blütenkleid. Ich weiss manchmal gar nicht, wohin zuerst schauen. Die am Text anschliessende Bilderauswahl vermag die Wirklichkeit kaum zu wiederspiegeln, es ist einfach nur prächtig. Meine Wanderungen mit Tirass führen mich im Moment über Hügel und Kuppen, von einem Dorf zum andern. Das geht aber nur, wenn man einen lieben Chauffeur zur Hand hat, welcher uns an einem gewünschten Ort absetzt, und dann wieder an irgend einer anderen Stelle wieder abholt. So starteten Tirass und ich vor zwei Tagen im schönen Fontanile, um dann drei Stunden später in Alice bel colle von Roberto wieder abgeholt zu werden. Es ist eine etwas abgewandelte Variante einer meiner Träume. Seit Jahren hege ich den Gedanken, für einige Zeit auf Wanderung zu gehen. Nicht ziel- und kopflos, sondern gut vorbereitet, damit das Wandererlebnis im Vordergrund stehen kann, und nicht von der Herbergensuche überschattet wird. Es soll aber auch kein Pilgerweg sein, sondern ganz einfach eine tolle Wanderroute, welche im späten Herbst und anfangs Frühjahr bewältigt werden kann. Denn zu Beginn der Saison in unserem schmucken B&B müssen wir wieder zurück sein.  Mal sehen. Und wenn nicht, dann ist das auch kein Unglück, wir erleben auch hier viele tolle Wanderstunden.

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Lorzenzos Schulter

Lorenzo ist bei einem Sturz in einem seiner Rebberge auf die Schulter gefallen. Und zwar genau auf jene, welche ihm sowieso mit der Arthrose Kummer bereitet. Und wie es hierzulande - wenn man eine "normale" Krankenversicherung hat - so ist, muss er lange auf einen Arzttermin warten. Ausser natürlich bei einem absoluten Notfall, oder wenn man bei einem Ereignis die Versicherungsstufe wechselt, und selber in die Tasche greift. Nun, Lorenzo wollte das nicht, und jedes Mal, wenn wir ihn sahen, klagte er über seine Schmerzen in der Schulter. Und da kam mir in den Sinn, dass ich in der Schweiz immer wieder von Leuten gehört habe, dass sie auf die Pferdesalbe schwören. Nun, eine Pferdefachfrau kannte ich, und so habe ich mich kurz über diese Pferdesalbe informiert. Sie soll ja anscheinend Wunder vollbringen. Da habe ich natürlich für Lorenzo und für uns gleich mit zwei Töpfe dieser wunderbaren Pferdesalbe bestellt.

Als wir unserem Nachbarn die Salbe übergaben, schaute er ziemlich ungläubig, ja fast ängstlich, auf die Dose, auf welcher natürlich ein Pferd abgebildet war, und in grossen Lettern "Pferdesalbe" prangte. Wir sahen, dass ihm das Ganze überhaupt nicht geheuer war. Doch Roberto beruhigte ihn und meinte, er brauche dieses Wunderding gerade selber. Lorenzo war nicht restlos überzeugt, und wir wissen nicht, ob er diese etwas streng riechende Salbe auch wirklich braucht. Wie auch immer, in den letzten Tagen schien es ihm besser zu gehen. Und wenn Roberto etwas geflunktert hatte, so holte ihn diese kleine Lüge kurzerhand ein. Seit einer grossen Wanderung mit unserem Tirass schmerzt Roberto das eine Knie. Nun, ich habe ja zwei Dosen dieser Wunder-Pferdesalbe bestellt, und so reibt Roberto sein Knie zwei Mal täglich ein. Ob es besser geworden ist? Schon, aber ob es wirklich die Pferdesalbe war, oder eventuell doch das Voltaren?

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Frühlingswandern mit Tiefgang

Schon vor ein paar Tagen sind wir auf Wanderung im Naturpark von Vinchio gewesen. Unser gemeinter Rundgang hätte rund 15 Km lang sein müssen, aber wir waren schon nach rund einer Stunde wieder am Ausgangspunkt zurück. Also haben wir uns entschlossen, nochmals einen anderen und weiteren Weg zu suchen. Also, wir hätten uns den ganzen Tag in diesem Naturpark aufhalten können, so viele verschiedene Wege gibt es. Von einem wunderschön sonnigen Höhenweg führte unsere Wanderung weit hinab auf den Talgrund, welcher uns mystischer nicht erscheinen konnte.  Und überall erzählten die blumigen Boten vom nahen Frühling. Ich habe einfach am Schluss einige Bilder belegt, damit ihr euch selber einen Eindruck machen könnt. Im Frühsommer und später muss es noch schöner sein. Erst im Nachhinein wurde uns bewusst, dass wir das "Tal des Todes" durchschritten haben. Der Name folgert aus der Geschichte, denn im Jahr 935 hatte Aleramo dort die Sarazenen besiegt und für immer vertrieben. Jedes erste Wochenende im Mai wird dieses Ereignis gefeiert, und zwar eine ganze Nacht lang. Nachfolgend ein Ausschnitt aus den Berichten, was in dieser Nacht alles passiert. Mal sehen, ob es uns gelingt, diese Nacht mitzuerleben:

Mittelalterliche Nacht der Geschmäcker und Traditionen zum Gedenken an den
Sieg über Sarazenen-Raubtiere, der 935 auf den Hügeln von Vinchio durch
Aleramo stattfand, ist die Stadt mobilisiert. Das historische Zentrum ist
mit Fackeln beleuchtet, und über zweihundert Figuranten reproduzieren einige
Epochen des mittelalterlichen Lebens und die auffallenden Phasen der Schlacht
zwischen den Aleramici und den Berber-Invasoren, die zu ihrer endgültigen
Vertreibung führten. Für eine Nacht füllen Waffen- und Bogenschützen, Pferde und Reiter, Jongleure
und Fahnenträger die Altstadt von Vinchio bis zum Morgengrauen mit einer
fast unwirklichen Atmosphäre. In den mittelalterlichen Läden und Tavernen
werden typische Gerichte der Region, Tajarin und Etappe ', Risotto mit
Spargel, Kutteln, Kichererbsen mit Rippchen, Agnolotti, Bruschetta, Vitello
Tonnato, Spargel frittata, Salzkrumen, Farinata, Saracen Cake verkostet ,
Friceu-Desserts und viele andere lokale Spezialitäten, begleitet von erlesenen
Weinen aus den Hügeln der Vinchies.

 

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Viel Arbeit für Stevo

Ihr wisst, Stevo ist unser guter Geist des Anwesens. Er weiss, wo was zu tun ist, aber er nimmt sich manchmal auch etwas zu viel vor. Vor allem hat er nicht nur uns, welche nach ihm rufen, sondern so die einen oder anderen "Stranieri" und Eingesessenen in Montabone, die ebenfalls auf seine gute Arbeit angewiesen sind. Kommt hinzu, dass bei uns immer wieder Unvorhergesehenes passiert, welche seine Aufmerksamkeit erfordert.  So würde es bis zur Ankunft unserer ersten Gäste ziemlich knapp, wenn er die ganze Fassade des Gästehauses restaurieren müsste. So hat er nun etwa die Hälfte geschafft, und uns gefällt es sehr gut. Ich habe wie gewohnt Bilder am Schluss beigefügt. In den nächste Tagen erstellt Stevo dann noch unseren Parkplatz für die Gäste neu. Bis anhin wucherte auf dem Platz das Unkraut ungehindert, ein Plattenbelag wird diesem nun Einhalt gebieten. Auch der unschöne "Maschendrahtzaun" wird einer kleinen Mauer Platz machen. Aber auch auf dieser wird wieder ein Zaun installiert, so, dass keine Tiere wie Wildschweine unser Terrain betreten können. Von wegen Tieren: kürzlich habe ich den Wassernapf von Tirass vor der Haustüre aufgehoben und mit Frischwasser aufgefüllt. Und als ich diesen wieder hinstellen wollte, sah ich, dass darunter eigentlich ein grosser Feuersalamander sass . . . Der Schrecken kam im Nachhinein. Wobei sie ja für uns nicht gefährlich und eigentlich ganz schöne Tiere sind. Aber so ganz daran gewöhnt habe ich mich noch nicht.

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Zwischenspiel

Wie im letzten Jahr, haben wir auch in diesem Jahr ein Fass mit Boden gefunden. Will heissen, dass wir einen baulichen Mangel gefunden haben, welcher sich aber gut beheben lässt. Einzig Stevo kommt dabei mit seinen normalen Arbeiten ziemlich in Verzug. Es ist so: schon des öftern haben wir ab und zu ein feines Düftchen vor unserem Haus festgestellt, dies aber dem Wetter oder dem Bauernhof im Tal zugeschrieben. Nun wurde aber dieses Düftchen immer penetranter, bis Stevo mal nachschaute. Konkret, er griff zur Schaufel und machte sich an die Arbeit. Was er antraf, war einer der Kammern unserer Kläranlage, welche zwar einen Zufluss aufwies, jedoch der Abfluss wesentlich höher lag und auch nicht angeschlossen war. Kurzum das Ganze Wasser lief seit zig Jahren in das Erdreich. Nun wollten wir aber der ganzen Geschichte auf den Grund gehen, und bestellten eine Kanalreinigungsfirma mit Kanalfernsehen. Ihr wisst, die italienische Variante von Lüpold aus Möriken. Inner kurzer Zeit fand man den Standort der ersten Kammer, und was wir da zu Gesicht bekamen, liess uns die Haare zu Berge steigen. Ein Zufluss ja, aber die Abflussrohre fehlten komplett. Der Clou war natürlich noch, dass sich das Ganze rund 1,5 Meter unter der Erdoberfläche und so halb unter dem Autounterstand befand. Da waren vorgängig viel Grabarbeiten notwendig. Die Kammer wurde ordentlich gespült, und durch das Erdreich ein Tunnel gebohrt, um die Rohre fachgerecht verlegen zu können. Nach rund einer Woche ist nun alles in Ordnung, und Stevo konnte sich wieder der Fassade widmen. Vorher jedoch half er noch rasch, unserem Nachbarn Angelo einen Baum zu fällen. Der hatte ihn durch das Tor erspäht, und packte die Gelegenheit beim Schopf, um ihn um Hilfe zu bitten. Und zusammen mit Roberto war die Arbeit dann schnell getan. Ach ja, zur Sicherheit haben wir noch die Abflüsse des Gästehauses überprüfen und spülen lassen, da ist alles im grünen Bereich. Ich lege euch noch ein paar Bilder bei. Und in den nächsten Tagen folgt dann das Ergebnis der Fassadenrestauration.

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Es kommt gut.

Fontanile
Fontanile

Nachdem es letzte Woche wiederum geschneit hatte, und die Schneeschuhe täglich im Einsatz waren, verwöhnt uns seit gestern das Wetter wieder mit Sonnenschein und den Tag hindurch mit schon fast frühlingshaften Temperaturen - wenn da dieses kühle Windchen nicht wäre. Der Schnee weicht auf den Rebwegen nun dem Match. Die Schneeschuhe weichen den hohen Stiefeln. So bewegen wir uns im Moment vorwiegend auf asphaltierten Strässchen, und so habe ich gestern einen neuen Rundweg mit toller Aussicht entdeckt, und zwar in Fontanile.

Unser sonnige Lage und die dadurch angenehmen Temperaturen machen es Stevo und seinem Mitarbeiter leichter an der Fassade zu arbeiten. Im Moment klopft und hämmert es an unserem Gästehaus herum, und wenn man sich ein erstes Bild macht, könnte man fast meinen, wir hätten den Abbruch beschlossen. Aber in kurzer Zeit wird die Fassade so aussehen, wie wir uns das vorstellen. Letztes Jahr hat ja Stevo ein "Schaustück" für uns gemacht.Aber ihr geht sicher mit mir einige, dass es wiederum grosse Vortellungskraft braucht, um an das gute Ende zu glauben.

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Ein Zughund und ein Auto in Schieflage

Der Winter ist nun auch bei uns angekommen. War der Schnee in den letzten zwei Jahren - jaja, wir sind nun schon im dritten Jahr hier - am nächsten Tag schon fast wieder weg, bleibt er dank den tiefen Temperaturen liegen. Klar, an den Sonnenhängen schwindet er schon etwas, aber im Grossen und Ganzen haben wir immer noch Winterwunderland. Am vergangenen Mittwoch legte sich innert weniger Stunden ein 20cm weisser Teppich über das Piemont - und die Strassen. Wohlgemerkt, wir selber befinden uns nur auf 280 Meter über Meer. Mir war so Anfang Nachmittag das sich anbahnende Verkehrschaos völlig egal. Vergnügt schritt ich mit Tirass die zugeschneite Strasse hinauf, mit einem Davoser-Schlitten mit extra breiten Kufen; ein Geschenk meiner Schwester. Tirass zog den Schlitten mühelos den Berg hinauf, obwohl er anfänglich schon etwas schief das Gefährt hinter ihm beäugte. Die Abfahrt war dann für mich schon etwas arg schnell, wie gesagt, die breiten Kufen . . . . Für meinen Hund eine ungewohnte Sache, und er wollte mich partout vom Schlitten runterhaben. Nach einigem Zureden, vielen "Gudis" und etwas gemütlicherer Fahrt, kamen wir wohlbehalten daheim wieder an.

Zu diesem Zeitpunkt machte ich mir noch keine Sorgen um Roberto, der war in Alessandria bei seinem Vater im Spital. Nichts schlimmes, nur ein Eingriff, welcher regelmässig durchgeführt werden muss. Es war drei Uhr am Nachmittag, als ich von ihm hörte: "I starte öppe am viertel ab". Je später es wurde, umso mehr "Spatzig" baute ich in die Fahrt ein. Etwas später losgefahren, die schlechten Strassen, Stau . . . . Normalerweise dauert die Fahrt rund 30 Minuten. Um 18 Uhr machte ich mir doch ernsthafte Sorgen, und rief an. Was dann durch den Lautsprecher kam, möchte ich hier nicht wiedergeben. "Maledizione e Urlare" heisst Fluchen und Schreien. Und genau das hörte ich, bevor wieder aufgelegt wurde. Es war so: Roberto bog nach langer Fahrt in Eis und Schnee in unser schmales Strässchen ein, und prompt kam ihm ein Auto entgegen, welches - aus gutem Grund - nicht ausweichen wollte. Also setzte Roberto etwas zurück, und rutschte im tiefen Schnee die Böschung hinunter. Das war der Zeitpunkt meines Anrufes. Das Auto befand sich in arger Schräglage. Natürlich war "unser" Stevo rasch zur Stelle, schnappte sich bei mir die warme Winterjacke für Roberto und eilte ihm zu Hilfe. Doch auch er konnte nicht viel ausrichten. Der Landwirt etwas oberhalb des Geschehens hatte die Situation beobachtet. So startete er seinen Traktor - die Bauern haben hier im Winter meist einen Pflug vorgespannt - und kam zu Hilfe. Rasch wurde unser Auto aus der misslichen Lage befreit, ein Aufatmen auf allen Seiten. Und so kam es, dass wir am nächsten Tag ein "Dankeschön" vorbeibrachten und dann in gemütlicher Runde bei Piero und Angela bei Kaffee und Kuchen in ihrer grossen Küche sassen.

