Alarm im Einkaufszentrum

Es war schon eine etwas ungemütliche Situation. Ich stand mit andern Kunden an der Käse- und Fleischtheke, das Nümmerchen in der Hand, und gleich wäre ich an der Reihe gewesen. Da sagte der Verkäufer unvermittelt, wir sollen uns doch bitte zur Kasse und in Richtung Ausgang begeben. Da kam auch noch der Chef und sagte mit Nachdruck dasselbe. Also liessen wir unsere Einkaufswagen stehen - das Nümmerchen behielt ich natürlich noch - und verliessen zügig das Einkaufszentrum. Draussen angekommen wurden wir alle an die äusserste Ecke des Parkplatzes geführt, am weitesten Weg vom Zentrum. Zuerst standen wir alle etwas ratlos und mit einem mulmigen Gefühl da. Vor allem machte ich mir auch Sorgen um mein Auto in der Tiefgarage. Bald wurden wir darüber aufgeklärt, dass es lediglich eine Uebung war. Bis auf den Chef war auch das ganze Peronal mit ihren Kassen in den Armen versammelt. Der letze, welcher bei uns ankam, war der Chef. Gerade so, wie es sich für einen Kapitän ziemte. Die Erleichterung, dass es sich lediglich um eine Uebung handelte, war bei allen zu spüren,  sofort war die Stimmung wieder gelöst, und der Ruf nach einem Cafè als Entschädigung wurde vom "Kapitän" mit zustimmendem Nicken zur Kenntnis genommen.

Während die einen an der Bar ihren Cafè schlürften, suchten die anderen ihre Wägelchen, und setzten den Einkauf fort. Natürlich war mein Nümmerchen nun Schnee von gestern, und es wurde neu gezogen. Uebrigens eine gute Sache bei den Theken. Da gibt es kein Vorpreschen, es geht alles schön der Reihe nach.

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Vor dem grossen Tief

Ich "schiniere" mich ein wenig, dass ihr so lange auf einen neuen Eintrag warten musstet. Doch auch hier fliegt die Zeit "il tempo vuole". Besonders dann, wenn man Gäste begrüssen darf, und verabschieden muss. Denn irgendwie wachsen mir alle ans Herz. Die, welche mich schon länger kennen, wissen, dass ich eine "Gluggere" bin. Zufrieden bin ich erst, wenn alle meine Gäste das Gewünschte bekommen und zufrieden sind. Aber eigentlich schweife ich ab, ich wollte über unseren Frühling berichten, bevor das Genuatief über uns hinwegzog. Noch sind von Weitem dunkle Wolken zu sehen, doch wir haben das Gröbste hinter uns, und freuen uns auf sonnige und warme Tage. Die hatten wir schon vorher, davon zeugen die Bilder, welche ich nachfolgend zeigen werde. Und wer nicht genau weiss, was mit den freien Tagen im Mai und Juni zu machen, dem sei gesagt, dass wir vom 5. bis 11. Mai sowie infolge einer Annulation vom 6. bis 16. Juni noch Zimmer frei haben. Uf wiederluege oder "a dopo"

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Mir gefällts

Derweil sich der Brotteig noch einige Zeit gehen lässt, und der Bounet im Wasserbad bei 145 Grad seinem Garende nähert, will ich euch wie versprochen die Aktualitäten berichten. Doch zuerst zum Bounet. Es ist ein typisch piemontesischer Dessert, welchen unsere Gäste morgen - wenn sie dann noch mögen - serviert bekommen. Der Bounet ist einfach ausgedrückt ein Schokoladepudding in unendlichen Varianten an weiteren Zutaten. In Kürze werde ich meine Variante in der Rubrik "Rezepte aus unserer Küche" vorstellen. Doch nun zu unseren Projekten. Stevo ist heute mit der schönen Natursteinmauer und dem Parkplatz fertig geworden. Ein richtiges Prunkstück, fast zu schade, um Autos darauf abzustellen. Stevo wäre eigentlich schon früher fertig geworden, wenn wir nicht immer noch das eine oder andere gehabt hätten. Sei es die Installation der Ablaufvorrichtung unserer neuen Kombination im Frühstückszimmer, welche immer wieder einen Gang in den Baumarkt nötig machte. Oder das Montieren einer Solarlampe für den Parkplatz, die Reparatur des Rasenmähers, und, und, und . . .   Auch die Photovoltaikanlage ist installiert, nun muss einfach noch die zuständige Elektrofirma den Zähler installieren. Wir sind also endgültig bereit, in die neue Saison zu starten, welche für uns und die ersten Gäste jedoch schon vor einer Woche begonnen hat. Wir sind sozusagen warm gelaufen. Nun freut euch mit mir an den Bildern des neuen Parkplatzes und des Stromspenders auf dem Dach des Gästehauses.

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Erwischt

 

Der Fahrausweis, schon fast eine endlose Geschichte. Doch bei mir zeichnet sich ein Ende ab. Mein Schweizer Permis ist bei den Behörden betreffend Ausstellung eines italienischen Fahrausweises, ich kurve im Augenblick mit einer zweiseitigen Bestätigung herum, welche bescheinigt, dass der Wechsel läuft.

 

Roberto hatte da noch ein Problem. Sein Heimatschein war nur in deutscher Sprache abgefasst, derweil meiner in allen vier Landessprachen ausgestellt war. Nun verlangte das Büro UPA – sozusagen das Strassenverkehrsamt – eine Uebersetzung des Heimatscheins von Roberto, welche er dann in einer anderen Amtsstelle in Alessandria bestätigten müsste. Wir wussten genau, dass dieses Büro in Alessandria sicher noch andere Bedingungen stellen würde, weshalb Roberto der Einfachheit halber einen neuen Heimatschein bestellte, welcher in ebenfalls allen vier Landessprachen abgefasst war. Nun fährt auch er mit einer zweiseitigen Bestätigung herum, bis der italienische Fahrausweis eintrifft.

 

Das war aber vor rund einer Woche noch nicht so, da fuhr Roberto noch mit einem nicht mehr gültigen Fahrausweis aus der Schweiz herum. Ja, und es kam, wie es kommen musste: die Carabinieri winkten uns in Alessandria heraus. Es gab ein Hin und Her, es wurden hohe Bussen angedroht, und schlussendlich wollten die Carabinieri den Fahrausweis von Roberto einziehen. Wir hatten die ganze Zeit das Gefühl, dass die Uniformierten nicht ganz wussten, was sie nun machen wollten. Das Ganze zog sich mittlerweile eine halbe Stunde hin, und daheim wartete unser Vierbeiner auf uns. Roberto war nicht ganz die Ruhe selbst, aber er war sehr beherrscht – chapeau. Nachdem Roberto den Polizisten erstaunlich ruhig erklärte, sie könnten den Fahrausweis gerne behalten, nur müssten sie ihm erklären, wie er – da er diesen Ausweis zur Umschreibung ja benötigte – diesen dann der UPA vorlegen sollte. Nach einem langen Gesicht des Carabinieri und einer noch längeren Diskussion mit seinem Kollegen in ihrem Wagen, kam er dann forschen Schrittes auf unser Auto zu, und erklärte Roberto, er solle die Angelegenheit nun in Ordnung bringen, händigte ihm den Ausweis mit der Ermahnung aus, dass ab sofort ich das Lenkrad übernehmen solle. Und ich konnte es nicht lassen, und meinte zu Roberto: “Ich darf von Gesetzes wegen ja mit deinem Auto gar nicht fahren. Frag ihn mal, wie wir das jetzt lösen sollen.” Ein kurzes und gezischtes “Hör auf” liess mich vermuten, dass wir uns einfach nur davon machen sollten. Gesagt, getan. 

 

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Frühlingstaumel

In den vergangenen Tagen verwöhnt uns die Natur mit Frühling pur. Blühende Bäume, Sträucher, ja ganze Wälder befinden sich im Blütenkleid. Ich weiss manchmal gar nicht, wohin zuerst schauen. Die am Text anschliessende Bilderauswahl vermag die Wirklichkeit kaum zu wiederspiegeln, es ist einfach nur prächtig. Meine Wanderungen mit Tirass führen mich im Moment über Hügel und Kuppen, von einem Dorf zum andern. Das geht aber nur, wenn man einen lieben Chauffeur zur Hand hat, welcher uns an einem gewünschten Ort absetzt, und dann wieder an irgend einer anderen Stelle wieder abholt. So starteten Tirass und ich vor zwei Tagen im schönen Fontanile, um dann drei Stunden später in Alice bel colle von Roberto wieder abgeholt zu werden. Es ist eine etwas abgewandelte Variante einer meiner Träume. Seit Jahren hege ich den Gedanken, für einige Zeit auf Wanderung zu gehen. Nicht ziel- und kopflos, sondern gut vorbereitet, damit das Wandererlebnis im Vordergrund stehen kann, und nicht von der Herbergensuche überschattet wird. Es soll aber auch kein Pilgerweg sein, sondern ganz einfach eine tolle Wanderroute, welche im späten Herbst und anfangs Frühjahr bewältigt werden kann. Denn zu Beginn der Saison in unserem schmucken B&B müssen wir wieder zurück sein.  Mal sehen. Und wenn nicht, dann ist das auch kein Unglück, wir erleben auch hier viele tolle Wanderstunden.