Ich füge noch einige Bilder von unserem Winter dazu, welcher übrigens in der kommenden Wochen nochmals ein paar Centimeter Schnee liefern will.

 

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Tirass

Unser Tirass: Stolz und ab und zu etwas stur - wir möchten ihn nicht anders haben.
Unser Tirass: Stolz und ab und zu etwas stur - wir möchten ihn nicht anders haben.

Seit Juli 2017 bereichert unser Grosser Schweizer Sennenhund "Tirass" unser Leben. Ja, in der gästefreien Zeit bestimmt er es sozusagen auch. Täglich bin ich mit ihm bis zu 10 km unterwegs, wir sind also ziemlich fit. Mit dem kleinen Unterschied, dass ich dann ganz gerne die Beine etwas hoch lagere, er aber bereits wieder mit dem Ball im Maul auf ein Spiel wartet. Aber da ich - meistens - sein Chef bin, bestimme ich, wann und wie gespielt wird. Wir üben natürlich auch das ganze Gehorsam-ABC mit dem Hundetrainer, und der ist meist zufrieden. Wer die Rasse kennt, weiss, dass unser Tirass ein gehöriger Sturschädel sein kann. Das tönt alles nach Idylle, aber vor rund einer Woche hat Tirass uns einen ganz gehörigen Schrecken eingejagt. Er hatte mitten in der Nacht einen epileptischen Anfall. Wer dies kennt, weiss, wie schlimm das ist. Noch eine geraume Zeit danach war er völlig orientierungslos, bellte alles und uns an, und musste im Haus zuerst alles neu beschnuppern. Natürlich war unser erster Gang am nächsten Morgen zum Tierarzt. Er bestätigte unsere Befürchtung. Und erst im Nachhinein wurde es uns klar, dass er bereits vor einem halben Jahr einen Anfall hatte, wir diesen aber einem Insektenstich zuordneten. Jetzt hoffen wir, dass die Abstände nicht kleiner werden. Denn dann können glaub ich Tirass, und wir auf jeden Fall, ganz gut damit leben. Vor allem aber braucht unser toller Hund so keine Medikamente.

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Gute Erfahrung

Und Schwupps, sind wir bereits im neuen Jahr gelandet. Es war einiges los an Weihnachten, und vor allem übers Neujahr. Der 24. und 25. Dezember war dem Vater von Roberto gewidmet. Sein Gesundheitszustand erlaubt es ihm leider nicht, auch nur für kurze Zeit zu uns hoch zu kommen, wir sind einfach nicht dafür eingerichtet. So haben wir Geburtstag am 24. und Weihnachten mit gemeinsamen Essen in der Altersresidenz gefeiert. Vom Essen her nicht gerade in Highlight, aber es wäre auch zuviel verlangt gewesen. Am 26. Dezember trudelte dann mein Sohn mit Freunden ein, kulinarisch gewannen wir  schnell wieder an Höhe, wir wurden in den Restaurants so richtig verwöhnt.

Ja, und dann war auch schon der 28. Dezember da, unsere Neujahrsgäste trafen ein, sieben Personen an der Zahl. Mir war etwas Bange, denn es war sozusagen eine Premiere, so tief im Winter die Casa für Gäste zu öffnen. Waren die Zimmer warm genug, wird es unseren Gästeb nicht langweilig - es hatten ja nicht alle Geschäfte geöffnet. Doch meine Sorge war unbegründet, es war wohlig warm, und Roberto konnte sogar zwei Weinreisen anbieten. Zudem gaben die Städte auch über diese Tage so einiges zum Schauen und Lädele. Die Silvesterfeier richteten wir auf Wunsch der Gäste bei uns aus, es war ein ruhiges und "verspieltes" Uebertreten ins neue Jahr. Im Gästebuch darf ich wieder zufriedene Einträge der Gäste vermerken. Fazit: Wir werden auch über den  Jahreswechsel 2019/2020 unsere Casa wieder öffnen. Seit Ende Dezember werden wir mit wunderbarem Wetter verwöhnt, die Sonnenaufgänge sind sensationell, und an den Sonnenuntergängen kann man sich kaum satt sehen. Ich lege ein Bild bei. Dazwischen nehmen wir es diese Woche noch etwas gemütlich, lange Spaziergänge mit dem Hund, und ein Mittagsschläfchen auf dem Liegestuhl an der Sonne. Ab nächster Woche gehen die Arbeiten am Gästehaus weiter, die Fassade wird restauriert. Wollten wir anfänglich nur die Rosenstöcke entfernen und die Originalmauer dahinter wieder sichtbar machen, haben wir uns nun entschieden, die ganze Fassade in ihren ursprünglichen Zustand zu bringen.

 

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"Terra" ist bezugsbereit

Es ist für uns schon fast ein wenig vorgezogene Weihnachten. Heute ist unser viertes Zimmer fixfertig geworden, es kann bezogen werden. Stevo hat wieder einmal gezeigt, was er kann. Und seine Idee, das uralte Treppenhaus endgültig mit einer Mauer zum Verschwinden zu bringen, war grandios. So hat auch dieses Zimmer einen speziellen Schrank bekommen. Aber seht doch einfach die Bilder an, da erübrigt sich jeder Kommentar. Halt, noch etwas ganz Wichtiges. Konnten wir in den letzten zwei Jahren nur 3 Doppelzimmer offiziell anbieten, so sind es nun deren vier. Wir freuen uns auf ein volles Haus im 2019 und wünschen frohe Festtage. Unsere werden mit Besuch von meinem Sohn und Freunden sicher fröhlich sein, und übers Neujahr sind wir ausgebucht. Diejenige, welche uns kennen, werden sich natürlich fragen, warum ich denn nur von einem Sohn schreibe. Nun keine Angst, da liegt kein Zerwürfnis vor, der jüngere ist für ein halbes Jahr zum Studium in Tokio, und geniesst ein paar Weihnachtstage in Thailand. So, und nun die Bilder.

 

 

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Wie die Zeit vergeht

Also, ihr müsst schon entschuldigen, dass ich so lange nichts mehr von mir hören liess. Am 26. November war es das letzte Mal. Inzwischen hat sich so das eine oder andere getan, inkl. unsere Ferien in der Schweiz. Aber der Reihe nach: Wir haben endlich unsere italienischen Autonummern inkl. Autos. Das hatte bei unseren Schweizferien den Vorteil, dass wir bei eventuell unkonventionellen Fahrmanövern sicherlich entschuldigt wurden. Das war aber nach drei Tagen schon vorbei. Denn, welcher Italiener trägt schon auf seiner Heckklappe die Aufschrift: "Ihre Auszeit im Piemont www casafossello.it". Wie auch im letzten Jahr wurden wir vom Wetter nicht gerade verwöhnt, ganz anders von unseren Gastgebern. Wir haben uns so richtig wohl in Rupperswil gefühlt. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön.

Am vergangenen Sonntag war es für uns wieder Zeit, den Heimweg anzutreten. War unser Tirass zu Beginn der Reise noch ganz fidel, so lugte uns bei der Ankunft in Montabone ein Häufchen Elend entgegen. "Roberto, mit dem Hund stimmt was nicht, wir müssen zum Tierarzt", war meine Feststellung - und dies an einem Sonntag. Doch der Arzt von Tirass beorderte uns subito nach Acqui Terme. Fazit: 41 Grad Fieber und einen kranken Magen. Unser Vierpfoter hatte sich eine veritable Erkältung zugezogen.  Das kommt davon, wenn Hund Schnee frisst und aus einem eiskalten Weiher trotz einem strengen "No" Wasser trinkt. Nun, er ist wieder ganz der Alte, verjagt die fremden Katzen, geniesst die langen Spaziergänge und übt mit mir den Gehorsam, wenn es den unbedingt sein muss.

Und die Renovation? Ja, die wurde heute durch Stevo abgeschlossen. Morgen kommt noch seine Frau Diana vorbei, um dem Ganzen den nötigen Glanz zu verleihen. Dann heisst es um- und einräumen sowie die neuen Vorhänge anzubringen. Spätestens übermorgen zeige ich euch die ganze Herrlichkeit.

Am 8. Januar, wenn Stevo mit Familie aus den Ferien retour ist, geht es dann weiter mit den Winterarbeiten.

 

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Wieder viel Schutt und Staub

Einige von euch wissen, das wir noch ein viertes Zimmer haben. Da dieses einerseits noch nicht beim Tourismusamt in Asti gemeldet ist, und andererseits recht renovationsbedürftig war, haben wir dieses nur selten vermietet. Und wenn, immer mit dem Hinweis auf den Zustand des Zimmers. Vor zwei Wochen ist Stevo mit Presslufthammer und anderem Gerät angerückt, um aus dem Zimmer ein Juwel zu machen. Doch bevor dies Wirklichkeit wird, muss wie gewohnt sehr viel Schutt weggeräumt werden. Warum der Verputz überall so arg aufplatzte, und es für mein Empfinden immer etwas eigentümlich roch - Roberto konnte zwar nie etwas Unpassendes riechen - wurde beim Entfernen der Holzvertäfelung ersichtlich. Wie erwartet war alles relativ feucht, die Holzleisten innen völlig grau. Kam hinzu, dass dieser Raum vor über 200 Jahren wohl die Küche gewesen sein musste, der Kamin für den Herd wurde nie richtig zugemauert. So konnte immer etwas Feuchtigkeit eindringen.

Nun sind die Lecks geschlossen, morgen wird wieder einmal sandgestrahlt, bevor dann Stevo mit der Feinarbeit beginnen wird. So wird dieses Zimmer ebenfalls mit dem Originalmauerwerk aufwarten, und so das eine oder andere "Caché" haben. In zwei Wochen muss Stevo fertig sein, damit noch Zeit für die Einrichtung bleibt. Denn, wir haben über Silvester unsere Casa voll ausgebucht. Wir versuchen, wie es so läuft, und wenn es den Gästen gefällt, werden wir wohl diese Feiertage in unser Angebot aufnehmen.

Doch jetzt erst einmal ein paar Bilder des Zimmers.

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Finster wars

Wir hatten in den letzten Tagen ein Hin und Her mit unseren Autos. Irgend eines war immer in der Garage. Ob für die Winterpneus, welche wir hier ja ab dem 15. November zwingend montiert haben müssen, oder für die Reperatur der Sturmschäden. Der eine fährt, ohne dass man den Schlüssel betätigen muss, der andere braucht den Schlüsseldreh. Ende letzte Woche kam es dann, dass auch der sturmgeschädigte Wagen fertig war. So fuhren wir zu zweit vom Carossier los, und ich sah, dass ich sozusagen keinen Sprit mehr im Tank hatte. Beim Einbiegen in den "Schleichweg" nach Montabone hielt ich an, um Roberto davon in Kenntnis zu setzen. Der hielt hinter mir, und meinte: "Fahr du nach Hause, ich gehe rasch tanken, aber lass mir den Autoschlüssel da". "Der ist in meiner Handtasche, ich brauche sie nicht (die Handtasche", war meine Antwort. Roberto fuhr los, ich stieg ins hintere Auto rein, und ihr könnt euch denken was ich sah, respektive eben nicht erblickte: Den Autoschlüssel. Roberte hatte in kurzerhand abgezogen und eingesteckt. Da sass ich nun im Stockfinstern. In der Handtasche lag nicht nur der Autoschlüssel, sondern auch die Handys fuhren mit Roberto zur Tankstelle.

Vor meinem inneren Auge sah ich, wie Roberto tankte, gemütlich nach Montabone hoch fuhr, und eventuell etwas erstaunt darüber war, dass ich noch nicht da sei. "Der merkt doch nicht, dass er den Autoschlüssel in der Tasche hat", sinnierte ich - natürlich immer noch im Dunkeln.

Ein paar hundert Meter weiter unten wusste ich von einem Haus, also machte ich mich auf in Richtung dieser Casa. Die vorbeifahrenden Autos reagierten nicht auf meine Haltezeichen, sondern rauschten  im Regen an mir vorbei. Ob ich bei dieser Finsternis wegen einer sehr dunkel gekleideten Person angehalten hätte? Endlich kam das Haus in Sicht - auch dort herrschte Finsternis. Aber da kommt ja ein Wagen den Berg hinunter. Jetzt nahm ich mir ein Herz, und stellte mich auf die Strasse. Eine etwas unsicher scheinende Dame liess die Scheibe runter, und ich erzählte ihr von meiner Situation. Rasch war ihr Handy zur Stelle, und ich konnte endlich Roberto erreichen. "Wo bisch du?", war seine Begrüssung. "Ja, wo ächt, uf em Wäg zum ne Telefon, du hesch der Outoschlüssel", war meine nicht gerade freundliche Antwort. Er stand schon längst wieder beim stehen gelassenen Auto, denn mein Roberto war kaum bei der Tankstelle, als er den Autoschlüssel in seiner Tasche bemerkt. Flugs liess er nur wenige Liter Moscht ins Auto, um so rasch wie möglich zurückzufahren. Aber da war ich ja schon weg. Mit etwas Verspätung kamen wir dann daheim an, gerade recht, um - mit nur einem Auto - mit meinem Sohn etwas Feines essen zu gehen. Natürlich musste ich mir noch anhören, dass man sich in solchen Fällen nicht vom Objekt entfernt. Aber mal ehrlich, das hätte unter Umständen Stunden dauern können . . . .

Jetzt sind wir für ein paar Wochen wieder nur mit einem Auto unterwegs, da bleiben wir höchstens gemeinsam im Finstern stehen. Der zweite mit dem AG-Schild ist in die Heimat zurückgekehrt.

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Angelo und Lorenzo

Ich habe euch schon so Einiges über unsere Nachbarn erzählt. Angelo, der Hüter der Ruine gleich nebenan, Lorenzo, welcher tagsüber da ist, und zu seinen Rebbergen und Haselnusshainen schaut. Beide sind hier oben aufgewachsen und kennen sich wohl in- und auswendig. Sie sind nicht gerade dicke Freunde, und beide beschweren sich ab und zu bei uns über den anderen. Man könnte meinen, sie kämen so gar nicht miteinander aus. So war nach dem grossen Sturm Lorenzo sehr aufgebracht darüber, dass Angelo nicht schon längst den schräg wachsenden Baum oberhalb der Strasse fällen liess. Der Baum hing wirklich sehr schief über der Strasse, und wenn ein nächster Sturm diesen Baum fällte, wäre Montabone und wir hier ohne Strom, Lorenzo ohne Garage und auch sein Haus würde in Mitleidenschaft gezogen. "Dieser Sturkopf", schimpfte Lorenzo, "der wartet, bis es zu spät ist. Nur, weil ihn jedes Bäumchen das er fällt, an seine Jugendzeit erinnert." Nun, diese Zeit ist längst vorbei, und die Bäume schiessen in den Himmel - und manchmal ziemlich schief. Und Angelo?

Der meinte völlig ruhig: "Der Baum wird nicht fallen, der ist schon so viele Jahre schief". Nun, wir, welche noch nicht lange hier sind, meinen, dass die Schieflage doch ziemlich ungemütlich sei. Erst die Intervention der Gemeinde brachte Angelo zu Einsicht, und den ganzen Tag über war die Feuerwehr damit beschäftigt, den Baum zu fällen. Wenn sich die zwei Streithähne am Morgen noch gehörig die Meinung sagten, so waren sie am Nachmittag wie ein Herz und eine Seele dabei, den zersägten Baum beiseite zu schieben, und Ordnung zu schaffen. Hier geht vieles nur gemeinsam, und man schaut in solchen Situationen über die "Schattenseiten" des anderen hinweg.

 

Wir bevorzugen beim Bruder von Angelo - Beppo - die etwas andere Variante, als den Gang zur Gemeinde. Stevo schneidet die Bäume, welche die Stromleitung zu unserem Haus bedrohen, selber. Beppo kann dann das Holz abholen.

 

Ach ja, ich habe ja euch von den Sturmschäden berichtet. Die haben sich heute etwas schwerer als gemeint gezeigt. Unser Dach wurde ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen, es klafften grosse Löcher darin. Es ist bereits wieder eingedeckt - Stevo sei Dank. Zum Abschluss noch einige Bilder.

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Durchgerüttelt

Es hat uns in den vergangenen Stunden ganz schön durchgerüttelt und auch ziemlich durchnässt. Und doch hatten wir grosses Glück. Das begann schon damit, dass sich Stevo keine Minute  zu früh von uns verabschiedetet und das Gelände verliess. Kaum abgefahren hoben die Windböen unsere Balkonüberdeckung, welche aus Glas bestand, einfach ab. Wo vor Kurzem noch Stevo und Roberto standen, war nun ein Meer von Scheibenteilen. Weit herum wurden die Glasteile geschleudert, wir  waren zum Glück bereits im Haus. Natürlich ahnten wir nichts Gutes ob dem ganzen Geschepper, aber wir hüteten uns, das Haus zu verlassen. Das Ausmass zeigte sich dann heute Morgen nach einer schlaflosen Nacht. Die einzigen, welche zufrieden in ihren Schlaflager ruhten, respektive laut schnarchten, waren unsere Vierbeiner. Lauter Glasscherben vor dem Haus, für unseren Hund hiess es: entweder knapp der Hausmauer entlang nach draussen gehen, oder dann im Haus bleiben.  Von den fünf Sonnenschirmen und ihren schweren Eisenfüssen fehlte jede Spur, wir fanden sie ennet der Mauer. Einige hatten einen recht langen Flug hinter sich. Ein Balkonglas bohrte sich richtiggehend in das Heckfenster unseres Autos, so dass die ganze Heckscheibe aus tausenden von Scherben bestand. Zum Glück hielt das montierte Bild auf der Scheibe die Scherben zusammen, morgen überlassen wir das Entfernen dem Glaser. Doch einige Gläser schleiften über das ganze Auto, so dass wir nun zuerst den Wagen in die Carrozzeria bringen müssen.

Das tönt zwar alles recht arg, aber niemand ist zu Schaden gekommen, die Antworten der Versicherungen war beruhigend: "Schicken Sie uns Bilder und Rechnung, wir erledigen das".  Ja, und auf den ganzen Schrecken folgte dann ein wunderbarer Tag, welcher uns wieder mit dem Piemont versöhnte. Nun hoffen wir, dass die recht reichlich vorausgesagten Regenmengen an uns vorbeiziehen werden.

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"Sidefin"

Ich habe mich immer etwas "schiniert", wenn unsere Gäste die Regione Fossello hochgefahren sind, sie war doch recht holperig. Ja, das eine Schlagloch war schlichtweg gefährlich. Die übelsten Stellen hat Stevo etwas entschärft, aber das hielt nicht allzu lange. Und eines Tages, als wir runterfahren wollten, war die Strasse gesperrt infolge Bauarbeiten. "Lorenzo, die machen die Strasse neu, das ist aber eine Freude", jubelte ich bei unserem Nachbarn. "Ach weisst du, es stehen die Wahlen an", meinte er beruhigend. Wobei, dass nach so vielen Jahren die Strasse einen neuen Teerbelag bekommt, erstaunte auch ihn trotz Wahlen ein wenig. Ich sage euch, beim Einbiegen in die Regione Fossello geht es nun "sidefin" die Kurven hoch - bis der alte Belag wieder beginnt. Aber egal, die gröbsten Löcher sind weg. Wir freuen uns riesig, dass unsere Gäste nun fast lautlos über den neuen  Belag in Richtung unserer Casa Fosselo gleiten können.

Und sonst? Da lassen wir unsere Gäste auf der Wanderung rund um Strevi schrumpfen, und da ist noch dieser wunderbare Herbst. Aber schaut selber auf den Bildern.

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Etwas unglücklich geparkt

Die ist wohl der letzte Eintrag in diesem Jahr, welchen ich ohne grosse Winterausrüstung draussen verfassen kann. Wie in der Schweiz, ist auch hier noch einmal der Sommer zurückgekehrt. Vor wenigen Tagen hat unser Weinbauer Maurizio seine letzte Ernte eingefahren - mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Alle sind hoch zufrieden mit dem Jahrgang. Lange konnte beispielsweise der Barbera seine letzte Reife bekommen, kühle Nächte und trockene, warme Tage waren ideal dazu. Doch das hat ja eigentlich nichts mit meinem Problem, dem Parken, zu tun. Meistens, wenn ich etwas in Eile bin, passiert etwas so blödes, dass ich die vermeintlich eingesparte Zeit um ein Vielfaches verloren habe. Ob es der Mixer ist, welchen ich nur noch schnell hinter der Kaffeemaschine hervorholen möchte, und dies dann gleich mit dem vollen Wasserbehälter der Kaffeemaschine tue, oder halt etwas gar schnell am Rand des Waldweges parken möchte.

Eigentlich wollte ich ja nur mit unserem Tirass oberhalb  von Montabone vor dem anstehenden Tageswerk eine ausgiebige Runde drehen. Aus Rücksicht auf die Weinbauern, welche das von mir ausgewählte Weglein ab und zu befahren, wollte ich unser Auto ganz am Rande parken. Nun, es war so nahe am Rande, dass urplötzlich nichts mehr ging, ich sozusagen in der Luft hing. Ich war auf einem Erdhügel aufgefahren, das eine hintere Rad hing in der Luft. Was tun? Natürlich Stevo und Roberto anrufen, und selber mit dem Hund den geplanten  Spaziergang machen. Jedoch nicht in gedachter Richtung, sondern bergab zu unserem Daheim. Denn dort waren die Gäste im Begriff, ihre Koffer zu packen, um abzureisen. Roberto also hoch mit Stevo zu unserem "aufgebockten" Wagen, und ich in Windeseile hinunter zu unseren Gästen. Ich hatte Glück im Unglück, dem Auto ist nichts passiert, und die Gäste waren noch weit davon entfernt, reisefertig zu sein.

Jetzt schreibt sich das ganze so einfach, aber mittendrin im Geschehen war ich schon zemlich ausser mir. Es wäre für uns persönlich ja nicht so schlimm gewesen, wenn das Auto grösseren Schaden genommen hätte, da wir ja im Oktober resp. im November ein neues sowie ein gebrauchtes Auto bekommen. Aber in der Schweiz wartet mein Sohn auf dieses Auto, da sein altes den Geist aufgegeben hat.

Nicht, dass uns der Franzose nicht mehr gefällt, aber es ist für uns einfach zu umständlich zu einer italienischen Nummer zu kommen. Deshalb unser Umdenken.

 

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Wo ist der Brasato?

Wie ihr wisst, bieten wir seit dieser Saison den Gästen am Ankunftstag das Nachtessen an. Obwohl wir ja als B&B dies nicht dürften. Natürlich haben dann auch die bereits anwesenden Gäste die Wahl, wieder bei uns zu essen. Da kommt dann öfters eine schöne Tavolata zusammen. Diese Art zu speisen soll ja im Kommen sein.

Es war vor ein paar Tagen, als wir für sechs Gäste das Nachtessen kochen durften, auf dem Menüplan stand ein reichhaltiges Vorspeisenbuffet, Pasta mit Tomatensalsa, Brasato mit Rosmarinkarotten. Als Dessert wurde ein Honigparfait mit Zwetschensauce gereicht. Roberto marinierte den Brasato mit Gemüse und Wein einen Tag im Voraus, und widmete ihm während der Kochzeit seine gesamte Aufmerksamkeit. Ich indessen war anderweitig beschäftigt, und als mir Roberto beschied: "Ich gange jetzt zum Vater uf Acqui Terme", war ich mit keinem Gedanken beim Brasato. Dieser war nämlich in der Zwischenzeit zart gekocht, und Roberto legt ihn in der Küche in eine Tiefe Schüssel zum Auskühlen. Denn, etwas abgekaltet lässt sich der Brasato viel besser schneiden.

Ich war kurz vor dem Nachtessen gerade beim Decken des Tisches für die Gäste, als Roberto um die Ecke bog und fragte: "Wo hesch der Brasato häre ta?". Ich hatte gar nichts irgendwohin getan, und den Brasato hatte ich überhaupt nie gesehen - nur das leere Gefäss. Es geschahen gleich darauf zwei Dinge: wir schauten unseren Tirass an, welcher zufrieden auf dem Rücken in den Abend hinein schlummerte, gleichzeitig wurde uns klar, dass unser Hauptgang bereits vertilgt war. Roberto, eigentlich ein gemütlicher Zeitgenosse, geriet nun schon etwas aus der Fassung. Aber es obsiegte die Einsicht, das Schimpfen das zarte Stück Brasato nicht wieder zum Vorschein brachte, und wir nach einer Lösung suchen mussten. Der Krux bei der Sache war, dass unsere Gäste bereits wussen, dass ein Brasato auf der Speisefolge stand. Glücklicherweise haben wir den einen und anderen guten Draht zu den Restaurantbesitzer in Acqui Terme. Und so half uns Giorgio vom "Nuovo Ciarlocco" mit einem grossen Stück Brasato aus der Patsche, und die Gäste mussten auf nichts verzichten. Natürlich erzählten wir vom Missgeschick, denn mit fremden Federn möchten wir uns nicht schmücken.

Wir haben unseren Tirass eigentlich schon so weit, dass er nichts mehr aus der Küche klaut. Jedoch, wenn er merkt, dass wir beide total abgelenkt sind, und mit keinem Gedanken an die Dinge in der Küche denken, schlägt er zu.

Wir sind am Lernen, unsere Sinne für die Verführungen von Tirass zu stärken. Denn, wenn wir extra unserem Hund etwas Tolles hinstellen, damit er es nimmt, und wir ihn dann ob dem Geschepper, dem Zuschnappen der Falle, dem stinkenden Zitronenlumpen etc. vom Tun hindern wollen, ignoriert er diese Verführungen über Stunden. Ergo müssen wir alles, was ihn gelüsten könnte, nicht mir stehen lassen. Andere Vorschläge?

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Pläne

Kaum ist Stevo von seinen Ferien retour, ist er mit uns schon die Planung angegangen, was denn über Winter alles erledigt werden sollte. Und da wir uns etwas viel vorgenommen haben, schliessen wir unser B&B bereits im November. Was wir alles machen? Also, die Einfahrt ab Strasse bis zu unserem Tor wird mit Steinen ausgelegt. So sieht das Ganze zum einen einladender aus, zum andern entfällt die lästige Jäterei. Letztes Jahr, als alles knochentrocken war, hielt sich auch das Unkraut in Grenzen, doch dieses Jahr wuchs es uns fast über den Kopf. Schliesslich werden wir auch nicht jünger - wie fühlen uns nur so. Nach einem Tag Unkraut jäten tut dann der Rücken schon ordeli weh. Man könnte natürlich auch mit giftigem Zeugs dem Unkraut Herr werden, aber "verbrannte Erde" sieht scheusslich aus. Unser Nachbar hat diesen Frühling ein ganzes Feld mit wohl sehr starkem Unkrautvertilger behandelt. Man durfte während Wochen das Gebiet nicht betreten, und nun sieht man den schwarzen Schandfleck von weit her. Was er damit bezweckt hat, ist uns schleierhaft. Aber ich schweife ab, wir sind ja am Renovieren. Im Gästehaus wird das kleine, inoffizielle Zimmer endlich renoviert. Auf dieses freue ich mich am meisten. Und eigentlich wollten wir schon letztes Jahr den unteren Teil der Fassade beim Gästehaus neu gestalten. Die Rosenbeete müssen leider weichen, damit die Mauer trocken wird, und Stevo wird dann auf der ganzen Länge die ursprüngliche Mauer wieder hervorholen. Ihr seht es ist "un sacco di lavoro", welche da auf uns zukommt. Und da wir eventuell über Silvester das Haus voll haben, muss vor allem das Zimmer fixfertig sein. Daher schliessen wir wie eingangs erwähnt bereits im November.

Doch, noch ist es nicht soweit, der Sommer kommt nochmals mit voller Kraft retour mit Temperaturen weit über die 30 Grad. Und wir dürfen uns über eine tolle Buchungslage freuen.

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Staubige Füsse

Ich hab es sicherlich schon erwähnt, dass unser Hund bei Temperaturen um und über 30 Grad den Tag lieber am Schatten verschläft, und nur etwas ganz Spannendes ihn in Bewegung setzen kann. Daher beschränken sich unsere Spaziergänge auf den frühen Morgen und späteren Abend. Vor kurzem habe ich einen schönen Rundgang über die Hügel von Acqui Terme und Strevi entdeckt. Schön ausgeschildert, jedoch ohne Angabe der Länge. Und da ich unseren Vierbeiner nicht über Gebühr bei hohen Temperaturen anstrengen wollte, gab es die Wanderung in zwei Etappen. Sie ist rund 8 km lang und ist aus meiner Sicht aus gesehen einfach traumhaft. Ich wage mir kaum vorzustellen wie es ist, wenn im Herbst klare Sicht herrscht, und sich der Alpenkranz zeigt.  Ob ich da vor lauter Ah und Oh noch vorwärts käme? Für unsere Gäste, welche gerne wandern, ein Muss. Heute wie gestern standen überall die Traktoren mit ihren Anhängern bereit, um die Reben aus der Lese aufzunehmen. Die Moscatotraube war reif. Ich könnte euch noch so vieles erzählen, aber schaut doch einfach die Bilder an, sie sprechen für sich. Was das alles mit staubigen Füssen zu tun hat? Ganz einfach. Jedes Mal, wenn ich auch von nur kurzen Ausflügen mit unserem Hund retour komme, muss ich mir die Füsse waschen, der Staub von den trockenen Wegen dringt überall rein. Selbst wenn ich den kurzen Weg bei uns zum Feigenbaum gehe - der trägt im Moment supersüsse Früchte  - ist danach ein Fussbad fällig. So, aber jetzt die Bilder.

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Etwas viel Geschirr

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Kurz vor der Lese

Schon bald werden die ersten Traubensorten gelesen, im Moment herrscht sozusagen Ruhe vor dem Sturm in den Rebbergen. Wobei Sturm für das Gewusel und das fröhliche Rufen und Geplauder nicht der richtige Ausdruck ist. Das Grün der Rebstöcke wird durch Rot, Blau, Türkis, Gelb und vielen Farben mehr der Hemden und Shirts belebt - für mich ein schöner Anblick. Unser Nachbar Lorenzo ist nicht unzufrieden mit dem Jahrgang, er vermutet aber, dass letzte Jahr besser gewesen sei.

Stürme, die hatten wir in letzter Zeit häufig. Kaum ein Gewitter zog vorbei, ohne dass es von veritablen Regen- und Windstürmen begleitet wurde. Nun scheint etwas Ruhe einzukehren, und die Wetteraussichten sind weiterin sonnig und sommerlich warm. Auch gut für den Wein.