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Lorzenzos Schulter

Lorenzo ist bei einem Sturz in einem seiner Rebberge auf die Schulter gefallen. Und zwar genau auf jene, welche ihm sowieso mit der Arthrose Kummer bereitet. Und wie es hierzulande - wenn man eine "normale" Krankenversicherung hat - so ist, muss er lange auf einen Arzttermin warten. Ausser natürlich bei einem absoluten Notfall, oder wenn man bei einem Ereignis die Versicherungsstufe wechselt, und selber in die Tasche greift. Nun, Lorenzo wollte das nicht, und jedes Mal, wenn wir ihn sahen, klagte er über seine Schmerzen in der Schulter. Und da kam mir in den Sinn, dass ich in der Schweiz immer wieder von Leuten gehört habe, dass sie auf die Pferdesalbe schwören. Nun, eine Pferdefachfrau kannte ich, und so habe ich mich kurz über diese Pferdesalbe informiert. Sie soll ja anscheinend Wunder vollbringen. Da habe ich natürlich für Lorenzo und für uns gleich mit zwei Töpfe dieser wunderbaren Pferdesalbe bestellt.

Als wir unserem Nachbarn die Salbe übergaben, schaute er ziemlich ungläubig, ja fast ängstlich, auf die Dose, auf welcher natürlich ein Pferd abgebildet war, und in grossen Lettern "Pferdesalbe" prangte. Wir sahen, dass ihm das Ganze überhaupt nicht geheuer war. Doch Roberto beruhigte ihn und meinte, er brauche dieses Wunderding gerade selber. Lorenzo war nicht restlos überzeugt, und wir wissen nicht, ob er diese etwas streng riechende Salbe auch wirklich braucht. Wie auch immer, in den letzten Tagen schien es ihm besser zu gehen. Und wenn Roberto etwas geflunktert hatte, so holte ihn diese kleine Lüge kurzerhand ein. Seit einer grossen Wanderung mit unserem Tirass schmerzt Roberto das eine Knie. Nun, ich habe ja zwei Dosen dieser Wunder-Pferdesalbe bestellt, und so reibt Roberto sein Knie zwei Mal täglich ein. Ob es besser geworden ist? Schon, aber ob es wirklich die Pferdesalbe war, oder eventuell doch das Voltaren?

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Frühlingswandern mit Tiefgang

Schon vor ein paar Tagen sind wir auf Wanderung im Naturpark von Vinchio gewesen. Unser gemeinter Rundgang hätte rund 15 Km lang sein müssen, aber wir waren schon nach rund einer Stunde wieder am Ausgangspunkt zurück. Also haben wir uns entschlossen, nochmals einen anderen und weiteren Weg zu suchen. Also, wir hätten uns den ganzen Tag in diesem Naturpark aufhalten können, so viele verschiedene Wege gibt es. Von einem wunderschön sonnigen Höhenweg führte unsere Wanderung weit hinab auf den Talgrund, welcher uns mystischer nicht erscheinen konnte.  Und überall erzählten die blumigen Boten vom nahen Frühling. Ich habe einfach am Schluss einige Bilder belegt, damit ihr euch selber einen Eindruck machen könnt. Im Frühsommer und später muss es noch schöner sein. Erst im Nachhinein wurde uns bewusst, dass wir das "Tal des Todes" durchschritten haben. Der Name folgert aus der Geschichte, denn im Jahr 935 hatte Aleramo dort die Sarazenen besiegt und für immer vertrieben. Jedes erste Wochenende im Mai wird dieses Ereignis gefeiert, und zwar eine ganze Nacht lang. Nachfolgend ein Ausschnitt aus den Berichten, was in dieser Nacht alles passiert. Mal sehen, ob es uns gelingt, diese Nacht mitzuerleben:

Mittelalterliche Nacht der Geschmäcker und Traditionen zum Gedenken an den
Sieg über Sarazenen-Raubtiere, der 935 auf den Hügeln von Vinchio durch
Aleramo stattfand, ist die Stadt mobilisiert. Das historische Zentrum ist
mit Fackeln beleuchtet, und über zweihundert Figuranten reproduzieren einige
Epochen des mittelalterlichen Lebens und die auffallenden Phasen der Schlacht
zwischen den Aleramici und den Berber-Invasoren, die zu ihrer endgültigen
Vertreibung führten. Für eine Nacht füllen Waffen- und Bogenschützen, Pferde und Reiter, Jongleure
und Fahnenträger die Altstadt von Vinchio bis zum Morgengrauen mit einer
fast unwirklichen Atmosphäre. In den mittelalterlichen Läden und Tavernen
werden typische Gerichte der Region, Tajarin und Etappe ', Risotto mit
Spargel, Kutteln, Kichererbsen mit Rippchen, Agnolotti, Bruschetta, Vitello
Tonnato, Spargel frittata, Salzkrumen, Farinata, Saracen Cake verkostet ,
Friceu-Desserts und viele andere lokale Spezialitäten, begleitet von erlesenen
Weinen aus den Hügeln der Vinchies.

 

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Viel Arbeit für Stevo

Ihr wisst, Stevo ist unser guter Geist des Anwesens. Er weiss, wo was zu tun ist, aber er nimmt sich manchmal auch etwas zu viel vor. Vor allem hat er nicht nur uns, welche nach ihm rufen, sondern so die einen oder anderen "Stranieri" und Eingesessenen in Montabone, die ebenfalls auf seine gute Arbeit angewiesen sind. Kommt hinzu, dass bei uns immer wieder Unvorhergesehenes passiert, welche seine Aufmerksamkeit erfordert.  So würde es bis zur Ankunft unserer ersten Gäste ziemlich knapp, wenn er die ganze Fassade des Gästehauses restaurieren müsste. So hat er nun etwa die Hälfte geschafft, und uns gefällt es sehr gut. Ich habe wie gewohnt Bilder am Schluss beigefügt. In den nächste Tagen erstellt Stevo dann noch unseren Parkplatz für die Gäste neu. Bis anhin wucherte auf dem Platz das Unkraut ungehindert, ein Plattenbelag wird diesem nun Einhalt gebieten. Auch der unschöne "Maschendrahtzaun" wird einer kleinen Mauer Platz machen. Aber auch auf dieser wird wieder ein Zaun installiert, so, dass keine Tiere wie Wildschweine unser Terrain betreten können. Von wegen Tieren: kürzlich habe ich den Wassernapf von Tirass vor der Haustüre aufgehoben und mit Frischwasser aufgefüllt. Und als ich diesen wieder hinstellen wollte, sah ich, dass darunter eigentlich ein grosser Feuersalamander sass . . . Der Schrecken kam im Nachhinein. Wobei sie ja für uns nicht gefährlich und eigentlich ganz schöne Tiere sind. Aber so ganz daran gewöhnt habe ich mich noch nicht.

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Zwischenspiel

Wie im letzten Jahr, haben wir auch in diesem Jahr ein Fass mit Boden gefunden. Will heissen, dass wir einen baulichen Mangel gefunden haben, welcher sich aber gut beheben lässt. Einzig Stevo kommt dabei mit seinen normalen Arbeiten ziemlich in Verzug. Es ist so: schon des öftern haben wir ab und zu ein feines Düftchen vor unserem Haus festgestellt, dies aber dem Wetter oder dem Bauernhof im Tal zugeschrieben. Nun wurde aber dieses Düftchen immer penetranter, bis Stevo mal nachschaute. Konkret, er griff zur Schaufel und machte sich an die Arbeit. Was er antraf, war einer der Kammern unserer Kläranlage, welche zwar einen Zufluss aufwies, jedoch der Abfluss wesentlich höher lag und auch nicht angeschlossen war. Kurzum das Ganze Wasser lief seit zig Jahren in das Erdreich. Nun wollten wir aber der ganzen Geschichte auf den Grund gehen, und bestellten eine Kanalreinigungsfirma mit Kanalfernsehen. Ihr wisst, die italienische Variante von Lüpold aus Möriken. Inner kurzer Zeit fand man den Standort der ersten Kammer, und was wir da zu Gesicht bekamen, liess uns die Haare zu Berge steigen. Ein Zufluss ja, aber die Abflussrohre fehlten komplett. Der Clou war natürlich noch, dass sich das Ganze rund 1,5 Meter unter der Erdoberfläche und so halb unter dem Autounterstand befand. Da waren vorgängig viel Grabarbeiten notwendig. Die Kammer wurde ordentlich gespült, und durch das Erdreich ein Tunnel gebohrt, um die Rohre fachgerecht verlegen zu können. Nach rund einer Woche ist nun alles in Ordnung, und Stevo konnte sich wieder der Fassade widmen. Vorher jedoch half er noch rasch, unserem Nachbarn Angelo einen Baum zu fällen. Der hatte ihn durch das Tor erspäht, und packte die Gelegenheit beim Schopf, um ihn um Hilfe zu bitten. Und zusammen mit Roberto war die Arbeit dann schnell getan. Ach ja, zur Sicherheit haben wir noch die Abflüsse des Gästehauses überprüfen und spülen lassen, da ist alles im grünen Bereich. Ich lege euch noch ein paar Bilder bei. Und in den nächsten Tagen folgt dann das Ergebnis der Fassadenrestauration.

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Es kommt gut.

Fontanile
Fontanile

Nachdem es letzte Woche wiederum geschneit hatte, und die Schneeschuhe täglich im Einsatz waren, verwöhnt uns seit gestern das Wetter wieder mit Sonnenschein und den Tag hindurch mit schon fast frühlingshaften Temperaturen - wenn da dieses kühle Windchen nicht wäre. Der Schnee weicht auf den Rebwegen nun dem Match. Die Schneeschuhe weichen den hohen Stiefeln. So bewegen wir uns im Moment vorwiegend auf asphaltierten Strässchen, und so habe ich gestern einen neuen Rundweg mit toller Aussicht entdeckt, und zwar in Fontanile.

Unser sonnige Lage und die dadurch angenehmen Temperaturen machen es Stevo und seinem Mitarbeiter leichter an der Fassade zu arbeiten. Im Moment klopft und hämmert es an unserem Gästehaus herum, und wenn man sich ein erstes Bild macht, könnte man fast meinen, wir hätten den Abbruch beschlossen. Aber in kurzer Zeit wird die Fassade so aussehen, wie wir uns das vorstellen. Letztes Jahr hat ja Stevo ein "Schaustück" für uns gemacht.Aber ihr geht sicher mit mir einige, dass es wiederum grosse Vortellungskraft braucht, um an das gute Ende zu glauben.