Auch Ferragosto haben wir "heil" überstanden. Wir wissen ja mittlerweile, dass kaum jemand erreichbar ist während dieser Zeit. Und war ich letztes Jahr einfach nur gespannt, als die Jäger regelmässig auf Wildschweinepirsch gingen, begrüssten wir die Jäger dieses Jahr mit Freude. Denn es ist wirklich nicht gemütlich, wenn man fast täglich auf Wildschweine trifft. Zum Glück zeigt mir Tirass jedes Mal an, dass da etwas ist, aber geheuer ist es mir nie. Ich habe auf  meinen früheren Wanderungen kaum so viel gesungen und gepfifen, wie diesen Frühling und Sommer. So hört mich das Wild wenigstens kommen.

Und unsere Gäste? Da ist Jubel angesagt, wir können bis jetzt auf eine tolle Saison zurückblicken, und auch der Herbst bringt uns viele Besucher.

 

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Wieder da

Endlich kann ich wieder in die Tasten greifen, der neue Laptop ist installiert. Klar hätte ich auch über das Natel einen Blogeintrag schreiben können, aber das lange Eintippen auf diesen kleinen Tastaturen ist nicht so mein Ding. Und da unser IT-Mann zuerst versucht hat, unserem alten Ding wieder Leben einzuhauchen, dauerte es halt seine Zeit, bis auch er meinte, ein neuer wäre gar nicht schlecht. Und jetzt switchen wir zwischen Italienisch und Deutsch auf unserem neuen hp. Vor allem wird es spannend, wenn wir die an sich italienische Tastatur auf Deutsch umschalten. ä, ö und ü sucht man vergebens, das @ findet sich auch nicht so leicht, und y und z sind gerade vertauscht. Jetzt zieren halt unsere Tastatur so das eine oder andere Kläberli, was den hinter den Tasten wirklich steckt.

Ich muss euch sicherlich nichts über die herrschende Hitze erzählen, dieses Jahr ist es aber hier mit der Feuchtigkeit zusammen etwas schwieriger zu ertragen. Unsere zwei Vierpfoter verkriechen sich tagsüber. Tirass wird in den frühen Morgenstunden ausgiebig ausgeführt, dazwischen etwas Unterhaltung im kühlen Haus, und dann erst beim Eindunkeln ist es für ihn draussen wieder erträglich. Aber der Spaziergang am frühen Morgen ist jeweils wunderbar, die tollen Sonnenaufgänge verzaubern mich immer wieder. Nicht so zauberhaft finde ich zwischendurch das Geraschel im nahen Gebüsch. Vor allem dann, wenn unvermittelt daraus ein stattliches Wildschwein auftaucht.

Zu unserer Freude sind wir auch jetzt gut gebucht, unsere Gäste geniessen jeweils die warmen Abende bis tief in die Nacht hinein bei Kerzenschein bei uns. Ich lege ein Bild bei zum etwas gluschtig machen, und verspreche, die neue Tastatur nun wieder regelmässig für die Blogeinträge zu nutzen.

 

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Die Gedanken in Lenzburg

Kurzentschlossen haben wir unsere gästefreien Tage für einen kurzen Wanderurlaub in Crans-Montana genutzt. Schön war's, wir genossen die kühlen Nächte und die anngenehme Wandertemperatur. Erholt und voller Freude für die Ankunft unserer Gäste sind wir nun wieder hier - jedoch, meine Gedanken schweifen immer wieder ab zum Geschehen in Lenzburg. Was über viele Jahre hinweg ein fester Bestandteil in meinem beruflichen wie privaten Leben war, ist heute nun weit entfernt.  Da werden in der Fremde viele tolle Erinnerungen wach. Meinem Sohn, welchem ich  mit Stolz und auch feuchten Augen applaudierte, wie er als Jungtambour am Zapfenstreich auftrat. Die Umzüge, die fröhlichen Menschen, das Gefühl der Zusammengehörigkeit, das Feuerwerk und der einzigartige Umzug mit den Laternen. Am letzten Manöver vor zwei Jahren wusste ich ja schon von unserem Umzug ins Piemont, aber machte mir natürlich noch keine Gedanken übers nächste Manöver. Aber da wir das Haus voller Gäste haben, ist an ein Dabeisein nicht zu denken. Doch die Bilder werde ich mir anschauen, und die Erinnerungen mit einem wehmütigen "Honululu" begrüssen.  Und in zwei Jahren? Ich werde planen und mir die Zeit frei halten. Allen Lenzburgern, welche diese Zeilen lesen, wünsche ich ein tolles Jugendfest mit farbenfrohem Manöver. HONOLULU!!!

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Temporale

Gestern war - zwar mit viel Wind - ein herrlicher Sommerabend. Wir genossen diesen, und waren gerade gemütlich beim z'Nacht, als Stevo eintraf. Wir waren der Meinung, alles sei fixfertig für den morgigen Tag vorbereitet. Das Betonieren des Fundamentes zur neuen Stützmauer war geplant. Doch Stevo kam mit einigen ultragrossen Planen und meinte, dass ein Gewitter kommen werde. Natürlich zückten wir beide unsere Handys und befragten unsere Wetterapp. "Ja, ein bisschen Regen ist angesagt, aber nur ein paar Tröpfchen", meinten wir beide beschwichtigend. Nun denn, wir reden Stevo prinzipiell nicht in sein Tun rein, und liessen ihn gewähren. Und mitten in der Nacht dankten wir beide im Stillen diesem umsichtigen Mann - es goss in Strömen, ein richtiger Gewittersturm fegte über Montabone. Hätte Stevo den Hang nicht abgedeckt, da wäre so einiges ins Rutschen gekommen. Und heute Morgen erinnerten nur noch abgebrochene Zweige und etwas Schlamm auf der Strasse an das Unwetter. Natürlich konnte sich Stevo ein Lächeln nicht verkneifen, als er heut Morgen eintraf. Kurz darauf kam auch schon der erste LKW mit Beton. Eine Millimeterarbeit mit diesem Gefährt zu uns, der zweite folgte sogleich. Schaut euch die Bilder von dieser Aktion an.

Eine Stunde später war das Fundament gegossen, und die Ungetüme schoben sich langsam aber sicher wieder raus. Einzig ein kleiner Kratzer an einer Dachrinne ist geblieben. Nicht der Rede wert.

Und heut Abend die gleiche Situation, Stevo kam mit den grossen Planen angefahren. Seine Frau Diana habe da so eine Ahnung, meinte er lächelnd. Nun denn, auf ans Auslegen des Regenschutzes. Wobei, so einfach war das auch nicht, fegt doch immer noch ein stürmischer Wind durch die Hügel.

Und wenn Dianas Gefühl Recht behält, können wenigstens Roberto, Tirass und Kater Alex ruhig schlafen. Bei mir ist das was anderes. Bei Gewittern zieht es mich jeweils in die Küche, und bei einem Kaffee warte ich das Ende des Geschehens ab. Ja, ich fürchte mich bei Blitz und Donner.

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Instabil

Im April hat es bei uns an manchen Tagen wie aus Kübeln gegossen, ihr durftet damals in der Schweiz ein Müsterchen Frühsommer geniessen. Das viele Nass hat bewirkt, dass Teile einer Stützmauer ins Rutschen gekommen sind. Ein Augenschein durch Stevo hat ergeben, dass die ganze Mauer etwas instabil ist, also steht eine etwas grössere Sanierung an. Da wir für die nächsten Tagen sowieso unser Gästehaus schliessen und das Wetter nichts als Sommer pur anbietet, machte sich gestern Stevo mit seinen Männern an die Arbeit. Der eine oder andere Baum musste weichen, damit sich der Bagger von der steilen Wiese her vorarbeiten konnte. Zur besseren Illustration lege ich am Schluss noch Bilder bei.

Und da wir gerade so schön am Geld ausgeben sind, kommt am Mittwoch dann noch der Monteur für die Alarmanlage. Wir sind zwar mit unserem Tirass sehr gut bewacht, doch bei unserer Abwesenheit ist es vielleicht ratsam weiteren Schutz zu haben. Wobei, wenn wir hier von Einbrüchen hören, dann sind meist Geräteschuppen betroffen. Beliebt sind Motorsägen, allerhand anderes Werkzeug, ja sogar ein Traktor wurde schon mal abtransportiert. Nun ist es aber keine Anlage, welche bei Gefahr lauthals zu hupen beginnt, und sich ja eh niemand darum kümmert. Nein, diese hupt zwar im Hausinnern, und meldet unverzüglich dem nächsten Polizeiposten das Vorkommnis. Die Bestätigung der Polizei kam mittels eines wunderschönen Dokumentes mit Goldrand und Bändeli darum - italienisch halt.

Und wenn alle hier so schön an der Arbeit sind, verabschieden wir uns für vier Tage nach Crans-Montana in die Wanderferien. Wir freuen uns riesig auf ein paar Tage Auszeit. Die erste Saisonhälfte war in allen Belangen super, ab Mitte Juli geht es dann bis Ende November weiter. Die einen oder anderen, welche unsere "Familienzusammensetzung" kennen werden sich fragen, was denn aus Kater Alex wird. Nun, Stevo wird nicht nur die Mauer im Auge behalten, sondern auch noch Alex füttern und mit Streicheleinheiten verwöhnen. Was würden wir nur ohne diesen Mann machen, er ist einfach Gold wert.

 

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Eim mulmiges Gefühl in Montabone

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Die Sache mit dem Nachtessen

Neben der Bewilligung für die Führung eines B&B haben wir natürlich auch so einige Auflagen bekommen. So beispielsweise, dass wir nur drei Zimmer anbieten dürfen. Das vierte ist für - na ja. Auch müssen wir durchs Jahr hinweg 3 Monte den Betrieb schliessen. Das Positive an diesern Vorschriften ist, dass wir dadurch von der Mehrwertsteuer befreit sind. Und das will etwas bedeuten, denn immerhin beträgt diese 22 Prozent. Eine weitere Einschränkung ist, dass wir keine Essen, ausser natürlich das reichhaltige Frühstücksbuffet, anbieten dürfen. Aber mal ehrlich. Wer am Anreisetag etwas müde ankommt, will ja nicht gleich wieder "vo Huus", und ein Restaurant aufsuchen. Also bieten wir für die Neuankömmlinge das Nachtessen an. Und natürlich dürfen dann auch die bereits anwesenden Gäste mit von der Partie sein. Da ist es in den letzten 3 Monaten schon vorgekommen, dass wir eine ordentliche Tafel beieinander hatten. Ich persönlich liebe ja solche Tavolatas. Und wenn dann keine "Neuen" zu erwarten waren, kamen doch die Gäste auf die Idee, nach dem Frühstück abzureisen, um dann am Nachmittag  - natürlich von der Reise völlig ermattet  - wieder anzukommen. Roberto und ich wissen, dass sich unsere Kochkünste sehen und geniessen lassen können. Aber die piemontesische Küche hat so viel Genussvolles parat. Es wäre schade, diese Köstlichkeiten nicht zu entdecken. Deshalb gibt es halt Augenblicke, in welchen wir mit fast aufgeweichtem Herz doch Nein sagen, und wenn gewünscht auch das Taxi bestellen, oder gar selber chauffieren.

Heute hat es auch wieder ein Rezept auf die Homepage geschafft, das Spargeltörtchen auf einem Robiolaspiegel - en Guete.

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Tätschfalle, oder wer andern eine Grube gräbt . . .

Heute geht es um die Trappola per i topi, Mausefalle, oder in gutem Berndeutsch: Tätschfalle.  Unser Hund Tirass, welcher übrigens in italienischer Sprache erzogen wird, ist momentan in den Flegeljahren. Alles, was er gestern noch konnte, ist heute total vergessen. So auch das Wissen, dass die Küche, der Tisch und das Frühstücksbuffet für ihn absolut tabu sind. Und es war vor wenigen Tagen, als Roberto mich beim Nachtessen fragte: „Wo isch eigentlech der Räschte vom Aprikosechueche?“ Und jetzt wurde mir so einiges klar. Denn, ich hatte am Morgen beim Abräumen des Morgentisches beim Anblick des verrutschten Tischtuches und der Aprikosenflecken darauf das Gefühl, Roberto hätte es so ziemlich eilig gehabt. Nicht mal Zeit, um ordentlich abzuräumen. Auch mutmasste ich, dass die Gäste den Kuchen wohl ganz vertilgt hätten. Alles falsch. In einem unbeobachteten Moment hat unser Tirass sich Zutritt zur Cantina verschafft und die Aprikosenwähe vernascht.

 

Das Meiden der Tabuzonen hat unser Hund einerseits mit einem strengen „No“ und mit Zitronensaft drapierten Haushaltstüchern gelernt. Ich mochte mich aber erinnern, dass mir vor zig Jahren mal ein Hundebesitzer erzählte, mit einer Mausefalle auf dem Tisch platziert, würde der Hund – einmal ob dieser Falle gehörig erschreckt – nie mehr in Versuchung kommt. Nun denn, in einem von Tirass unbeobachteten Moment ging ich ans Werk.  Schön bereitgestellt an neuralgischen Stellen mit einem feinen Häppchen, warteten die Fallen zum Zuschnappen und zum Hund erschrecken.

Nicht ganz ohne Stolz erzähle ich euch nun, dass mein Hund nicht darauf hereinfiel. Den ganzen Morgen über ignorierte er die guten Dinge auf der Falle - sie blieben liegen. Bis, ja, bis ich eilends das rufende Handy nehmen wollte, und prompt mit der anderen Hand in die Falle griff.  Wie lautet das Sprichwort treffend? „Wer andern eine Grube gräbt  . . .“ . Ich werde wohl wieder auf den Zitronensaft zurückgreifen und hoffen, dass der Flegel sich aufs Gehorchen besinnt.

 

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Gipfeli us der Büchs

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Ungewohnte Wettersituation

Wir wurden im vergangenen Jahr punkto Wetter so richtig verwöhnt, und starteten natürlich mit den so etwa gleichen Vorstellungen in die neue Saison. Aber weit gefehlt. Die Vegetation liegt zurück, das Wetter zeigt sich von seiner wechselhaften Seite, und manchmal ist es schon recht kühl. Auch heute, macht sich die kalte und windige Sophie alle Ehre. Und man möchte doch für seine Gäste optimale Bedigungen haben. Aber da rufe ich mir immer den Satz einer lieben Freundin in Erinnerung, die sagte: "Bea, du vermietisch Zimmer nid schöns Wätter."  Und trotzdem ist es eine ungewohnte Situation für uns.

Aber was man ganz sicher bei uns bekommt, ist gute Laune und so einiges an Rüstarbeit. So haben sich unsere Gäste vergangene Woche ein gemeinsames Kochen gewünscht. Zuerst wurde am grossen Tisch viel geschnipselt und gehackt, dann gemeinsam gekocht, und schlussendlich in gemütlicher Runde mit den anderen Gästen gespeist. Und dank Erich und Peter haben wir tolle Aufnahmen unserer Casa bekommen. Sie schickten ihre Drohnen immer wieder los, und schossen spektakuläre Bilder. Ich lege einige davon bei sowie andere Impressionen von der letzten Woche.

Bei uns herrscht im Moment Hochbetrieb und ihr habt sicher Verständnis dafür, dass meine Einträge nicht so regelmässig erscheinen.

 

 

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Das "Wahrzeichen" musste gefällt werden

Wer bei uns schon zu Besuch war weiss, dass am Eingang zu unserer Casa Fossello ein alter, zweigeteilter Baum stand. Wie zwei zum Viktoriazeichen erhobenen Finger stand er wohl schon Jahrzehnte da. Doch er war morsch, und man wusste nie, wann er umfällt. Diesem Umstand wollten wir zuvorkommen, und so rückte Stevo mit seinem Mitarbeiter vergangene Woche mit Baumsäge, Seilen etc. an, um den Baum zu fällen. Während der eine Teil sich rasch ergab und zu Boden fiel, leistete der andere ungeahnten Widerstand. Zuerst versuchten sie, mit einem an Stevos Lieferwagen angebundenen Seil, den Baum zu fällen, doch vergebens – das Seil riss kurzerhand. Da muss ein Traktor mit Stahlseil her, entschieden die Männer. Es verging ein halber Tag mit viel Säbelarbeit am Stamm, bis auch dieser Baumteil endlich nachgab. Zu allem Unglück streifte er ein kleines Pälmchen von unserem Nachbarn Angelo. Ihr wisst, der, welcher seine Ruine pflegt. Die paar Blätter, um welche das Pflänzchen nun ärmer ist, bedauerte Angelo so sehr, dass wir ihn seitdem nicht mehr gesehen haben. Wobei, vielleicht kann es auch an seiner neu entfachten Liebe liegen. Er hat nämlich seit einigen Monaten eine Freundin. Und da ist es begreiflich, dass seine Ruine etwas in den Hintergrund tritt.

 

Doch zurück zum Baum. Die oberen zwei Teile waren nach zwei Tagen weg, nun folgte das Meisterstück, den Stamm mit seinem riesigen Umfang zu fällen. Scheibe um Scheibe sägte Stevo heraus, immer wieder ruckelte der Traktor mit der Seilwinde am Stamm. Dann endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, fiel auch dieser knirschend und mit einem grossen Gepolter zu Boden.  Einen Tag später fuhr dann ein Kranlastwagen zu uns hoch - der hatte bestimmt weit mehr als die erlaubten 3,5 Tonnen – und holte den Stamm ab. Doch so rasant, wie das jetzt tönt, überwand der LKW die Kurven und Steigungen nicht. Das dauerte so lange, dass ich ihn auf dem Liegestuhl die Mittagszeit geniessend hörte, und trotzdem bis zu seinem Eintreffen kurz einnickte. Ich habe so einige Bilder über diese Aktion gemacht, welche ich euch nicht vorenthalten will. Voilà

 

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Treue

Es ist dieses Jahr das erste Mal, dass ich einen Blogeintrag draussen schreibe. Es ist - endlich - tolles Wetter, und die Temperaturen lassen uns lange draussen verweilen. Gerade habe ich gesehen, wie viele treue Leser meine Einträge haben, das hat mich ziemlich überrascht, ja sozusagen umgehauen. Da muss ich mir aber ganz ordentlich Mühe geben, um euch bei der Stange zu halten. Nein, im Ernst, ich danke euch allen von Herzen, dass ihr meine Geschichten aus der Casa Fossello mitverfolgt. Das spornt an. Grosse Freude bereitet es uns auch, dass wir Gäste von unserem ersten Jahr auch in dieser Saison wieder begrüssen dürfen - treu halt.

Viele Gäste sind natürlich auch gwunderig über die Gründe, wieso es uns ins Piemont verschlagen hat. Meistens kommt natürlich auch das Risiko zur Sprache, welches so ein neuer Lebensabschnitt mit sich bringt. Auch dieses "Risiko" hat die Treue - oder nennt es auch Liebe - zum Thema. Wir beide waren in der Schweiz sehr engagiert in unseren Berufen und Freizeitaktivitäten, sahen uns oftmals während den Wochentagen selten. Und dann hier. Wir sind tagtäglich zusammen, oftmals nur wir beide. Pardon, da sind ja noch Hund und Katze. Das war wirklich eine Situation, in welcher wir nicht wussten, ob wir diese meistern würden. Ich kann euch alle beruhigen, es klappt wunderbar. Denn das B&B Casa Fossello ist unser Projekt, an welchem wir gemeinsam arbeiten. Vielleicht ist es für den einen oder anderen Gast verwunderlich, wenn er mich bei eher "gewichtigen" Arbeiten ertappt, derweil Roberto die Wäsche zum Trocknen aufhängt. Für beide kein Problem, wir ergänzen uns vorzüglich, da braucht es keine grossen Worte.  Treu? Nun, im landläufigen Sinn hat dies nichts damit zu tun. Aber, wenn man es so sieht, dass die Treue gegenüber unserem gemeinsamen Entscheid, mit all unseren Kräften, Ideen und Fähigkeiten ein erfolgreiches B&B zu führen, gemeint ist, dann sind wir in diesem Bereich sehr erfolgreich.

Mittlerweile ist es hier draussen Finster geworden, ich wünsche euch eine gute Nacht und einen tollen  Sommer-Sonntag.

 

 

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Das Warten hat ein Ende

So auf den Ende des Regens habe ich wohl noch nie gewartet. Tagelang goss es bei uns in Strömen, die Wanderungen mit dem Hund mutierten zur Schlammschlacht. Langsam aber sicher hatte ich genug von Regenstiefeln, -hosen und -jacken. Genug von Hund abtrocknen und der leisen Angst, dass sich unsere Zisterne in der Cantina mit rund 9000 Litern Fassungsvermögen so füllt, dass wir das Wasser abpumpen müssen. Das alles ist seit Gestern kein Thema mehr - der Frühling hält endlich Einzug, und wird kurzerhand zum Frühsommer. Während vor einem Jahr die Glyzinien bereits zum zweiten Blühen ansetzten, gucken momentan die ersten Blättchen heraus. Was gestern noch Braun war ist heute schon Grün, und was gestern noch einer Schlammpiste glich, ist schon fast ausgetrocknet. Unsere Gäste geniessen das Frühstück draussen, und lassen den Tag in den Liegestühlen ausklingen - so muss es sein. Wir selber sind momentan vor eine zusätzliche Herausforderug gestellt. Die Hoffnung, dass sich Robertos Vater bei uns erholt, hat sich zerschlagen. Er möchte aber nicht zurück in die Schweiz, wo er alleine ist, sondern hier bei uns und seinen Verwandten in der Nähe bleiben. Unsere Infrastruktur ist für einen Rollstuhl denkbar ungeeignet überall hat es eine Stufe oder Treppe. In der Schweiz ist man dann schnell zur Hand mit den Alters- und Pflegeheimen, im Gegensatz zu hier. Da legen die Leute die Stirn in Falten, wenn man von einer "Casa die riposa" spricht. "Es gibt gute und es gibt schlechte", ist die einfache Antwort. So genannte Altersresidenzen sucht man hier vergebens. Doch wie herausfinden, welche "Casa di riposa"  gut und oder schlecht ist? Wir versuche es erst gar nicht, sondern wählen eine andere Variante. Die lautet: eine grosszügige und behindertengerechte Wohnung in unserer Nähe mieten mit einer 24 Stunden-Betreuung durch eine italienische Betreuungsperson, welche in der Pflege ausgebildet ist. Jetzt werden wahrscheinlich einige von euch die Stirn in Falten legen und sich sagen. "Das ist doch ungemein teuer".  Nein, für schweizerische Verhältnisse überhaupt nicht, für hiesige schon. Wir hätten nicht gedacht, dass wir hier noch auf Wohnungssuche gehen.

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Sprachliche Verirrungen

Die Saison hat uns fest im Griff, was uns natürlich riesig freut.  Wir nehmen uns aber auch trotz des Kommen und Gehens für unsere Gäste viel Zeit. Einige sind liebe Bekannte von uns, andere haben das Interview im Radio gehört, sind vom Hörensagen hier, oder haben eines der Inserate gelesen. Und oft bekomme ich zu hören: "Du redsch sicher perfekt Italiänisch". Nun ja, so perfekt auch wieder nicht, aber ich kann mich mittlerweile auch telefonisch mit den Italienern unterhalten. Das war für mich das Schwierigste, kein sichtbares Gegenüber zu haben, um zu Parlieren. Lange Zeit musste immer Roberto neben dem Telefon sitzen, damit ich notfalls den Hörer an ihn weitergeben konnte. Ich muss zwar immer noch wie ein Schiesshund aufpassen, was da aus dem Lautsprecher kommt, aber es geht immer besser.

Aber, wenn ich dann auch mit Gegenüber so richtig in Schuss bin, passieren mir die einen oder anderen Fehler. So habe ich kürzlich gesagt, dass ich nun mit meinem "Carne", anstatt mit meinem "Cane" spazieren gehe. Die Antwort kam prompt: "Natürlich nimmst du dein Fleisch mit", begleitet von einem freundlichen Lächeln. Der Spaziergang fand dann mit Hund statt, beide waren wir mit "unserem Fleisch" unterwegs. Ich nehme mal an, dass ich doch noch ab und zu zum Schmunzeln Anlass gebe, aber es ist ja nie böse gemeint. Und mittlerweile ist es auch den Montabonesern aufgefallen, dass die Frau in der Casa Fossello die Sprache versteht und spricht. Warum ich das weiss? Fuhren sie mit dem Auto früher mit einem freundlichen Winken an mir vorbei, so wird vermehrt angehalten, die Autoscheibe runtergekurbelt und ein paar Worte gewechselt. Nicht ganz unschuldig dabei ist mein Hund, der mittlerweile eine stattliche Grösse angenommen hat. Immer wieder werde ich gefragt: "Sta ancora crescendo?" Wächst er noch? Ja, Tirass wächst noch ein Stückchen, und ich kann ihn jetzt schon über den Rücken streicheln, ohne mich zu bücken. Er ist so ein schöner Hund, mit ein wenig Fleisch auf den Rippen - welches er  auf unseren Spaziergängen auch mitnimmt.

 

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Hin und her

Endlich komme ich wieder dazu, euch vom Geschehen rund um unsere Casa Fossello zu berichten. Es war wirklich ein Hin und Her, ein Pendeln zwischen der Schweiz und Italien. Das erste Mal war ein Vergnügen, ich überraschte meine Schwester zum Geburtstag.  Am nächsten Tag gab es im Landgericht in Lenzburg das verspätete Geburtstagsessen für meinen Sohn Thomas. Zurück daheim, startete am nächsten Tag Roberto seinen "Ausflug" in die Schweiz, der Vater war im Spital. Aus zwei Tagen wurden deren vier, mittlerweile machte ich mir schon etwas Gedanken betreffend die Osterfeiertage. Ab Karfreitag bis Ende Mai haben wir volles Haus. Kommt hinzu - einige von euch wissen es - dass ich doch ein  ziemlicher Angsthase bin, wenn ich so alleine hieroben bin. Auch wenn mein Tirass mittlerweile ein hervorragender Wächter ist, ist es mir des Nachts ab und  zu nicht so geheuer. Und letzte Nacht war besonders, da waren die Jäger mit ihren Scheinwerfern auf Wildschweinjagd.

Doch heute Nachmittag war Roberto wieder da - samt Papa. Der ist zwar noch etwas schwach, aber er freute sich riesig, dass er reisen durfte. So ist er nun nicht mehr alleine, und hat nicht nur uns, sondern so einiges an Verwandtschaft in Acqui.

Und so ganz nebenbei ist nun auch unsere Laube zum "Stallzimmer" fertig geworden, ich lege euch ein Bild bei.

 

 

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Endspurt

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Eingeschneit

Ihr habt richtig gelesen, uns hat es eingeschneit. Ob den steilen und kurvenreichen Strässchen eigentlich nicht verwunderlich. Aber wir bekamen so richtig viel Schnee. Und auch wenn das Traktorgespann mit Schneepflug meistens so gegen Mittag vorbeifuhr, sahen wir es als nicht ratsam an, das Auto hervorzukramen. So kam es, dass ich mir die Schneeschuhe anschnallte, und den Berg hinauf ins Dorf zum Einkauf ging - Tirass war natürlich mit von der Partie. Die Verwehungen waren manchmal so tief, dass er beim Herumrasen zwischendurch ganz im Schnee verschwand. Eine halbe Stunde hinauf, einkaufen und etwas schwatzen, und dann wieder eine halbe Stunde hinab. Die Schneeschuhe waren der richtige Entscheid, denn Schneewehen und Glatteis unter dem Schnee waren so kein Problem. Im Lädeli wurde ich begrüsst, als ob ich weiss nicht was für eine Leistung vollbracht hätte. Nun ja, der eisig kalte Wind setzte mir schon etwas zu. Und es war ja nicht einmal bitternötig, einkaufen zu gehen. Wir hätten eigentlich genug zu essen gehabt, vom Wein ganz zu schweigen. Aber anstelle eines normalen Spaziergangs mit Hund konnte ich genau so gut ins Dorf wandern.

Heute Morgen dasselbe Bild, einfach mit noch mehr Schnee. Also Schneeschuhe montiert, und wieder auf Wanderschaft. Wir haben unseren eigenen Winterkurort.

Seit heute Nachmittag sind wir wieder erreichbar, morgen soll es nochmals so richtig schneien, bevor dann die Frühlingstemperaturen zu erwarten sind. Natürlich habe ich auch noch während unserem Marsch nach Montabone auf den Auslöser gedrückt.

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Ein Fass mit Boden

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Stevo und Roberto auf Irrfahrt

Um genau zu sein, war es keine Irrfahrt, und trotzdem landeten sie vor einer Woche unversehens in der «Pampas». Doch der Reihe nach. Zu Beginn dieser Geschichte steht der Kauf eines Biedermeiersofas, welches seinen Standort in Arbon hatte. Ich war – und bin – der Meinung, dass genau dieses Sofa in die neue Stube passt. Nun musste das Sitzmöbel noch zu uns gelangen. Stevo hatte einen Kollegen zur Hand, welcher uns ein so grosses Auto lieh, in welchem das Sofa bequem Platz fand. «Was meinsch wägem Wätter», fragte Roberto noch vor der Abreise. «Es sött nume chli schneie, u wär weiss, wenn du wieder Zit hesch», war meine Antwort. Gut, so fuhren Stevo und Roberto am vergangenen Donnerstagmorgen los. Knapp zwei Stunden später der erste Anruf. Der Wagen funktioniere nicht richtig, man könne nur 90 km/h fahren. Dieses Problem erledigte sich nach einem kurzen Aufenthalt. Eine Stunde später: «Es schneit so fescht, mir chöme chum vorwärts!». Bei mir meldete sich langsam das schlechte Gewissen, dass ich die Fahrt befürwortet habe. Lange war es ruhig, und der Anruf am Nachmittag beruhigte mich ungemein. Alles gut, die Sonne scheint sogar, sie seien auf der Rückreise. Ich rechnete rasch nach, wann sie denn wohl eintreffen würden, und machte mich ans Kochen. So gegen sechs Uhr: «Also heute wird das nichts mehr, das Auto ist endgültig kaputt, der Alternator muss ausgewechselt werden. Wir sind irgendwo in der Nähe von Varese.» Sie fanden zwar eine Übernachtungsmöglichkeit, aber mit Essen war nicht viel los. Den nächsten Tag verbrachten die beiden mit Warten auf das Ersatzteil. Es war wohl einer der Umstände, in welchem man anfängt sich die Lebensgeschichte zu erzählen. Endlich um drei Uhr wurde der Alternator geliefert, um vier Uhr konnten Stevo und Roberto weiterreisen. Sie waren arg müde bei ihrer Ankunft. Doch das Sofa ist wirklich hübsch.  Es steht im Moment noch eingepackt in der Garage, bevor es Ende Woche seinen endgültigen Platz bekommt.