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Ein Zughund und ein Auto in Schieflage

Der Winter ist nun auch bei uns angekommen. War der Schnee in den letzten zwei Jahren - jaja, wir sind nun schon im dritten Jahr hier - am nächsten Tag schon fast wieder weg, bleibt er dank den tiefen Temperaturen liegen. Klar, an den Sonnenhängen schwindet er schon etwas, aber im Grossen und Ganzen haben wir immer noch Winterwunderland. Am vergangenen Mittwoch legte sich innert weniger Stunden ein 20cm weisser Teppich über das Piemont - und die Strassen. Wohlgemerkt, wir selber befinden uns nur auf 280 Meter über Meer. Mir war so Anfang Nachmittag das sich anbahnende Verkehrschaos völlig egal. Vergnügt schritt ich mit Tirass die zugeschneite Strasse hinauf, mit einem Davoser-Schlitten mit extra breiten Kufen; ein Geschenk meiner Schwester. Tirass zog den Schlitten mühelos den Berg hinauf, obwohl er anfänglich schon etwas schief das Gefährt hinter ihm beäugte. Die Abfahrt war dann für mich schon etwas arg schnell, wie gesagt, die breiten Kufen . . . . Für meinen Hund eine ungewohnte Sache, und er wollte mich partout vom Schlitten runterhaben. Nach einigem Zureden, vielen "Gudis" und etwas gemütlicherer Fahrt, kamen wir wohlbehalten daheim wieder an.

Zu diesem Zeitpunkt machte ich mir noch keine Sorgen um Roberto, der war in Alessandria bei seinem Vater im Spital. Nichts schlimmes, nur ein Eingriff, welcher regelmässig durchgeführt werden muss. Es war drei Uhr am Nachmittag, als ich von ihm hörte: "I starte öppe am viertel ab". Je später es wurde, umso mehr "Spatzig" baute ich in die Fahrt ein. Etwas später losgefahren, die schlechten Strassen, Stau . . . . Normalerweise dauert die Fahrt rund 30 Minuten. Um 18 Uhr machte ich mir doch ernsthafte Sorgen, und rief an. Was dann durch den Lautsprecher kam, möchte ich hier nicht wiedergeben. "Maledizione e Urlare" heisst Fluchen und Schreien. Und genau das hörte ich, bevor wieder aufgelegt wurde. Es war so: Roberto bog nach langer Fahrt in Eis und Schnee in unser schmales Strässchen ein, und prompt kam ihm ein Auto entgegen, welches - aus gutem Grund - nicht ausweichen wollte. Also setzte Roberto etwas zurück, und rutschte im tiefen Schnee die Böschung hinunter. Das war der Zeitpunkt meines Anrufes. Das Auto befand sich in arger Schräglage. Natürlich war "unser" Stevo rasch zur Stelle, schnappte sich bei mir die warme Winterjacke für Roberto und eilte ihm zu Hilfe. Doch auch er konnte nicht viel ausrichten. Der Landwirt etwas oberhalb des Geschehens hatte die Situation beobachtet. So startete er seinen Traktor - die Bauern haben hier im Winter meist einen Pflug vorgespannt - und kam zu Hilfe. Rasch wurde unser Auto aus der misslichen Lage befreit, ein Aufatmen auf allen Seiten. Und so kam es, dass wir am nächsten Tag ein "Dankeschön" vorbeibrachten und dann in gemütlicher Runde bei Piero und Angela bei Kaffee und Kuchen in ihrer grossen Küche sassen.

Ich füge noch einige Bilder von unserem Winter dazu, welcher übrigens in der kommenden Wochen nochmals ein paar Centimeter Schnee liefern will.

 

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Tirass

Unser Tirass: Stolz und ab und zu etwas stur - wir möchten ihn nicht anders haben.
Unser Tirass: Stolz und ab und zu etwas stur - wir möchten ihn nicht anders haben.

Seit Juli 2017 bereichert unser Grosser Schweizer Sennenhund "Tirass" unser Leben. Ja, in der gästefreien Zeit bestimmt er es sozusagen auch. Täglich bin ich mit ihm bis zu 10 km unterwegs, wir sind also ziemlich fit. Mit dem kleinen Unterschied, dass ich dann ganz gerne die Beine etwas hoch lagere, er aber bereits wieder mit dem Ball im Maul auf ein Spiel wartet. Aber da ich - meistens - sein Chef bin, bestimme ich, wann und wie gespielt wird. Wir üben natürlich auch das ganze Gehorsam-ABC mit dem Hundetrainer, und der ist meist zufrieden. Wer die Rasse kennt, weiss, dass unser Tirass ein gehöriger Sturschädel sein kann. Das tönt alles nach Idylle, aber vor rund einer Woche hat Tirass uns einen ganz gehörigen Schrecken eingejagt. Er hatte mitten in der Nacht einen epileptischen Anfall. Wer dies kennt, weiss, wie schlimm das ist. Noch eine geraume Zeit danach war er völlig orientierungslos, bellte alles und uns an, und musste im Haus zuerst alles neu beschnuppern. Natürlich war unser erster Gang am nächsten Morgen zum Tierarzt. Er bestätigte unsere Befürchtung. Und erst im Nachhinein wurde es uns klar, dass er bereits vor einem halben Jahr einen Anfall hatte, wir diesen aber einem Insektenstich zuordneten. Jetzt hoffen wir, dass die Abstände nicht kleiner werden. Denn dann können glaub ich Tirass, und wir auf jeden Fall, ganz gut damit leben. Vor allem aber braucht unser toller Hund so keine Medikamente.

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Gute Erfahrung

Und Schwupps, sind wir bereits im neuen Jahr gelandet. Es war einiges los an Weihnachten, und vor allem übers Neujahr. Der 24. und 25. Dezember war dem Vater von Roberto gewidmet. Sein Gesundheitszustand erlaubt es ihm leider nicht, auch nur für kurze Zeit zu uns hoch zu kommen, wir sind einfach nicht dafür eingerichtet. So haben wir Geburtstag am 24. und Weihnachten mit gemeinsamen Essen in der Altersresidenz gefeiert. Vom Essen her nicht gerade in Highlight, aber es wäre auch zuviel verlangt gewesen. Am 26. Dezember trudelte dann mein Sohn mit Freunden ein, kulinarisch gewannen wir  schnell wieder an Höhe, wir wurden in den Restaurants so richtig verwöhnt.

Ja, und dann war auch schon der 28. Dezember da, unsere Neujahrsgäste trafen ein, sieben Personen an der Zahl. Mir war etwas Bange, denn es war sozusagen eine Premiere, so tief im Winter die Casa für Gäste zu öffnen. Waren die Zimmer warm genug, wird es unseren Gästeb nicht langweilig - es hatten ja nicht alle Geschäfte geöffnet. Doch meine Sorge war unbegründet, es war wohlig warm, und Roberto konnte sogar zwei Weinreisen anbieten. Zudem gaben die Städte auch über diese Tage so einiges zum Schauen und Lädele. Die Silvesterfeier richteten wir auf Wunsch der Gäste bei uns aus, es war ein ruhiges und "verspieltes" Uebertreten ins neue Jahr. Im Gästebuch darf ich wieder zufriedene Einträge der Gäste vermerken. Fazit: Wir werden auch über den  Jahreswechsel 2019/2020 unsere Casa wieder öffnen. Seit Ende Dezember werden wir mit wunderbarem Wetter verwöhnt, die Sonnenaufgänge sind sensationell, und an den Sonnenuntergängen kann man sich kaum satt sehen. Ich lege ein Bild bei. Dazwischen nehmen wir es diese Woche noch etwas gemütlich, lange Spaziergänge mit dem Hund, und ein Mittagsschläfchen auf dem Liegestuhl an der Sonne. Ab nächster Woche gehen die Arbeiten am Gästehaus weiter, die Fassade wird restauriert. Wollten wir anfänglich nur die Rosenstöcke entfernen und die Originalmauer dahinter wieder sichtbar machen, haben wir uns nun entschieden, die ganze Fassade in ihren ursprünglichen Zustand zu bringen.

 

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"Terra" ist bezugsbereit

Es ist für uns schon fast ein wenig vorgezogene Weihnachten. Heute ist unser viertes Zimmer fixfertig geworden, es kann bezogen werden. Stevo hat wieder einmal gezeigt, was er kann. Und seine Idee, das uralte Treppenhaus endgültig mit einer Mauer zum Verschwinden zu bringen, war grandios. So hat auch dieses Zimmer einen speziellen Schrank bekommen. Aber seht doch einfach die Bilder an, da erübrigt sich jeder Kommentar. Halt, noch etwas ganz Wichtiges. Konnten wir in den letzten zwei Jahren nur 3 Doppelzimmer offiziell anbieten, so sind es nun deren vier. Wir freuen uns auf ein volles Haus im 2019 und wünschen frohe Festtage. Unsere werden mit Besuch von meinem Sohn und Freunden sicher fröhlich sein, und übers Neujahr sind wir ausgebucht. Diejenige, welche uns kennen, werden sich natürlich fragen, warum ich denn nur von einem Sohn schreibe. Nun keine Angst, da liegt kein Zerwürfnis vor, der jüngere ist für ein halbes Jahr zum Studium in Tokio, und geniesst ein paar Weihnachtstage in Thailand. So, und nun die Bilder.