 

Und apropos Lebensgeschichte. Stevo würde eigentlich gerne in der Schweiz arbeiten, er hat hier etwas wenig Aufträge. Nur zu leeren Häusern schauen mag er nicht, und bei uns geht es erst wieder im kommenden Winter weiter. Vielleicht hat ja jemand ein renovationsbedürftiges Rustico, Stevo wäre der Mann dafür. Wir haben mittlerweile das eine oder andere Referenzzimmer in der Casa Fossello. Am Freitag sollte endlich die Stube fertig sein.

 

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Dorfleben pur

Der Verein "Prolocco" in Montabone lud gestern Abend zur Benefizveranstaltung ein. Eigentlich hatten wir nicht vor, hinzugehen, doch unser Idraulico (der Mann für Sanitär/Heizung) meinte, dass wir den Anlass auf keinen Fall verpassen dürften. Also sagten wir zu, und fanden uns zur vereinbarten Zeit im Gemeindezentrum von Montabone ein. Natürlich bin ich bei solchen Anlässen immer etwas angespannt. Verstehe ich alle, blamiere ich mich mit meinem Italienisch nicht . . . .? Alles Sorgen, welche ich mir nicht hätte machen müssen. Mein Gegenüber gab sich besonders Mühe, etwas langsamer mit mir zu sprechen. Ich finde kaum die Worte, wie ich diesen Abend beschreiben soll. Es war eine Demonstration von dem Gefühl der Zusammengehörigkeit, welches ich selten bei einem solchen Anlass erlebt habe. Alte Menschen, mittelalterliche wie wir, Teenager und Kinder. Alle hatten ihren Spass miteinander. Das Essen, gekocht von Vereinsmitgliedern, war vorzüglich. Zuerst wurden kleine Küchlein mit Käse und Tomateneinlagen serviert, danach ein tolles Risotte mit Artischocken, gefolgt von einem sehr lange gegarten Stück Schweinefleisch mit Bratkartoffeln. Das Dessert - ein Tiramusù. Schon bis zu diesem Zeitpunkt fühlte ich mich wohl und gut augehoben. Die Veranstaltung fand übrigens für ein Kinderhilfswerk statt, natürlich nicht ohne Tombola. Vergesst alles, was ihr von einer Tombola gewohnt seid. Diese war komplett anders, sympathisch und auch herzerweichend. Sind wir es nicht gewohnt, dass da mindestens eine neue Kaffeemaschine, ja gar ein Bike oder sonst was als Preis winken sollte? Da gab es eine Flasche Wein zu gewinnen, einen Panettone von Weihnachten (das Verfalldatum wurde vor der Übergabe noch überprüft), etwas Weihnachtsdekoration, eine - scheussliche - Nachttischlampe etc. Und geschwind wurde auch noch die noch vor wenigen Augenblicken gebrauchte Salatschüssel sauber gereinigt als Preis beigesteuert. Alle hatten ihren Spass, egal ob das Gewonnene überhaupt gebraucht werden konnte, der Gedanke zählte.

Ich habe mich sehr gut unterhalten, und unverhofft war Mitternacht vorbei. Es war genau einer der Abende, welche ich nicht gerade herbeigesehnt hatte, und dann so schön endete. Wenn dies jetzt meine Söhne lesen, dann werden beide mit Bestimmtheit schmunzeln. Wieso? Jedes Mal, wenn sie etwas widerwillig an eine Veranstaltung gingen, sagte ich ihnen: "Du wirst sehen, das wird schlussendlich ein ganz toller Abend, weil du nichts erwartest". Genau so war es. Aber um das Geschriebene zu verdeutlichen, lasse ich nachfolgend die Bilder sprechen. Und in den nächsten Tagen erzähle ich euch über die Irrfahrt von Stevo und Roberto mit einem Biedermeiersofa. Ach ja, und wir sind seit gestern Abend Mitglied der Vereins "Prolocco".

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Kassenzettel

Vergangenen Freitag musste ich sehr spontan in die Schweiz reisen. Das heisst, morgen um halb Neun Uhr dem Arzt telefoniert, der Termin war dann in Aarau um 16 Uhr. Eigentlich hatte ich schon im Sinn gehabt, in den nächsten Woche die Fahrt zu unternehmen, aber nicht so plötzlich. Aber sei's drum, alles ist gut, und ich konnte noch das eine oder andere erledigen. So beispielsweise neue Kissen und Kissenbezüge kaufen, oder  Kaffeerahm. Den gibt es hier nur in Portionen, und ich brauche einfach am Morgen etwas mehr, als nur eine Portion in den grossen Kaffee. Auch Linzertörtchen und Streichleberwurst für Roberto war im Gepäck auf der Rückfahrt mit dabei. Nichts, ohne das wir nicht sein könnten, aber Dinge, welche man zwischendurch still für sich geniesst. Auch schon fast genussvoll sagte ich bei jedem Einkauf: "I bruche de keis Kassezedeli". Ihr wisst ja, hier in Italien muss man zwingend die Zettel mitnehmen. Man könnte ja vor dem Laden von der Guardia di Finanza angehalten und nach den Einkäufen und eben dem Kassabon gefragt werden. Euch wie mir ist das aber sicher noch nie passiert - oder doch? Und wenn die Zettel mal bei mir in der Tasche gelanden sind, dann kommen die nur schwer wieder raus. Bis ich dann vor lauter Zettel die wichtigen Sachen nicht mehr finde, dann wird ausgemistet. Und so konnte ich ohne unnötigen Papierballast meine Heimreise am Samstag wieder antreten. Da ich bereits in Thun und später auch Interlaken bei meinen Schwestern zu Besuch war, führte mich der Weg über den Brünig in Richtung Gotthard. Begleitet von einer klitzekleinen diebischen Freude über diesen Entscheid, denn die Route über Egerkingen war hoffnungslos überlastet und immer wieder wurden Staumeldungen gesendet. Die Freude währte genau bis vor den Ceneritunnel. Alle Ampeln standen auf Rot, während rund dreiviertel Stunden ging gar nichts mehr. Und so alleine im Auto macht das Stehen nicht wirklich Spass. Aber ich habe ja stets das Italienischbuch mit dabei, und so konnte ich wieder das eine oder andere dazulernen. Am Samstag habe ich wieder einer meiner Abende, auf die ich mich einerseits freue, anderseits schon etwas nervös bin. In Montabone organisiert der Verein "Proloco" ein Nachtessen zugunsten eines Hilfswerkes. Da gehen wir natürlich hin, ich mit enorm gespitzten Ohren, damit ich auch so viel wie möglich verstehe. Das Zusammensein mit den Landsleuten ist schlicht und einfach die beste Möglichkeit die Sprache zu beherrschen - zwei Mal die Woche von meiner Italienischlehrerin Valeria unterstützt.

Und zum Schluss noch dies: Roberto und ich erkunden bei gutem Wetter und Zeit die Wanderwege, als auch für Wanderfreudige haben wir mittlerweile ein gutes Angebot zusammengestellt.

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Stevo möchte noch warten

Stevo möchte das Zimmer lieber präsentieren, wenn es fertig ist.
Stevo möchte das Zimmer lieber präsentieren, wenn es fertig ist.

Ich habe euch ja Bilder vom Salotto versprochen. Nun, so einfach war das nicht. Stevo möchte lieber, dass ich das Bild mache, wenn alles fertig ist. Ich hingegen bevorzuge das Vorher/Nachher, und habe mich übers Wochenende über die Leiter gewagt. Denn, einen anderen Weg gibt es momentan nicht. Stevo hat alles dichtgemacht, damit die anderen Zimmer nicht allzu staubig werden. Jetzt müsst ihr euch nur noch einen schönen Holzboden dazu denken, dann ist es doch perfekt, oder? Und wie letztes Jahr ist Roberto ein paar Wochen vor der Saison die Ruhe selber, ich hingegen bin schon «e chli am hypere». Obwohl ich ja selber auch weiss, dass alles fertig wird. Nur sieht man noch nicht so viele Ergebnisse. Mitte Februar kommt Franco, um die Laube hinter unserem Haus zu verglasen, Paolo wird nächste Woche im «Stallzimmer» neue Heizkörper anbringen. Wir werden die Cantina neu streichen und das kleine (inoffizielle) Zimmer teilweise streichen. Und dann habe ich mir noch selber Arbeit gesucht. Mir haben die mit Houssen überzogenen Gartenstühle in der Cantina nie so recht gefallen. Auf der Suche nach neuen Stühlen bin ich im nahen Bistagno auf einen Antiquitätenhändler gestossen. Der hatte genau die richtigen Stühle. Nur, diese muss ich noch schleifen und mit frischer Farbe versehen. Ihr versteht vielleicht, dass ich doch etwas um die Zeit bange. Nun folgt mit einem Klick noch das Zimmer, wie es sich heute gezeigt hat.

 

 

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Frühlingsputz und -schnitt

In den vergangenen drei Tagen war es so richtig frühlingshaft. Da zuckt die Rosenschere, und auch die Putzlappen sind etwas ungeduldiger als sonst. Man wird einfach von den Weinbauern angesteckt. Überall wird geschnitten und gezupft, Berge voller Rebenzweige türmen sich am Ende der Reihen. Da wollte auch Roberto nicht zurückstehen, und verpasste der Glyzinie ihren Schnitt. Etwas kurz, aber sie wird sich schon erholen. Schon im letzten Jahr hatte ich die Befürchtung, sie überlebt diesen Schnitt nicht. Ich habe im Frühjahr noch nie eine so schön blühende Glyzinie gesehen. Deshalb lasse ich Roberto gewähren, und halte mich mit Kommentaren zurück. Ich bin ja auch kein Meister dieses Faches, und wägelte derweil die Abschnitte mit der Schubkarre in Richtung Depot. Das sind rund 100 Meter den Weg hinab und wieder hinauf, jedes Mal begleitet von meinem treuen Tirass. Wir hätten ein tolles Bild abgegeben. Denn es machte ihm sichtlich Spass, beim Vorbeirasen einen Zweig in der Karre zu schnappen. Ihr könnt euch vorstellen, dass die Fuhre immer wieder zu kippen drohte. Doch er ist mittlerweile ein recht gut erzogener Hund, und liess die Spielerei auf Befehl hin dann auch bleiben. Er kam später auf seine Rechnung.  Geputzt sind nun auch die Fenster und Läden an unserem Haus, sobald Stevo mit den Renovationsarbeiten fertig ist, zügeln Eimer und Lappen mit mir ins Gästehaus. Das Zimmer wird übrigens toll, morgen gehen wir den Bodenbelag aussuchen, und dann klappt es sicher auch mit einem Föteli vom Ort des Geschehens.

 

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2 Cents

Eigentlich hat Italien weitaus grössere Probleme, als das folgende. Aber zu Beginn des Jahres war es das Top-Thema überhaupt. Es ging um ganz genau 2 Cents. Ihr kennt die Plasticksäckchen, welche bei den Früchten und Gemüsen in den Supermärkten zum Abrollen und Einpacken der Waren bereit stehen. Das ist auch hier der Fall. Nun wurden diese Tüten auf Anfang Jahr allesamt mit solchen welche kompostierbar sind ausgetauscht. Jedoch, jedes dieser abbaubaren Dinger kostet neu 2 Cents. Ihr werdet denken: "Na und?" Hier wogte eine Welle der Entrüstung durch das Volk, alle verarmten unisono ob diesen 2 Cents. Abend-, ja tagesfüllende Sendungen wurden diesem Thema gewidmet. Leute an den Gemüseständen brachen ob der Abzokke fast in Träen aus. Mir wurde an der Kasse mitgeteilt, dass nun im ganzen EU-Gebiet dies so gelte. Also, auch wenn ich jeden Tag einer dieser Tüten nehme, dann kostet mich das im Jahr 730 Cents, gut 7 Euro.

Das Beste an der Geschichte ist, man kann das am Tag zuvor erstandene Säckchen am nächsten Einkaufstag wieder mitnehmen und neu befüllen, dann spart man sich natürlich die 2 Cents. Und die Person an der Kasse fragt auch jedes Mal, ob man diese kompostierbare Kostbarkeit hier entnommen hat, oder von daheim mitgenommen. Ein, "Ja, von daheim", und die 2 Cents werden dem Kunden erlassen. Ohne dass dieses Objekt der Aufregung irgendwo gekennzeichnet wäre. Ich habe, glaube ich, die Italiener immer noch nicht begriffen. 

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"Carciofi, Carciofi"

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Start ins zweite Jahr

Stevo (li.) und sein Gehilfe Marco geben alles.
Stevo (li.) und sein Gehilfe Marco geben alles.

Wir starten ins zweite Jahr, wie wir ins erste Jahr gestartet sind: mit viel Staub, Lärm und der Neugier, was Stevo alles zustande bringt. Diejenigen, welche bereits bei uns waren, wissen, dass der Raum – die Stube – zum Zimmer «Volta» zwar «amächelig» war, aber der Verputz sich so langsam von den Wänden verabschiedete. Nun hilft Stevo und sein Gehilfe Marco mit dem Hammer noch etwas nach. Das eine Deckengewölbe ist viel versprechend, und auch an den Wänden erscheint das alte Mauerwerk. Etwas zu euphorisch war ich beim Boden. Denn, als Stevo die Bodenplatten löste, erschien darunter der über 200 Jahre alte Plattenbelag. Nur leider nicht komplett, es fehlt sehr viel – Schade. Ich sah natürlich in Gedanken schon, wie das Ganz mit dem Original wohl aussehen möge. Ja, wenn wir unseren Stevo nicht hätten, es ginge so dass eine oder andere etwas harzig vonstatten. Es scheint uns fast so, als ob er schon genau wüsste, wie er den Raum gerne gestalten würde, und uns dies dann so häppchenweise schmackhaft macht. Bis jetzt haben sich seine Ideen als sehr gut erwiesen – wir sind gespannt. Natürlich mischt sich bei aller Freude auch die Sorge dazu, ob denn auch wirklich auch alles, was wir uns vorgenommen haben, auch fertig wird. Nun, es hat im ersten Jahr geklappt, es wird auch dieses Jahr klappen. Auch wenn die Liste von Roberto eigentlich recht lang ist. Wie heisst es so treffend? «Es gibt viel zu tun, packen wir es an». Unten seht ihr, wie die Stube vorher ausgesehen hat.

 

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Streikender Hund

In Italien ist streiken ja sozusagen an der Tagesordnung. Wobei wir noch nie hautnah davon betroffen waren. Mir persönlich kam jedoch Ferragosta einem Streik doch sehr nahe. Aber das ist aus der Sicht der Ausländerin gesehen.