 

 

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Wie die Zeit vergeht

Also, ihr müsst schon entschuldigen, dass ich so lange nichts mehr von mir hören liess. Am 26. November war es das letzte Mal. Inzwischen hat sich so das eine oder andere getan, inkl. unsere Ferien in der Schweiz. Aber der Reihe nach: Wir haben endlich unsere italienischen Autonummern inkl. Autos. Das hatte bei unseren Schweizferien den Vorteil, dass wir bei eventuell unkonventionellen Fahrmanövern sicherlich entschuldigt wurden. Das war aber nach drei Tagen schon vorbei. Denn, welcher Italiener trägt schon auf seiner Heckklappe die Aufschrift: "Ihre Auszeit im Piemont www casafossello.it". Wie auch im letzten Jahr wurden wir vom Wetter nicht gerade verwöhnt, ganz anders von unseren Gastgebern. Wir haben uns so richtig wohl in Rupperswil gefühlt. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön.

Am vergangenen Sonntag war es für uns wieder Zeit, den Heimweg anzutreten. War unser Tirass zu Beginn der Reise noch ganz fidel, so lugte uns bei der Ankunft in Montabone ein Häufchen Elend entgegen. "Roberto, mit dem Hund stimmt was nicht, wir müssen zum Tierarzt", war meine Feststellung - und dies an einem Sonntag. Doch der Arzt von Tirass beorderte uns subito nach Acqui Terme. Fazit: 41 Grad Fieber und einen kranken Magen. Unser Vierpfoter hatte sich eine veritable Erkältung zugezogen.  Das kommt davon, wenn Hund Schnee frisst und aus einem eiskalten Weiher trotz einem strengen "No" Wasser trinkt. Nun, er ist wieder ganz der Alte, verjagt die fremden Katzen, geniesst die langen Spaziergänge und übt mit mir den Gehorsam, wenn es den unbedingt sein muss.

Und die Renovation? Ja, die wurde heute durch Stevo abgeschlossen. Morgen kommt noch seine Frau Diana vorbei, um dem Ganzen den nötigen Glanz zu verleihen. Dann heisst es um- und einräumen sowie die neuen Vorhänge anzubringen. Spätestens übermorgen zeige ich euch die ganze Herrlichkeit.

Am 8. Januar, wenn Stevo mit Familie aus den Ferien retour ist, geht es dann weiter mit den Winterarbeiten.

 

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Wieder viel Schutt und Staub

Einige von euch wissen, das wir noch ein viertes Zimmer haben. Da dieses einerseits noch nicht beim Tourismusamt in Asti gemeldet ist, und andererseits recht renovationsbedürftig war, haben wir dieses nur selten vermietet. Und wenn, immer mit dem Hinweis auf den Zustand des Zimmers. Vor zwei Wochen ist Stevo mit Presslufthammer und anderem Gerät angerückt, um aus dem Zimmer ein Juwel zu machen. Doch bevor dies Wirklichkeit wird, muss wie gewohnt sehr viel Schutt weggeräumt werden. Warum der Verputz überall so arg aufplatzte, und es für mein Empfinden immer etwas eigentümlich roch - Roberto konnte zwar nie etwas Unpassendes riechen - wurde beim Entfernen der Holzvertäfelung ersichtlich. Wie erwartet war alles relativ feucht, die Holzleisten innen völlig grau. Kam hinzu, dass dieser Raum vor über 200 Jahren wohl die Küche gewesen sein musste, der Kamin für den Herd wurde nie richtig zugemauert. So konnte immer etwas Feuchtigkeit eindringen.

Nun sind die Lecks geschlossen, morgen wird wieder einmal sandgestrahlt, bevor dann Stevo mit der Feinarbeit beginnen wird. So wird dieses Zimmer ebenfalls mit dem Originalmauerwerk aufwarten, und so das eine oder andere "Caché" haben. In zwei Wochen muss Stevo fertig sein, damit noch Zeit für die Einrichtung bleibt. Denn, wir haben über Silvester unsere Casa voll ausgebucht. Wir versuchen, wie es so läuft, und wenn es den Gästen gefällt, werden wir wohl diese Feiertage in unser Angebot aufnehmen.

Doch jetzt erst einmal ein paar Bilder des Zimmers.

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Finster wars

Wir hatten in den letzten Tagen ein Hin und Her mit unseren Autos. Irgend eines war immer in der Garage. Ob für die Winterpneus, welche wir hier ja ab dem 15. November zwingend montiert haben müssen, oder für die Reperatur der Sturmschäden. Der eine fährt, ohne dass man den Schlüssel betätigen muss, der andere braucht den Schlüsseldreh. Ende letzte Woche kam es dann, dass auch der sturmgeschädigte Wagen fertig war. So fuhren wir zu zweit vom Carossier los, und ich sah, dass ich sozusagen keinen Sprit mehr im Tank hatte. Beim Einbiegen in den "Schleichweg" nach Montabone hielt ich an, um Roberto davon in Kenntnis zu setzen. Der hielt hinter mir, und meinte: "Fahr du nach Hause, ich gehe rasch tanken, aber lass mir den Autoschlüssel da". "Der ist in meiner Handtasche, ich brauche sie nicht (die Handtasche", war meine Antwort. Roberto fuhr los, ich stieg ins hintere Auto rein, und ihr könnt euch denken was ich sah, respektive eben nicht erblickte: Den Autoschlüssel. Roberte hatte in kurzerhand abgezogen und eingesteckt. Da sass ich nun im Stockfinstern. In der Handtasche lag nicht nur der Autoschlüssel, sondern auch die Handys fuhren mit Roberto zur Tankstelle.

Vor meinem inneren Auge sah ich, wie Roberto tankte, gemütlich nach Montabone hoch fuhr, und eventuell etwas erstaunt darüber war, dass ich noch nicht da sei. "Der merkt doch nicht, dass er den Autoschlüssel in der Tasche hat", sinnierte ich - natürlich immer noch im Dunkeln.

Ein paar hundert Meter weiter unten wusste ich von einem Haus, also machte ich mich auf in Richtung dieser Casa. Die vorbeifahrenden Autos reagierten nicht auf meine Haltezeichen, sondern rauschten  im Regen an mir vorbei. Ob ich bei dieser Finsternis wegen einer sehr dunkel gekleideten Person angehalten hätte? Endlich kam das Haus in Sicht - auch dort herrschte Finsternis. Aber da kommt ja ein Wagen den Berg hinunter. Jetzt nahm ich mir ein Herz, und stellte mich auf die Strasse. Eine etwas unsicher scheinende Dame liess die Scheibe runter, und ich erzählte ihr von meiner Situation. Rasch war ihr Handy zur Stelle, und ich konnte endlich Roberto erreichen. "Wo bisch du?", war seine Begrüssung. "Ja, wo ächt, uf em Wäg zum ne Telefon, du hesch der Outoschlüssel", war meine nicht gerade freundliche Antwort. Er stand schon längst wieder beim stehen gelassenen Auto, denn mein Roberto war kaum bei der Tankstelle, als er den Autoschlüssel in seiner Tasche bemerkt. Flugs liess er nur wenige Liter Moscht ins Auto, um so rasch wie möglich zurückzufahren. Aber da war ich ja schon weg. Mit etwas Verspätung kamen wir dann daheim an, gerade recht, um - mit nur einem Auto - mit meinem Sohn etwas Feines essen zu gehen. Natürlich musste ich mir noch anhören, dass man sich in solchen Fällen nicht vom Objekt entfernt. Aber mal ehrlich, das hätte unter Umständen Stunden dauern können . . . .

Jetzt sind wir für ein paar Wochen wieder nur mit einem Auto unterwegs, da bleiben wir höchstens gemeinsam im Finstern stehen. Der zweite mit dem AG-Schild ist in die Heimat zurückgekehrt.

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Angelo und Lorenzo

Ich habe euch schon so Einiges über unsere Nachbarn erzählt. Angelo, der Hüter der Ruine gleich nebenan, Lorenzo, welcher tagsüber da ist, und zu seinen Rebbergen und Haselnusshainen schaut. Beide sind hier oben aufgewachsen und kennen sich wohl in- und auswendig. Sie sind nicht gerade dicke Freunde, und beide beschweren sich ab und zu bei uns über den anderen. Man könnte meinen, sie kämen so gar nicht miteinander aus. So war nach dem grossen Sturm Lorenzo sehr aufgebracht darüber, dass Angelo nicht schon längst den schräg wachsenden Baum oberhalb der Strasse fällen liess. Der Baum hing wirklich sehr schief über der Strasse, und wenn ein nächster Sturm diesen Baum fällte, wäre Montabone und wir hier ohne Strom, Lorenzo ohne Garage und auch sein Haus würde in Mitleidenschaft gezogen. "Dieser Sturkopf", schimpfte Lorenzo, "der wartet, bis es zu spät ist. Nur, weil ihn jedes Bäumchen das er fällt, an seine Jugendzeit erinnert." Nun, diese Zeit ist längst vorbei, und die Bäume schiessen in den Himmel - und manchmal ziemlich schief. Und Angelo?

Der meinte völlig ruhig: "Der Baum wird nicht fallen, der ist schon so viele Jahre schief". Nun, wir, welche noch nicht lange hier sind, meinen, dass die Schieflage doch ziemlich ungemütlich sei. Erst die Intervention der Gemeinde brachte Angelo zu Einsicht, und den ganzen Tag über war die Feuerwehr damit beschäftigt, den Baum zu fällen. Wenn sich die zwei Streithähne am Morgen noch gehörig die Meinung sagten, so waren sie am Nachmittag wie ein Herz und eine Seele dabei, den zersägten Baum beiseite zu schieben, und Ordnung zu schaffen. Hier geht vieles nur gemeinsam, und man schaut in solchen Situationen über die "Schattenseiten" des anderen hinweg.