 

Doch gestern streikte unser Tirass, was wir jedoch unter Berücksichtigung der Umstände verstehen konnten. Wir waren zu Silvester an eine Tavolata nach Turin eingeladen worden. Der Hund sei überhaupt kein Problem, beschied man uns. Also, warum eigentlich nicht? Ausser der Cousine von Roberto kannten wir von den rund 30 Personen niemanden. Doch schon bald war unser Tirass der Mittelpunkt des Geschehens. Und er wusste sich in Szene zu setzen. Liess sich brav tätscheln, verlor trotz all dem Neuen die Ruhe nicht, und erntete nur Komplimente. Die Schattenseite: er kam ob der vielen Leute kaum zur Ruhe. Und da sich das Essen schon sehr in die Länge zog, verliessen wir die Neujahrsparty so gegen ein Uhr im neuen Jahr. Wohlgemerkt – wir hatten lediglich die Vorspeise gehabt. Aber die vielen kleinen Dinge vorab liess uns gesättigt von Dannen ziehen. Und unser Tirass? Der ist es sich gewohnt, sich so gegen acht Uhr in die Nacht zu verabschieden. Nun wurde es halb drei Uhr, bis wir unser Heim im dichten Nebel «gefunden» hatten. So kam es, dass er den ersten Jahrestag im wahrsten Sinne des Wortes verschlief. Jegliche sonst freudig quittierte Aufforderung zum Spaziergang prallte an ihm ab. Kurz raus, Geschäft erledigen, dann wieder auf seinen Platz und weiterschlafen. Doch dies wusste er sportlich zu gestalten, auf dem Trampolin. Da macht man sich trotzdem etwas Sorgen. Aber heute Morgen war er wieder ausgeschlafen und fit. Wir genossen beide den tollen Spaziergang über die Hügel – natürlich aus verschiedenen Sichtweisen. Bei mir war es das herrliche Panorama, bei ihm sehr wahrscheinlich die neuen Gerüche.

 

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Zwischen den Jahren

Zuerst möchte ich euch allen von Herzen ein gutes neues Jahr wünschen. Viel Gfröits, Gesundheit und häufige Augenblicke des Schmunzelns. Das macht das sonst so ernste Leben etwas leichter. Ich will euch aber zu Jahresbeginn nicht gleich zutexten, sondern möchte lieber die Bilder sprechen lassen, wie es bei uns zwischen Weihnachten und Neujahr so war.

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I Panettoni

Während in der Schweiz so manches Haus vor lauter blinkender Lämpchen kaum mehr zu erkennen ist, gestaltet sich die Weihnachtsbeleuchtung hier etwas verhaltener. Da und dort ein leuchtender - etwas kitschiger - Stern an einem Tor, hie und da ein beleuchtetes Fenster. Für eine echte Tanne muss man sich schon etwas auf die Suche begeben, die künstlichen samt Geblinke gibt es sozusagen an jeder Ecke. Ich muss mir schon etwas Mühe geben, um diesem Kitsch nicht zu verfallen, er hat schon was für sich.

In den Supermercati herrschen vor allem die Berge mit Panettoni vor. In jeder nur erdenklich süssen Varinte sind sie vorhanden, soweit das Auge über die Gestelle hinweg reicht. Und sie werden auch verschenkt. Wir haben gerade die Nummer drei erhalten, und Weihnachten ist noch gar nicht da. Morgen kommt Besuch, sicher mit einem Panettone. Am 24. und 25. Dezember erwarten wir ebenfalls Gäste. Wenn Sie ohne Panettone kämen, würde mich das doch sehr wundern. Das wären dann Nummer 5 und 6. Wir selber verschenken keinen Panettone, hoffentlich nimmt das uns niemand übel, und sie freuen sich über Toblerone etc. Den einen Panettone von der Distillerie "Berta" werden wir am 26. Dezeber zum Dessert mit einem feinen Moscato kredenzen, weil er keine kandierten Früchte drin hat. Die ganze Familie hat dies nicht so gern. Am 26. nämlich treffen meine Söhne für ein paar Tage ein. Vor dem besagten Panettone gibt es ein reichhaltiges Vorspeisenbuffet mit Acciughe verde, carne battuta, diverse Paté, marinierte Pilze, frisch zubereitete Artischokkenherzen und vitello tonnato. Natürlich darf auch ein Klecks russischer Salat nicht fehlen. Ein Muss auf jedem Vorspeisenbuffet. Warum das so ist, konnte mir bis jetzt noch niemand erklären.

Je nach Wunsch der Gäste gibt es vor dem Hauptgang noch ein Kürbistörtchen. Dann folgt das Kaninchen mit Polenta und Rosmarinkarotten. Und wie bereits erwähnt, zum Abschluss der Panettone, oder dann ein Panna cotta. Ich bin überzeugt, dass unser Tirass in den kommenden Tagen für Verdauungsspaziergänge heiss begehrt sein wird. Ihm geht es mittlerweile wieder gut, er hat sich in den 10 Tagen Schnee und Regen in der Schweiz erkältet. Es war nicht unbedingt wegen der Kälte, auch wir haben hier den ganzen Tag um den Gefrierpunkt, jedoch sonnig und trocken. Die Feuchte und Nässe war es. Er ist halt trotz seiner mittlerweile schon beeindruckender Grösse "es Finöggeli".

Ihr werdet euch sicherlich fragen, was wir denn mit den anderen - mindestens 5 - Panettoni machen. Die geben wir mit in die Schweiz in der Hoffnung, dass sie den einen oder anderen Liebhaber antreffen. 

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Wieder daheim

10 Tage Schweiz. Eine Zeit, welche nur so dahinraste. Wir hatten natürlich auch genügend Termine: Ärzte, Verwandte, Freunde, DH und so viele mehr. Als krönender Abschluss dann meine Geburtstagsfeier mit Söhnen, Geschwister und Freunden. Es war ein wundervoller Abend. Nicht nur die Gesellschaft, sondern auch das Team des Landgerichts in Lenzburg tat das seine dazu. Es war schlichtweg köstlich. Ein Dankeschön an dieser Stelle an Pasquale und seine Crew. Das Wetter war zum Abwinken, derweil hier die Sonne fast täglich schien. Aber schön waren die Ferien trotzdem. Wir haben das schöne Wettter Christine und Hansueli von Herzen gegönnt. Sie haben unser Haus aufs Beste behütet, Alex kam voll und ganz auf seine Kosten bezüglich der Streicheleinheiten.

Ein eindeutiges Indiz, dass wir wieder italienischen Boden unter den Rädern hatten, war, dass der Schrittzähler in meiner Tasche plötzlich munter mitzählte. Die Strassen sind halt schon etwas anders :-) Aber wir sind froh, weder daheim zu sein, es hat mir gefehlt. Ich hielt es selber kaum für möglich, dass mir die Abgeschiedenheit gefehlt hat. Während ich hier mit Tirass sozusagen stundenlang durch Rebberge und Wiesen streifen kann, und niemandem begegne, dauerte es in Beinwil am See kaum fünf Minuten im Wald, um auf Mensch und Hund zu stossen. Ein Vorteil: Tirass lernte, dass man auch einfach an Hunden vorbeigehen kann.

Nun hat uns der Alltag wieder, es geht weiter mit intensiven Italienischstunden, der Hundeerziehung, aber auch der gedanklichen Vorbereitung auf unseren Besuch. Meine Söhne reisen am 26. Dezember zu uns. Der Einkaufszettel hat bereits eine veritable Länge angenommen, immer Neues kommt hinzu. Denn am Ankunftstag köcheln wir hier was Feines. Zuerst gibt es eine reiche Anzahl an Vorspeisen, dann noch so das eine oder andere. Wir freuen uns auf jeden Fall, die erste Weihnachten bei uns zu feiern.

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Wir sind in den Ferien

Unser zehntägiger Ausflug in die Schweiz bedurfte einiger Vorkehrungen. Zuallererst stand natürlich die Frage im Vordergrund, wer denn in dieser Zeit zu Haus, Hof, Katze und Pelletheizung schauen würde. Unser Büssi ist sich natürlich etwas mehr als die tägliche Futtergabe gewöhnt. Also müsste jemand etwas mehr Zeit aufwenden. Bereits im Frühjahr sondierten wir bei verschiedenen Leuten, ob sie wohl Interesse hätten, unser Daheim während 10 Tagen im Dezember zu hüten. «Ja, sehr gerne. Aber in der Adventszeit?», war dann jeweils die verständlich abschlägige Antwort. Nun, Christine und Hansueli nahmen sich die Zeit, und sind nun während unserer Abwesenheit Herr und Meister über unsere Casa Fossello. Ein herzliches Dankeschön ins Piemont.

 

Und wir? Ja, wir sind für 10 Tage in den Ferien in der Schweiz. Genauer in Beinwil am See. Dort konnten wir mit Tirass eine gemütliche Ferienwohnung mieten. Wir fühlen uns sehr wohl. Ja, uns kommt «Böju» vor wie ein Winterkurort. Denn, wenn wir aus den Fenstern schauen, sehen wir vor allem festlich dekorierte Häuser. Bei uns daheim sind es einzelne mit wenig Lichtern gekennzeichnete Bauernhöfe. Doch, bevor wir überhaupt an ein Ankommen denken konnten, mussten wir uns vor dem Gotthard eine geschlagene Stunde lang gedulden. Weiss der Gugger warum, es war so wenige Verkehr, und plötzlich standen die Ampeln auf Rot. Nun ja, die haben ja sicherlich gewusst, was sie da tun. Vergeblich hörten wir die Verkehrsmeldungen ab, kein Ton von «unserem» Problem.

 

He nu, jetzt sind wir da, und haben in den Ferientagen sehr viel vor. Das eigentliche «Schlussbouquet» wird dann unsere Feier zum 60sten Geburtstag sein. Dazwischen liegt jedoch noch eine Woche voller Termine. Die einen nötig, die andern spontan und hoch erfreulich.

 

Der Handschuh ist weg

Unseren Hund hätten wir genau so gut "Spiropolvere" - Staubsauger nennen können. Wenn wir nicht wahnsinnig aufpassen, frisst er sozusagen alles. Vom Papiernastuch bis hin zum Küchenschwämmchen. Von Ästen etc. können wir ihn mittlerweile fernhalten. Jedoch fand sich auch schon ein Stein auf dem Röntgenbild. Damals, als wir ein Kontrollröntgen betr. der Dysplasie machten. Alles war übrigens picobello. Jedes Ding, das er verschluckte, kam nach einiger Zeit auch wieder zum Vorschein.

Doch heute nach der Hundeschule schoss er den Vogel ab. Er klaute sich aus meiner Jackentasche einen Handschuh, und würgte ihn in Windeseile herunter. Es war ihm anzusehen, dass der "Händsche" aus Fleece nicht richtig gut herunterrutschte, und ich stand relativ ratlos vor meiner Fellnase. Zum Glück war Hundetrainer Andrea zur Stelle und wusste auch Rat. Er kam mit Acqua Ossigenata herbeigeeilt, verabreichte Tirass einiges davon. Nach einigen Schritten wurde unserem Hund ziemlich übel. Und siehe da, der Handschuh erblickte wieder das Licht der Welt. Ihr versteht, dass ich auf dem Markt neue Hanschuhe kaufen werde.

Nicht allzu gross war unser Schrecken, als wir nach Hause kamen. Wissen wir doch mittlerweile, dass unser Stevo recht waghalsig seiner Arbeit nachgeht. Wenn wir ihn darauf aufmerksam machen, lächelt er nur und meint, das sei schon in Ordnung so. Ich lege euch ein Bild bei, das sagt mehr, als viele Erklärungen. Er ist mittlerweile mit der Arbeit fertig und heil vom Gerüst heruntergestiegen. Was er gemacht hat? Den ganzen Verputz hat er weggenommen, und die schöne, alte Mauer wieder hervorgeholt. So geht es immer wieder einen Schritt weiter zu unserem Ziel, so viel wie möglich das Ursprüngliche des Gästehauses zu zeigen. Im Januar macht Stevo im Innern weiter. Dort ist es glücklicherweise nicht mehr so hoch.

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Signaturen

Ihr glaubt gar nicht, wie viele Unterschriften ich in diesem ersten Jahr im Piemont bereits geleistet habe. Für die Eröffnung eines Bankkontos mindestens 20 Unterschriften. Und wehe, sie ähneln sich nicht – was in Anbetracht der Menge verständlich ist – beginnt man von vorne. Weil sie der gescheite Computer immer wieder vergleicht. Dass es für ein Bankkonto schon die eine oder andere Signatur braucht, ist verständlich. Doch dass es für den Erwerb eines neuen Handys deren acht braucht, dünkte mich schon etwas happig. Der Clou! Mein neues Handy hörte auf eine ganz andere Nummer. Da kribbelt es dann schon etwas in der Bauchgegend. Vor allem, weil wir genau wissen, dass man nicht einfach bei Vodafone hereinspazieren kann, und dann gleich bedient wird. Da kann man getrost sein Nümmerchen am Eingang ziehen, und noch andere Einkäufe erledigen. Eine halbe Stunde wartet man dort locker. Und trotzdem mussten wir uns die alte Nummer wieder zurückholen. Das ging natürlich nur mit einem erneuten Unterschriftenmarathon. Zusätzlich müssen dann immer noch der Codice fiscale, die Kreditkarte und die ID-Karte bereit sein. 

 

Und stellt euch vor, ihr bringt das Auto in die Garage, und bekommt einen Ersatzwagen. Schlüssel in die Hand gedrückt, vielleicht noch rasch das Auto erklärt, und tschüss. Nicht so hier. Nach der Unterzeichnung von drei Formularen und dem Beifügen der Namen, wer denn diesen Wagen auch noch fahren darf, durften wir endlich das Autöchen in Empfang nehmen. Ein Panda, bei welchem man zu uns hoch in jeder Kurve in den ersten Gang schalten musste, um überhaupt unser Heim zu erreichen. Aber gäbig wäre es schon, so ein kleines Poschtiwägeli. Das Zurückbringen erforderte dann wiederum einige Formulare samt Unterschrift.   

 

Ich glaube, Italien könnte man mit Formularen zukleistern. Doch zuerst werden wir eingeschneit, wenn denn die Wettervoraussagen stimmen. Ich werde berichten.

 

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Warme Küche

Der Titel sagt eigentlich alles. Unsere Baustelle in der Küche ist beendet, wir können endlich wieder kochen. Wir wollen aber nicht gemäss dem Sprichwort mit der Tür ins Haus fallen, sondern lassen es langsam angehen. Heute gibt es für mich kleine Artischockenherzen mit Knobauch gebraten und ein Tagliata (Fleisch) dazu. Wo Roberto ist? Der erfüllt sich einen Wunsch, und ist auf dem Weg nach Turin. Zusammen mit unserem Idraulico und seinem Sohn schauen sie sich einen Juve-Match an. Morgen dann gibt es Tajarin mit Albatrüffel. Denn heute war in Acqui Terme Trüffelfest, und wir haben uns einen Trüffel (15 Gramm = 15 Euro !!) gegönnt. Den hobeln wir dann über die piemontesischen Teigwaren. So, nun will ich euch aber unseren chemineélosen Raum nicht mehr vorenthalten, und füge ein paar Bilder bei. A dopo.

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Kalte Küche

Wir haben uns ja darauf gefreut, dass wir von unserer Küche aus nun endlich eine schöne grosse Tür in den angrenzenden Keller erhalten. Ein Jahr lang mussten wir uns durch ein kleines  Türchen bücken, welches unter der Treppe in den Keller führte. Aussenrum war es ein bisschen weit. Wir haben uns das recht einfach vorgestellt. Derweil wir für drei Tage in der Schweiz unter anderem den Geburtstag meiner Schwester feiern würden, legen sich unsere Handwerker so richtig ins Zeug, brechen das Cheminée in der Küche ab, um Platz für die Türe zu machen. Nun, ins Zeug legten sie sich schon, sogar übers Wochenende. Doch das Besprechen, was wir alles gerne hätten, und die Umsetzung sind zwei verschiedene paar Stiefel. Es kommt ganz bestimmt gut, nur dauert es wie gewohnt ein paar Tage länger, als geplant. Tisch und Stühle aus der Küche stehen nun im Wohnzimmer, es sieht aus, als ob wir bereit für einen Auszug wären. Kochen geht nicht, die Küche ist sozusagen staubdicht zugemacht. Notgedrungen gibt es halt kalte Küche bei uns, da häufige auswärts Essen ist nicht so mein Ding. Vor allem auch, weil unser Hund nicht ganz auf dem Damm ist. Er hat heute seine Männlichkeit verloren und ist noch etwas schlapp. Ihr merkt, die Freude ist bei mir im Moment an einem kleinen Ort. Doch, sobald wieder alles an seinem Platz steht, und ich hoch erhobenen Hauptes in den Keller gehen kann, kommt auch die wieder. Und sobald die Arbeiten abgeschlossen sind, verwöhne ich euch mit einer Fotostrecke.

 

Es gibt noch eine zweite Baustelle ganz am Ende des Gästehauses. Dort legen wir die ursprüngliche Mauer frei – sieht schon jetzt recht gut aus.

 

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Bilder sagen mehr als Worte - unser erstes Jahr

Feuer und Staub

Unser erstes Jahr in Montabone scheint eines der wettermässigen Ausnahmen zu sein. Brütend heiss im Sommer ohne jegliche Abkühlung, viel Wind, aber vor allem kein Regen. In der Lombardei und in Teilen des Piemonts wüten seit einigen Tagen Waldbrände. Diese Katastrophe spielt sich zwar rund zwei Fahrstunden von uns ab, macht aber trotzdem betroffen. Vor allem auch, weil die Brände wahrscheinlich von Menschenhand gelegt wurden. Derweil die Menschen in den grossen Städten vom Smog geplagt werden, macht hier die harte Erde den Weinbauern viel Arbeit. So gerade Lorenzo, welchen wir auf dem Nachmittagsmarsch im Weinberg angetroffen haben. Von Hand hackt er die Erde zwischen den Reben auf, für die Maschinen sei diese zu hart. Das tiefe Auflockern ist wichtig, damit der Regen nicht einfach den Hang hinabfliesst, sondern ins Erdreich dringt. Ein Blick auf die Wetterkarte zeigt, dass zwar übers Wochenende leichter Regen erwartet wird, mit einer Wahrscheinlichkeit von 15% - nicht gerade viel. Eigentlich erstaunlich, dass wir immer noch genügend Wasser haben. Es liegt da auf der Hand, dass alles staubtrocken ist.  Aber das ist in Anbetracht, was andere mit dem Feuer erleben, ein kleiner Störfaktor. Sonst herrscht im Moment eitel Sonnenschein, mit klaren Nächten, einem kühlen Tagesbeginn mit einer kalten Nasenspitze beim ersten Spaziergang, und ab und zu leichten Nebelschleiern am Morgen. Der Herbst, für mich die schönste Jahreszeit im Piemont.

Noch ein Nachtrag zum "Amtshund". Tirass haben wir vergangene Woche erfolgreich in Nizza Monferrato registrieren lassen. Das Ganze dauerte 30 Minuten. Und das, weil wir noch auf den Tierarzt warten mussten. Ihm oblag die Aufgabe, den Schlüssel hervorzukramen, den Schrank in unmittelbarer Nähe der Sachbearbeiterin zu öffnen, und das Lesegerät für den Chip hervorzuzaubern. Mit dem nötigen Ernst las er die Nummer des Chip bei Tirass ab, nickte uns kurz zu, und verschwand wieder. Das nenne ich gelebte Aufgabenteilung. Aber egal, wieder etwas erledigt.

 

Zum Naschen verführt

Unsere Fellnase «Tirass» folgt Kater Alex überall hin. Mauzend flaniert er voraus, Tirass folgt in gebührendem Abstand. Und wenn er etwas zurückbleibt, wartet Alex auf ihn. Ein eigenartiges Gespann, denn er darf auf keinen Fall zu nahe an Alex aufschliessen, sonst gibt’s eins auf die Nase. So folgte unser Hund dem Kater vor einigen Tagen die Treppe ganz am Ende des Gästehauses hinauf. Auch die «Schareisen» konnten ihn nicht zurückhalten – das wirklich positive an der Geschichte. Der Weg führte die zwei durch die leider offene Türe hinein in die Loggia, welche zum einen Zimmer gehört. Die Koffer standen gepackt dort parat, darunter auch eine Tasche mit einigen köstlichen Erzeugnisses des Piemonts. Als ich Kater und Hund aufgestöbert hatte, tat sich Tirass bereits an einem kleinen Stück Käse gütlich. Die Salami interessierte ihn überhaupt nicht. Es war dann an mir, den abreisebereiten Gästen zähneknirschend das Missgeschick mitzuteilen. Tirass würde für ein Stück Käse Purzelbäume schlagen. Sie quittierten dies mit einem Lachen und meinten: «Mir hätte ou Tür nid dörfe offe lah». Danke fürs Verständnis.  Alex sass bei dieser ganzen Aktion völlig unschuldig auf dem Treppenabsatz. Wüsste ich es nicht genau, dass er den Hund nicht absichtlich dorthin geführt hätte, ich müsste es anhand seines sooo zufriedenen Gesichtsausdrucks fast annehmen.

 

Zufriedenheit auch bei unserem Nachbarn. Wir ihr sicherlich wisst, gibt es in Italien neben den Strassen immer diese Gräben. Das sind die Ablaufrinnen, wenns regnet. Nun wurde auch in den Rebbergen, die feste Erde aufgelockert, und jeweils gegen diese Strassengräben hin eine Querrinne gegraben. So kann das Wasser einerseits in die Erde eindringen, andererseits auch in die Strassengräben abfliessen. So, und jetzt kommen wir ins Spiel. Natürlich haben auch wir bei unserer Zufahrt so einen Graben, der war voller Laub. Vor zwei Tagen nun haben wir diesen bis weit in die Gemeindestrasse hinauf gesäubert – das Wasser kann kommen. Wir wissen ja kaum mehr, wie sich Regen anfühlt, seit rund einem halben Jahr hat es höchstens mal getröpfelt Nachbar Angelo, welcher gerade beim Holzen war, schaute uns anerkennend zu, und meinte kurz und bündig: «Vuoi siete bravi».

 

 

 

 

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"Amtshund"

Unser "Tirass" muss sich auf der Amtsstelle vorstellen.
Unser "Tirass" muss sich auf der Amtsstelle vorstellen.

Ihr wisst, wir haben seit Juli einen Hund. Er hat all die erforderlichen Impfungen, geht mit uns brav in die Hundeschule und ist ein wirklich netter Kerl. Wir würden ihn nicht mehr hergeben. Wie in der Schweiz, wollten wir vor kurzem unseren «Tirass» auf der Gemeinde anmelden. Doch das ging leider nicht, da er nicht aus dem Piemont selber kommt, und zu allem Übel noch aus keinem EU-Land eingereist ist. Uns wurde ein Fragebogen sowie die Adresse der A.S.L in Nizza Monferrato in die Hand gedrückt, wo wir unseren Vierbeiner registrieren lassen müssen. Natürlich wollen sie auf dieser Amtsstelle diesen auch persönlich sehen. Die werden ja Augen machen. 5 Monate alt, 30 kg schwer, und hat die Grösse von so vielen bereits ausgewachsenen Hunden. So werden wir nächste Woche nach Nizza Monferrato fahren, um «Tirass» offiziell vorzustellen und anzumelden. Nizza Monferrato ist ein nettes Städtchen mit guten Restaurants, da lohnt sich die Fahrt allemal. 

Viele Gäste staunen übrigens, dass wir immer noch mit unseren AG-Schildern herumfahren. Ja, auch das werden wir in den nächsten Tagen ändern müssen – es wird wirklich langsam Zeit. Mitte November reisen wir für zwei Tage in die Schweiz, dann werden wir zusammen mit den Winterpneus auch die neue Nummer am Auto haben. Ihr denkt Winterpneus? Jawohl, wir haben hier vom 15. November bis 15. April ein Obligatorium für Winterpneus. Die Strässchen sind halt gar steil. Ich halte euch natürlich auf dem Laufenden, wie dann das Vorhaben mit den Autoschildern über die Bühne ging.

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Beim Einschlafen denke ich an das Posto

Also es ist so. Wenn ich ausnahmsweise mal nicht einschlafen kann, oder mitten in der Nacht erwache, dann hilft mir vor allem eines: An etwas denken, was jenseits unserer Möglichkeiten liegt. So, dass man so viel Fantasie einsetzen kann, wie man will. Kurz: von etwas träumen, was man eh nie realisieren wird. Auch wenn der Goldesel bei uns Einkehr halten würde, hier hätten wir noch genügend Projekte. Vielleicht wissen die einen oder anderen, was ich meine. Auf Sichtdistanz liegt eben dieses Posto – oder Plätzchen. Ein paar Steine, Ruine wäre übertrieben, thronend über einem Rebberg. Das Gelände dahinter zuerst flach, dann sanft ansteigend. Die Lage ist gut besonnt, Wasser und Strom sind kein Problem. So, und hier setzt dann des Nachts meine Fantasie ein, was man alles auf diesem Posto verwirklichen könnte. Ich sage euch, mir kommen ganz tolle Sachen in den Sinn. Ach so, auch die Aussicht ist sehr schön, in die Täler hinein und auf die Hügel. Weit komme ich mit meinen «Bauplänen» nicht, denn stets werde ich dann vom Schlaf übermannt. 

 

Auf einem unserer Abendspaziergänge mit Tirass erkundigten wir uns bei Nachbar Lorenzo, wem dieses Areal denn gehöre. Das ist im Besitz seines Cousins, welcher das Grundstück schon lange verkaufen möchte. Nur, wir haben ja bereits ein schönes Posto. Und so erinnert mich Lorenzo ab und zu daran, dass ich unseren Gästen dieses Hügelchen doch zeigen möge. Wer weiss, vielleicht hat ja jemand genug Fantasie und trägt sich eh mit dem Gedanken . . . .  Auch mein Nachbar darf sich in Tagträumen ergehen, wie ich in der Nacht.

 

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Für mich etwas vom Schönsten

Das Piemont im Herbst ist für mich etwas vom Schönsten. Ich kann mich kaum satt sehen. Nach den Einkäufen in Acqui kommt es vor, dass ich einfach etwas durch die Hügel fahre, und dabei die Zeit völlig vergesse. Das Licht ist immer wieder anders. Und wenn gegen Abend die Schatten länger werden, dann bin ich hin und weg. Die richtigen Worte finde ich nicht, schaut selbst. Denkt jedoch daran, dass ein Bild die Wirklichkeit nie wiedergeben kann. Es fehlt der Duft, der Wind, und meine Liebe zu dieser wundervollen Gegend.

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"Il Belpaese" hätte es verdient

In letzter Zeit werden wir immer wieder aus der Schweiz angefragt, wie denn die Situation in Italien sei.  Anfänglich haben wir etwas erstaunt darüber reagiert. Wir waren der Meinung, dass man doch sehr gut informiert sei. Doch, wir sind seit Juni mittlerweile zum zweiten Mal im Wallis in Kurzferien, sind wir eines anderen belehrt worden. Keine Information über den Belpaese, höchsten im Fernsehen Reklame über Oesterreich. Da sind wir doch etwas konsterniert, weil – aktuell – sind die Fallzahlen in Italien besser als in der Schweiz; gemessen an der Bevölkerung. Hat das System? Steckt da Kalkül dahinter? Wenn ja, ist das sehr schade, dass man mit dieser Fehl-, Falsch- oder gar keiner Information die Bevölkerung im Land behalten will. Haben denn die Eidgenossen keine Angst vor den Touristen aus dem Ausland? Da atmen Belgier, Holländer, Franzosen, Deutsche, Italiener und viele mehr die gleiche Luft ein und aus wie die Schweizer. Ob im Einkaufszentrum, in der Seilbahn, im Restaurant etc. Und ja, im Restaurant gelten ja anscheinend kaum mehr Einschränkungen. In Italien? Da ist man nach wie vor sehr vorsichtig. Seit Wochen sind wir auf stets gleich tiefem Niveau. Natürlich tragen wir Masken im Einkaufszentrum und im öv. In den Restaurants gilt immer noch die Zweiertischregelung – ausser bei Familien. Bei Freunden wird ein grösserer Tisch beispielsweise für 4 Personen mit gebührendem Abstand angeboten. Immer noch nah und gemütlich. Ebenfalls bleiben die Discos und Clubs bis auf weiteres geschlossen.

 

Nochmals zur Erinnerung; Italien hat wohl den härtesten Lockdown in Europa durchgemacht. Es war kein Spaziergang. Ueber zwei Monate waren Millionen von Menschen in ihren Wohnungen eingesperrt, nur eine Person durfte nur mit Zertifikat für die ganze Familie einkaufen gehen. Die Kinder? Ueber zwei Monate in ein und derselben Wohnung. In Wohnungen, welche einerseits klein, und anderseits kaum Balkone haben. Viele jedoch haben in den Hügeln Zweitwohnungen etc. Doch diese durften erst nach zwei Monaten wieder besucht, und die Gärten bewirtschaftet werden.

 

Und nun, nachdem das italienische Volk mit so viel Disziplin nach dem Lockdown die Zahlen auf ein sensationell tiefes Niveau gebracht hat? Da schweigen die Nachbarländer. Die Länder, welche es nicht versäumt haben, die Bilder von Bergamo immer und immer wieder in den Zeitungen abzudrucken, oder über den Bildschirm flimmern zu lassen. Da frage ich mich als Journalistin: wo ist da die gerechte Berichterstattung? Ausser den «Abgesang Italiens» lese ich keine einzige erfreuliche Zeile. Die Italiener hätten indes Applaus, ein Chapeau und viele Reisende in dieses wunderbare Land verdient.

 

Wir durften seit Mitte Juni bereits einige Gäste bei uns begrüssen, wir haben uns riesige gefreut. Und alle haben sich sicher und sehr gut aufgehoben gefühlt. Abschliessend noch eine Reaktion einer unsere Gäste:

 

«Kei Tag vergoht ohni en Rückblick uf die letschti Wo. Mer händ eus so sicher gfüehlt. Mer händs gnosse  vom morge bis am obe. Shoppe , Wydegustation, Käffele. Mer händ glücklechi Mensche,  ob ide Stadt oder ufem Land, dörfe erlebe. Ond au met wenig italienische Kenntnis hämmer do und det en Schwatz duregfüehrt. Freue eus scho ufe September.”

Noch nie, und wahrscheinlich nie wieder wird man so viel Platz an den Stränden haben, oder die Sehenswürdigkeiten in den Städten so ruhig besichtigen können – nutzen Sie die Möglichkeit.

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