 

Wir bevorzugen beim Bruder von Angelo - Beppo - die etwas andere Variante, als den Gang zur Gemeinde. Stevo schneidet die Bäume, welche die Stromleitung zu unserem Haus bedrohen, selber. Beppo kann dann das Holz abholen.

 

Ach ja, ich habe ja euch von den Sturmschäden berichtet. Die haben sich heute etwas schwerer als gemeint gezeigt. Unser Dach wurde ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen, es klafften grosse Löcher darin. Es ist bereits wieder eingedeckt - Stevo sei Dank. Zum Abschluss noch einige Bilder.

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Durchgerüttelt

Es hat uns in den vergangenen Stunden ganz schön durchgerüttelt und auch ziemlich durchnässt. Und doch hatten wir grosses Glück. Das begann schon damit, dass sich Stevo keine Minute  zu früh von uns verabschiedetet und das Gelände verliess. Kaum abgefahren hoben die Windböen unsere Balkonüberdeckung, welche aus Glas bestand, einfach ab. Wo vor Kurzem noch Stevo und Roberto standen, war nun ein Meer von Scheibenteilen. Weit herum wurden die Glasteile geschleudert, wir  waren zum Glück bereits im Haus. Natürlich ahnten wir nichts Gutes ob dem ganzen Geschepper, aber wir hüteten uns, das Haus zu verlassen. Das Ausmass zeigte sich dann heute Morgen nach einer schlaflosen Nacht. Die einzigen, welche zufrieden in ihren Schlaflager ruhten, respektive laut schnarchten, waren unsere Vierbeiner. Lauter Glasscherben vor dem Haus, für unseren Hund hiess es: entweder knapp der Hausmauer entlang nach draussen gehen, oder dann im Haus bleiben.  Von den fünf Sonnenschirmen und ihren schweren Eisenfüssen fehlte jede Spur, wir fanden sie ennet der Mauer. Einige hatten einen recht langen Flug hinter sich. Ein Balkonglas bohrte sich richtiggehend in das Heckfenster unseres Autos, so dass die ganze Heckscheibe aus tausenden von Scherben bestand. Zum Glück hielt das montierte Bild auf der Scheibe die Scherben zusammen, morgen überlassen wir das Entfernen dem Glaser. Doch einige Gläser schleiften über das ganze Auto, so dass wir nun zuerst den Wagen in die Carrozzeria bringen müssen.

Das tönt zwar alles recht arg, aber niemand ist zu Schaden gekommen, die Antworten der Versicherungen war beruhigend: "Schicken Sie uns Bilder und Rechnung, wir erledigen das".  Ja, und auf den ganzen Schrecken folgte dann ein wunderbarer Tag, welcher uns wieder mit dem Piemont versöhnte. Nun hoffen wir, dass die recht reichlich vorausgesagten Regenmengen an uns vorbeiziehen werden.

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"Sidefin"

Ich habe mich immer etwas "schiniert", wenn unsere Gäste die Regione Fossello hochgefahren sind, sie war doch recht holperig. Ja, das eine Schlagloch war schlichtweg gefährlich. Die übelsten Stellen hat Stevo etwas entschärft, aber das hielt nicht allzu lange. Und eines Tages, als wir runterfahren wollten, war die Strasse gesperrt infolge Bauarbeiten. "Lorenzo, die machen die Strasse neu, das ist aber eine Freude", jubelte ich bei unserem Nachbarn. "Ach weisst du, es stehen die Wahlen an", meinte er beruhigend. Wobei, dass nach so vielen Jahren die Strasse einen neuen Teerbelag bekommt, erstaunte auch ihn trotz Wahlen ein wenig. Ich sage euch, beim Einbiegen in die Regione Fossello geht es nun "sidefin" die Kurven hoch - bis der alte Belag wieder beginnt. Aber egal, die gröbsten Löcher sind weg. Wir freuen uns riesig, dass unsere Gäste nun fast lautlos über den neuen  Belag in Richtung unserer Casa Fosselo gleiten können.

Und sonst? Da lassen wir unsere Gäste auf der Wanderung rund um Strevi schrumpfen, und da ist noch dieser wunderbare Herbst. Aber schaut selber auf den Bildern.

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Etwas unglücklich geparkt

Die ist wohl der letzte Eintrag in diesem Jahr, welchen ich ohne grosse Winterausrüstung draussen verfassen kann. Wie in der Schweiz, ist auch hier noch einmal der Sommer zurückgekehrt. Vor wenigen Tagen hat unser Weinbauer Maurizio seine letzte Ernte eingefahren - mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Alle sind hoch zufrieden mit dem Jahrgang. Lange konnte beispielsweise der Barbera seine letzte Reife bekommen, kühle Nächte und trockene, warme Tage waren ideal dazu. Doch das hat ja eigentlich nichts mit meinem Problem, dem Parken, zu tun. Meistens, wenn ich etwas in Eile bin, passiert etwas so blödes, dass ich die vermeintlich eingesparte Zeit um ein Vielfaches verloren habe. Ob es der Mixer ist, welchen ich nur noch schnell hinter der Kaffeemaschine hervorholen möchte, und dies dann gleich mit dem vollen Wasserbehälter der Kaffeemaschine tue, oder halt etwas gar schnell am Rand des Waldweges parken möchte.

Eigentlich wollte ich ja nur mit unserem Tirass oberhalb  von Montabone vor dem anstehenden Tageswerk eine ausgiebige Runde drehen. Aus Rücksicht auf die Weinbauern, welche das von mir ausgewählte Weglein ab und zu befahren, wollte ich unser Auto ganz am Rande parken. Nun, es war so nahe am Rande, dass urplötzlich nichts mehr ging, ich sozusagen in der Luft hing. Ich war auf einem Erdhügel aufgefahren, das eine hintere Rad hing in der Luft. Was tun? Natürlich Stevo und Roberto anrufen, und selber mit dem Hund den geplanten  Spaziergang machen. Jedoch nicht in gedachter Richtung, sondern bergab zu unserem Daheim. Denn dort waren die Gäste im Begriff, ihre Koffer zu packen, um abzureisen. Roberto also hoch mit Stevo zu unserem "aufgebockten" Wagen, und ich in Windeseile hinunter zu unseren Gästen. Ich hatte Glück im Unglück, dem Auto ist nichts passiert, und die Gäste waren noch weit davon entfernt, reisefertig zu sein.

Jetzt schreibt sich das ganze so einfach, aber mittendrin im Geschehen war ich schon zemlich ausser mir. Es wäre für uns persönlich ja nicht so schlimm gewesen, wenn das Auto grösseren Schaden genommen hätte, da wir ja im Oktober resp. im November ein neues sowie ein gebrauchtes Auto bekommen. Aber in der Schweiz wartet mein Sohn auf dieses Auto, da sein altes den Geist aufgegeben hat.

Nicht, dass uns der Franzose nicht mehr gefällt, aber es ist für uns einfach zu umständlich zu einer italienischen Nummer zu kommen. Deshalb unser Umdenken.

 

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Wo ist der Brasato?

Wie ihr wisst, bieten wir seit dieser Saison den Gästen am Ankunftstag das Nachtessen an. Obwohl wir ja als B&B dies nicht dürften. Natürlich haben dann auch die bereits anwesenden Gäste die Wahl, wieder bei uns zu essen. Da kommt dann öfters eine schöne Tavolata zusammen. Diese Art zu speisen soll ja im Kommen sein.

Es war vor ein paar Tagen, als wir für sechs Gäste das Nachtessen kochen durften, auf dem Menüplan stand ein reichhaltiges Vorspeisenbuffet, Pasta mit Tomatensalsa, Brasato mit Rosmarinkarotten. Als Dessert wurde ein Honigparfait mit Zwetschensauce gereicht. Roberto marinierte den Brasato mit Gemüse und Wein einen Tag im Voraus, und widmete ihm während der Kochzeit seine gesamte Aufmerksamkeit. Ich indessen war anderweitig beschäftigt, und als mir Roberto beschied: "Ich gange jetzt zum Vater uf Acqui Terme", war ich mit keinem Gedanken beim Brasato. Dieser war nämlich in der Zwischenzeit zart gekocht, und Roberto legt ihn in der Küche in eine Tiefe Schüssel zum Auskühlen. Denn, etwas abgekaltet lässt sich der Brasato viel besser schneiden.

Ich war kurz vor dem Nachtessen gerade beim Decken des Tisches für die Gäste, als Roberto um die Ecke bog und fragte: "Wo hesch der Brasato häre ta?". Ich hatte gar nichts irgendwohin getan, und den Brasato hatte ich überhaupt nie gesehen - nur das leere Gefäss. Es geschahen gleich darauf zwei Dinge: wir schauten unseren Tirass an, welcher zufrieden auf dem Rücken in den Abend hinein schlummerte, gleichzeitig wurde uns klar, dass unser Hauptgang bereits vertilgt war. Roberto, eigentlich ein gemütlicher Zeitgenosse, geriet nun schon etwas aus der Fassung. Aber es obsiegte die Einsicht, das Schimpfen das zarte Stück Brasato nicht wieder zum Vorschein brachte, und wir nach einer Lösung suchen mussten. Der Krux bei der Sache war, dass unsere Gäste bereits wussen, dass ein Brasato auf der Speisefolge stand. Glücklicherweise haben wir den einen und anderen guten Draht zu den Restaurantbesitzer in Acqui Terme. Und so half uns Giorgio vom "Nuovo Ciarlocco" mit einem grossen Stück Brasato aus der Patsche, und die Gäste mussten auf nichts verzichten. Natürlich erzählten wir vom Missgeschick, denn mit fremden Federn möchten wir uns nicht schmücken.

Wir haben unseren Tirass eigentlich schon so weit, dass er nichts mehr aus der Küche klaut. Jedoch, wenn er merkt, dass wir beide total abgelenkt sind, und mit keinem Gedanken an die Dinge in der Küche denken, schlägt er zu.

Wir sind am Lernen, unsere Sinne für die Verführungen von Tirass zu stärken. Denn, wenn wir extra unserem Hund etwas Tolles hinstellen, damit er es nimmt, und wir ihn dann ob dem Geschepper, dem Zuschnappen der Falle, dem stinkenden Zitronenlumpen etc. vom Tun hindern wollen, ignoriert er diese Verführungen über Stunden. Ergo müssen wir alles, was ihn gelüsten könnte, nicht mir stehen lassen. Andere Vorschläge?

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Pläne

Kaum ist Stevo von seinen Ferien retour, ist er mit uns schon die Planung angegangen, was denn über Winter alles erledigt werden sollte. Und da wir uns etwas viel vorgenommen haben, schliessen wir unser B&B bereits im November. Was wir alles machen? Also, die Einfahrt ab Strasse bis zu unserem Tor wird mit Steinen ausgelegt. So sieht das Ganze zum einen einladender aus, zum andern entfällt die lästige Jäterei. Letztes Jahr, als alles knochentrocken war, hielt sich auch das Unkraut in Grenzen, doch dieses Jahr wuchs es uns fast über den Kopf. Schliesslich werden wir auch nicht jünger - wie fühlen uns nur so. Nach einem Tag Unkraut jäten tut dann der Rücken schon ordeli weh. Man könnte natürlich auch mit giftigem Zeugs dem Unkraut Herr werden, aber "verbrannte Erde" sieht scheusslich aus. Unser Nachbar hat diesen Frühling ein ganzes Feld mit wohl sehr starkem Unkrautvertilger behandelt. Man durfte während Wochen das Gebiet nicht betreten, und nun sieht man den schwarzen Schandfleck von weit her. Was er damit bezweckt hat, ist uns schleierhaft. Aber ich schweife ab, wir sind ja am Renovieren. Im Gästehaus wird das kleine, inoffizielle Zimmer endlich renoviert. Auf dieses freue ich mich am meisten. Und eigentlich wollten wir schon letztes Jahr den unteren Teil der Fassade beim Gästehaus neu gestalten. Die Rosenbeete müssen leider weichen, damit die Mauer trocken wird, und Stevo wird dann auf der ganzen Länge die ursprüngliche Mauer wieder hervorholen. Ihr seht es ist "un sacco di lavoro", welche da auf uns zukommt. Und da wir eventuell über Silvester das Haus voll haben, muss vor allem das Zimmer fixfertig sein. Daher schliessen wir wie eingangs erwähnt bereits im November.

Doch, noch ist es nicht soweit, der Sommer kommt nochmals mit voller Kraft retour mit Temperaturen weit über die 30 Grad. Und wir dürfen uns über eine tolle Buchungslage freuen.

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Staubige Füsse

Ich hab es sicherlich schon erwähnt, dass unser Hund bei Temperaturen um und über 30 Grad den Tag lieber am Schatten verschläft, und nur etwas ganz Spannendes ihn in Bewegung setzen kann. Daher beschränken sich unsere Spaziergänge auf den frühen Morgen und späteren Abend. Vor kurzem habe ich einen schönen Rundgang über die Hügel von Acqui Terme und Strevi entdeckt. Schön ausgeschildert, jedoch ohne Angabe der Länge. Und da ich unseren Vierbeiner nicht über Gebühr bei hohen Temperaturen anstrengen wollte, gab es die Wanderung in zwei Etappen. Sie ist rund 8 km lang und ist aus meiner Sicht aus gesehen einfach traumhaft. Ich wage mir kaum vorzustellen wie es ist, wenn im Herbst klare Sicht herrscht, und sich der Alpenkranz zeigt.  Ob ich da vor lauter Ah und Oh noch vorwärts käme? Für unsere Gäste, welche gerne wandern, ein Muss. Heute wie gestern standen überall die Traktoren mit ihren Anhängern bereit, um die Reben aus der Lese aufzunehmen. Die Moscatotraube war reif. Ich könnte euch noch so vieles erzählen, aber schaut doch einfach die Bilder an, sie sprechen für sich. Was das alles mit staubigen Füssen zu tun hat? Ganz einfach. Jedes Mal, wenn ich auch von nur kurzen Ausflügen mit unserem Hund retour komme, muss ich mir die Füsse waschen, der Staub von den trockenen Wegen dringt überall rein. Selbst wenn ich den kurzen Weg bei uns zum Feigenbaum gehe - der trägt im Moment supersüsse Früchte  - ist danach ein Fussbad fällig. So, aber jetzt die Bilder.

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Etwas viel Geschirr

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Kurz vor der Lese

Schon bald werden die ersten Traubensorten gelesen, im Moment herrscht sozusagen Ruhe vor dem Sturm in den Rebbergen. Wobei Sturm für das Gewusel und das fröhliche Rufen und Geplauder nicht der richtige Ausdruck ist. Das Grün der Rebstöcke wird durch Rot, Blau, Türkis, Gelb und vielen Farben mehr der Hemden und Shirts belebt - für mich ein schöner Anblick. Unser Nachbar Lorenzo ist nicht unzufrieden mit dem Jahrgang, er vermutet aber, dass letzte Jahr besser gewesen sei.

Stürme, die hatten wir in letzter Zeit häufig. Kaum ein Gewitter zog vorbei, ohne dass es von veritablen Regen- und Windstürmen begleitet wurde. Nun scheint etwas Ruhe einzukehren, und die Wetteraussichten sind weiterin sonnig und sommerlich warm. Auch gut für den Wein.

Auch Ferragosto haben wir "heil" überstanden. Wir wissen ja mittlerweile, dass kaum jemand erreichbar ist während dieser Zeit. Und war ich letztes Jahr einfach nur gespannt, als die Jäger regelmässig auf Wildschweinepirsch gingen, begrüssten wir die Jäger dieses Jahr mit Freude. Denn es ist wirklich nicht gemütlich, wenn man fast täglich auf Wildschweine trifft. Zum Glück zeigt mir Tirass jedes Mal an, dass da etwas ist, aber geheuer ist es mir nie. Ich habe auf  meinen früheren Wanderungen kaum so viel gesungen und gepfifen, wie diesen Frühling und Sommer. So hört mich das Wild wenigstens kommen.

Und unsere Gäste? Da ist Jubel angesagt, wir können bis jetzt auf eine tolle Saison zurückblicken, und auch der Herbst bringt uns viele Besucher.

 

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Wieder da

Endlich kann ich wieder in die Tasten greifen, der neue Laptop ist installiert. Klar hätte ich auch über das Natel einen Blogeintrag schreiben können, aber das lange Eintippen auf diesen kleinen Tastaturen ist nicht so mein Ding. Und da unser IT-Mann zuerst versucht hat, unserem alten Ding wieder Leben einzuhauchen, dauerte es halt seine Zeit, bis auch er meinte, ein neuer wäre gar nicht schlecht. Und jetzt switchen wir zwischen Italienisch und Deutsch auf unserem neuen hp. Vor allem wird es spannend, wenn wir die an sich italienische Tastatur auf Deutsch umschalten. ä, ö und ü sucht man vergebens, das @ findet sich auch nicht so leicht, und y und z sind gerade vertauscht. Jetzt zieren halt unsere Tastatur so das eine oder andere Kläberli, was den hinter den Tasten wirklich steckt.

Ich muss euch sicherlich nichts über die herrschende Hitze erzählen, dieses Jahr ist es aber hier mit der Feuchtigkeit zusammen etwas schwieriger zu ertragen. Unsere zwei Vierpfoter verkriechen sich tagsüber. Tirass wird in den frühen Morgenstunden ausgiebig ausgeführt, dazwischen etwas Unterhaltung im kühlen Haus, und dann erst beim Eindunkeln ist es für ihn draussen wieder erträglich. Aber der Spaziergang am frühen Morgen ist jeweils wunderbar, die tollen Sonnenaufgänge verzaubern mich immer wieder. Nicht so zauberhaft finde ich zwischendurch das Geraschel im nahen Gebüsch. Vor allem dann, wenn unvermittelt daraus ein stattliches Wildschwein auftaucht.

Zu unserer Freude sind wir auch jetzt gut gebucht, unsere Gäste geniessen jeweils die warmen Abende bis tief in die Nacht hinein bei Kerzenschein bei uns. Ich lege ein Bild bei zum etwas gluschtig machen, und verspreche, die neue Tastatur nun wieder regelmässig für die Blogeinträge zu nutzen.

 

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Die Gedanken in Lenzburg

Kurzentschlossen haben wir unsere gästefreien Tage für einen kurzen Wanderurlaub in Crans-Montana genutzt. Schön war's, wir genossen die kühlen Nächte und die anngenehme Wandertemperatur. Erholt und voller Freude für die Ankunft unserer Gäste sind wir nun wieder hier - jedoch, meine Gedanken schweifen immer wieder ab zum Geschehen in Lenzburg. Was über viele Jahre hinweg ein fester Bestandteil in meinem beruflichen wie privaten Leben war, ist heute nun weit entfernt.  Da werden in der Fremde viele tolle Erinnerungen wach. Meinem Sohn, welchem ich  mit Stolz und auch feuchten Augen applaudierte, wie er als Jungtambour am Zapfenstreich auftrat. Die Umzüge, die fröhlichen Menschen, das Gefühl der Zusammengehörigkeit, das Feuerwerk und der einzigartige Umzug mit den Laternen. Am letzten Manöver vor zwei Jahren wusste ich ja schon von unserem Umzug ins Piemont, aber machte mir natürlich noch keine Gedanken übers nächste Manöver. Aber da wir das Haus voller Gäste haben, ist an ein Dabeisein nicht zu denken. Doch die Bilder werde ich mir anschauen, und die Erinnerungen mit einem wehmütigen "Honululu" begrüssen.  Und in zwei Jahren? Ich werde planen und mir die Zeit frei halten. Allen Lenzburgern, welche diese Zeilen lesen, wünsche ich ein tolles Jugendfest mit farbenfrohem Manöver. HONOLULU!!!

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Temporale

Gestern war - zwar mit viel Wind - ein herrlicher Sommerabend. Wir genossen diesen, und waren gerade gemütlich beim z'Nacht, als Stevo eintraf. Wir waren der Meinung, alles sei fixfertig für den morgigen Tag vorbereitet. Das Betonieren des Fundamentes zur neuen Stützmauer war geplant. Doch Stevo kam mit einigen ultragrossen Planen und meinte, dass ein Gewitter kommen werde. Natürlich zückten wir beide unsere Handys und befragten unsere Wetterapp. "Ja, ein bisschen Regen ist angesagt, aber nur ein paar Tröpfchen", meinten wir beide beschwichtigend. Nun denn, wir reden Stevo prinzipiell nicht in sein Tun rein, und liessen ihn gewähren. Und mitten in der Nacht dankten wir beide im Stillen diesem umsichtigen Mann - es goss in Strömen, ein richtiger Gewittersturm fegte über Montabone. Hätte Stevo den Hang nicht abgedeckt, da wäre so einiges ins Rutschen gekommen. Und heute Morgen erinnerten nur noch abgebrochene Zweige und etwas Schlamm auf der Strasse an das Unwetter. Natürlich konnte sich Stevo ein Lächeln nicht verkneifen, als er heut Morgen eintraf. Kurz darauf kam auch schon der erste LKW mit Beton. Eine Millimeterarbeit mit diesem Gefährt zu uns, der zweite folgte sogleich. Schaut euch die Bilder von dieser Aktion an.

Eine Stunde später war das Fundament gegossen, und die Ungetüme schoben sich langsam aber sicher wieder raus. Einzig ein kleiner Kratzer an einer Dachrinne ist geblieben. Nicht der Rede wert.

Und heut Abend die gleiche Situation, Stevo kam mit den grossen Planen angefahren. Seine Frau Diana habe da so eine Ahnung, meinte er lächelnd. Nun denn, auf ans Auslegen des Regenschutzes. Wobei, so einfach war das auch nicht, fegt doch immer noch ein stürmischer Wind durch die Hügel.

Und wenn Dianas Gefühl Recht behält, können wenigstens Roberto, Tirass und Kater Alex ruhig schlafen. Bei mir ist das was anderes. Bei Gewittern zieht es mich jeweils in die Küche, und bei einem Kaffee warte ich das Ende des Geschehens ab. Ja, ich fürchte mich bei Blitz und Donner.

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Instabil

Im April hat es bei uns an manchen Tagen wie aus Kübeln gegossen, ihr durftet damals in der Schweiz ein Müsterchen Frühsommer geniessen. Das viele Nass hat bewirkt, dass Teile einer Stützmauer ins Rutschen gekommen sind. Ein Augenschein durch Stevo hat ergeben, dass die ganze Mauer etwas instabil ist, also steht eine etwas grössere Sanierung an. Da wir für die nächsten Tagen sowieso unser Gästehaus schliessen und das Wetter nichts als Sommer pur anbietet, machte sich gestern Stevo mit seinen Männern an die Arbeit. Der eine oder andere Baum musste weichen, damit sich der Bagger von der steilen Wiese her vorarbeiten konnte. Zur besseren Illustration lege ich am Schluss noch Bilder bei.

Und da wir gerade so schön am Geld ausgeben sind, kommt am Mittwoch dann noch der Monteur für die Alarmanlage. Wir sind zwar mit unserem Tirass sehr gut bewacht, doch bei unserer Abwesenheit ist es vielleicht ratsam weiteren Schutz zu haben. Wobei, wenn wir hier von Einbrüchen hören, dann sind meist Geräteschuppen betroffen. Beliebt sind Motorsägen, allerhand anderes Werkzeug, ja sogar ein Traktor wurde schon mal abtransportiert. Nun ist es aber keine Anlage, welche bei Gefahr lauthals zu hupen beginnt, und sich ja eh niemand darum kümmert. Nein, diese hupt zwar im Hausinnern, und meldet unverzüglich dem nächsten Polizeiposten das Vorkommnis. Die Bestätigung der Polizei kam mittels eines wunderschönen Dokumentes mit Goldrand und Bändeli darum - italienisch halt.

Und wenn alle hier so schön an der Arbeit sind, verabschieden wir uns für vier Tage nach Crans-Montana in die Wanderferien. Wir freuen uns riesig auf ein paar Tage Auszeit. Die erste Saisonhälfte war in allen Belangen super, ab Mitte Juli geht es dann bis Ende November weiter. Die einen oder anderen, welche unsere "Familienzusammensetzung" kennen werden sich fragen, was denn aus Kater Alex wird. Nun, Stevo wird nicht nur die Mauer im Auge behalten, sondern auch noch Alex füttern und mit Streicheleinheiten verwöhnen. Was würden wir nur ohne diesen Mann machen, er ist einfach Gold wert.

 

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Eim mulmiges Gefühl in Montabone

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Die Sache mit dem Nachtessen

Neben der Bewilligung für die Führung eines B&B haben wir natürlich auch so einige Auflagen bekommen. So beispielsweise, dass wir nur drei Zimmer anbieten dürfen. Das vierte ist für - na ja. Auch müssen wir durchs Jahr hinweg 3 Monte den Betrieb schliessen. Das Positive an diesern Vorschriften ist, dass wir dadurch von der Mehrwertsteuer befreit sind. Und das will etwas bedeuten, denn immerhin beträgt diese 22 Prozent. Eine weitere Einschränkung ist, dass wir keine Essen, ausser natürlich das reichhaltige Frühstücksbuffet, anbieten dürfen. Aber mal ehrlich. Wer am Anreisetag etwas müde ankommt, will ja nicht gleich wieder "vo Huus", und ein Restaurant aufsuchen. Also bieten wir für die Neuankömmlinge das Nachtessen an. Und natürlich dürfen dann auch die bereits anwesenden Gäste mit von der Partie sein. Da ist es in den letzten 3 Monaten schon vorgekommen, dass wir eine ordentliche Tafel beieinander hatten. Ich persönlich liebe ja solche Tavolatas. Und wenn dann keine "Neuen" zu erwarten waren, kamen doch die Gäste auf die Idee, nach dem Frühstück abzureisen, um dann am Nachmittag  - natürlich von der Reise völlig ermattet  - wieder anzukommen. Roberto und ich wissen, dass sich unsere Kochkünste sehen und geniessen lassen können. Aber die piemontesische Küche hat so viel Genussvolles parat. Es wäre schade, diese Köstlichkeiten nicht zu entdecken. Deshalb gibt es halt Augenblicke, in welchen wir mit fast aufgeweichtem Herz doch Nein sagen, und wenn gewünscht auch das Taxi bestellen, oder gar selber chauffieren.

Heute hat es auch wieder ein Rezept auf die Homepage geschafft, das Spargeltörtchen auf einem Robiolaspiegel - en Guete.

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Tätschfalle, oder wer andern eine Grube gräbt . . .

Heute geht es um die Trappola per i topi, Mausefalle, oder in gutem Berndeutsch: Tätschfalle.  Unser Hund Tirass, welcher übrigens in italienischer Sprache erzogen wird, ist momentan in den Flegeljahren. Alles, was er gestern noch konnte, ist heute total vergessen. So auch das Wissen, dass die Küche, der Tisch und das Frühstücksbuffet für ihn absolut tabu sind. Und es war vor wenigen Tagen, als Roberto mich beim Nachtessen fragte: „Wo isch eigentlech der Räschte vom Aprikosechueche?“ Und jetzt wurde mir so einiges klar. Denn, ich hatte am Morgen beim Abräumen des Morgentisches beim Anblick des verrutschten Tischtuches und der Aprikosenflecken darauf das Gefühl, Roberto hätte es so ziemlich eilig gehabt. Nicht mal Zeit, um ordentlich abzuräumen. Auch mutmasste ich, dass die Gäste den Kuchen wohl ganz vertilgt hätten. Alles falsch. In einem unbeobachteten Moment hat unser Tirass sich Zutritt zur Cantina verschafft und die Aprikosenwähe vernascht.

 

Das Meiden der Tabuzonen hat unser Hund einerseits mit einem strengen „No“ und mit Zitronensaft drapierten Haushaltstüchern gelernt. Ich mochte mich aber erinnern, dass mir vor zig Jahren mal ein Hundebesitzer erzählte, mit einer Mausefalle auf dem Tisch platziert, würde der Hund – einmal ob dieser Falle gehörig erschreckt – nie mehr in Versuchung kommt. Nun denn, in einem von Tirass unbeobachteten Moment ging ich ans Werk.  Schön bereitgestellt an neuralgischen Stellen mit einem feinen Häppchen, warteten die Fallen zum Zuschnappen und zum Hund erschrecken.

Nicht ganz ohne Stolz erzähle ich euch nun, dass mein Hund nicht darauf hereinfiel. Den ganzen Morgen über ignorierte er die guten Dinge auf der Falle - sie blieben liegen. Bis, ja, bis ich eilends das rufende Handy nehmen wollte, und prompt mit der anderen Hand in die Falle griff.  Wie lautet das Sprichwort treffend? „Wer andern eine Grube gräbt  . . .“ . Ich werde wohl wieder auf den Zitronensaft zurückgreifen und hoffen, dass der Flegel sich aufs Gehorchen besinnt.

 

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Gipfeli us der Büchs

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Ungewohnte Wettersituation

Wir wurden im vergangenen Jahr punkto Wetter so richtig verwöhnt, und starteten natürlich mit den so etwa gleichen Vorstellungen in die neue Saison. Aber weit gefehlt. Die Vegetation liegt zurück, das Wetter zeigt sich von seiner wechselhaften Seite, und manchmal ist es schon recht kühl. Auch heute, macht sich die kalte und windige Sophie alle Ehre. Und man möchte doch für seine Gäste optimale Bedigungen haben. Aber da rufe ich mir immer den Satz einer lieben Freundin in Erinnerung, die sagte: "Bea, du vermietisch Zimmer nid schöns Wätter."  Und trotzdem ist es eine ungewohnte Situation für uns.

Aber was man ganz sicher bei uns bekommt, ist gute Laune und so einiges an Rüstarbeit. So haben sich unsere Gäste vergangene Woche ein gemeinsames Kochen gewünscht. Zuerst wurde am grossen Tisch viel geschnipselt und gehackt, dann gemeinsam gekocht, und schlussendlich in gemütlicher Runde mit den anderen Gästen gespeist. Und dank Erich und Peter haben wir tolle Aufnahmen unserer Casa bekommen. Sie schickten ihre Drohnen immer wieder los, und schossen spektakuläre Bilder. Ich lege einige davon bei sowie andere Impressionen von der letzten Woche.

Bei uns herrscht im Moment Hochbetrieb und ihr habt sicher Verständnis dafür, dass meine Einträge nicht so regelmässig erscheinen.

 

 

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Das "Wahrzeichen" musste gefällt werden

Wer bei uns schon zu Besuch war weiss, dass am Eingang zu unserer Casa Fossello ein alter, zweigeteilter Baum stand. Wie zwei zum Viktoriazeichen erhobenen Finger stand er wohl schon Jahrzehnte da. Doch er war morsch, und man wusste nie, wann er umfällt. Diesem Umstand wollten wir zuvorkommen, und so rückte Stevo mit seinem Mitarbeiter vergangene Woche mit Baumsäge, Seilen etc. an, um den Baum zu fällen. Während der eine Teil sich rasch ergab und zu Boden fiel, leistete der andere ungeahnten Widerstand. Zuerst versuchten sie, mit einem an Stevos Lieferwagen angebundenen Seil, den Baum zu fällen, doch vergebens – das Seil riss kurzerhand. Da muss ein Traktor mit Stahlseil her, entschieden die Männer. Es verging ein halber Tag mit viel Säbelarbeit am Stamm, bis auch dieser Baumteil endlich nachgab. Zu allem Unglück streifte er ein kleines Pälmchen von unserem Nachbarn Angelo. Ihr wisst, der, welcher seine Ruine pflegt. Die paar Blätter, um welche das Pflänzchen nun ärmer ist, bedauerte Angelo so sehr, dass wir ihn seitdem nicht mehr gesehen haben. Wobei, vielleicht kann es auch an seiner neu entfachten Liebe liegen. Er hat nämlich seit einigen Monaten eine Freundin. Und da ist es begreiflich, dass seine Ruine etwas in den Hintergrund tritt.

 

Doch zurück zum Baum. Die oberen zwei Teile waren nach zwei Tagen weg, nun folgte das Meisterstück, den Stamm mit seinem riesigen Umfang zu fällen. Scheibe um Scheibe sägte Stevo heraus, immer wieder ruckelte der Traktor mit der Seilwinde am Stamm. Dann endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, fiel auch dieser knirschend und mit einem grossen Gepolter zu Boden.  Einen Tag später fuhr dann ein Kranlastwagen zu uns hoch - der hatte bestimmt weit mehr als die erlaubten 3,5 Tonnen – und holte den Stamm ab. Doch so rasant, wie das jetzt tönt, überwand der LKW die Kurven und Steigungen nicht. Das dauerte so lange, dass ich ihn auf dem Liegestuhl die Mittagszeit geniessend hörte, und trotzdem bis zu seinem Eintreffen kurz einnickte. Ich habe so einige Bilder über diese Aktion gemacht, welche ich euch nicht vorenthalten will. Voilà

 

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Treue

Es ist dieses Jahr das erste Mal, dass ich einen Blogeintrag draussen schreibe. Es ist - endlich - tolles Wetter, und die Temperaturen lassen uns lange draussen verweilen. Gerade habe ich gesehen, wie viele treue Leser meine Einträge haben, das hat mich ziemlich überrascht, ja sozusagen umgehauen. Da muss ich mir aber ganz ordentlich Mühe geben, um euch bei der Stange zu halten. Nein, im Ernst, ich danke euch allen von Herzen, dass ihr meine Geschichten aus der Casa Fossello mitverfolgt. Das spornt an. Grosse Freude bereitet es uns auch, dass wir Gäste von unserem ersten Jahr auch in dieser Saison wieder begrüssen dürfen - treu halt.

Viele Gäste sind natürlich auch gwunderig über die Gründe, wieso es uns ins Piemont verschlagen hat. Meistens kommt natürlich auch das Risiko zur Sprache, welches so ein neuer Lebensabschnitt mit sich bringt. Auch dieses "Risiko" hat die Treue - oder nennt es auch Liebe - zum Thema. Wir beide waren in der Schweiz sehr engagiert in unseren Berufen und Freizeitaktivitäten, sahen uns oftmals während den Wochentagen selten. Und dann hier. Wir sind tagtäglich zusammen, oftmals nur wir beide. Pardon, da sind ja noch Hund und Katze. Das war wirklich eine Situation, in welcher wir nicht wussten, ob wir diese meistern würden. Ich kann euch alle beruhigen, es klappt wunderbar. Denn das B&B Casa Fossello ist unser Projekt, an welchem wir gemeinsam arbeiten. Vielleicht ist es für den einen oder anderen Gast verwunderlich, wenn er mich bei eher "gewichtigen" Arbeiten ertappt, derweil Roberto die Wäsche zum Trocknen aufhängt. Für beide kein Problem, wir ergänzen uns vorzüglich, da braucht es keine grossen Worte.  Treu? Nun, im landläufigen Sinn hat dies nichts damit zu tun. Aber, wenn man es so sieht, dass die Treue gegenüber unserem gemeinsamen Entscheid, mit all unseren Kräften, Ideen und Fähigkeiten ein erfolgreiches B&B zu führen, gemeint ist, dann sind wir in diesem Bereich sehr erfolgreich.

Mittlerweile ist es hier draussen Finster geworden, ich wünsche euch eine gute Nacht und einen tollen  Sommer-Sonntag.

 

 

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Das Warten hat ein Ende

So auf den Ende des Regens habe ich wohl noch nie gewartet. Tagelang goss es bei uns in Strömen, die Wanderungen mit dem Hund mutierten zur Schlammschlacht. Langsam aber sicher hatte ich genug von Regenstiefeln, -hosen und -jacken. Genug von Hund abtrocknen und der leisen Angst, dass sich unsere Zisterne in der Cantina mit rund 9000 Litern Fassungsvermögen so füllt, dass wir das Wasser abpumpen müssen. Das alles ist seit Gestern kein Thema mehr - der Frühling hält endlich Einzug, und wird kurzerhand zum Frühsommer. Während vor einem Jahr die Glyzinien bereits zum zweiten Blühen ansetzten, gucken momentan die ersten Blättchen heraus. Was gestern noch Braun war ist heute schon Grün, und was gestern noch einer Schlammpiste glich, ist schon fast ausgetrocknet. Unsere Gäste geniessen das Frühstück draussen, und lassen den Tag in den Liegestühlen ausklingen - so muss es sein. Wir selber sind momentan vor eine zusätzliche Herausforderug gestellt. Die Hoffnung, dass sich Robertos Vater bei uns erholt, hat sich zerschlagen. Er möchte aber nicht zurück in die Schweiz, wo er alleine ist, sondern hier bei uns und seinen Verwandten in der Nähe bleiben. Unsere Infrastruktur ist für einen Rollstuhl denkbar ungeeignet überall hat es eine Stufe oder Treppe. In der Schweiz ist man dann schnell zur Hand mit den Alters- und Pflegeheimen, im Gegensatz zu hier. Da legen die Leute die Stirn in Falten, wenn man von einer "Casa die riposa" spricht. "Es gibt gute und es gibt schlechte", ist die einfache Antwort. So genannte Altersresidenzen sucht man hier vergebens. Doch wie herausfinden, welche "Casa di riposa"  gut und oder schlecht ist? Wir versuche es erst gar nicht, sondern wählen eine andere Variante. Die lautet: eine grosszügige und behindertengerechte Wohnung in unserer Nähe mieten mit einer 24 Stunden-Betreuung durch eine italienische Betreuungsperson, welche in der Pflege ausgebildet ist. Jetzt werden wahrscheinlich einige von euch die Stirn in Falten legen und sich sagen. "Das ist doch ungemein teuer".  Nein, für schweizerische Verhältnisse überhaupt nicht, für hiesige schon. Wir hätten nicht gedacht, dass wir hier noch auf Wohnungssuche gehen.

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Sprachliche Verirrungen

Die Saison hat uns fest im Griff, was uns natürlich riesig freut.  Wir nehmen uns aber auch trotz des Kommen und Gehens für unsere Gäste viel Zeit. Einige sind liebe Bekannte von uns, andere haben das Interview im Radio gehört, sind vom Hörensagen hier, oder haben eines der Inserate gelesen. Und oft bekomme ich zu hören: "Du redsch sicher perfekt Italiänisch". Nun ja, so perfekt auch wieder nicht, aber ich kann mich mittlerweile auch telefonisch mit den Italienern unterhalten. Das war für mich das Schwierigste, kein sichtbares Gegenüber zu haben, um zu Parlieren. Lange Zeit musste immer Roberto neben dem Telefon sitzen, damit ich notfalls den Hörer an ihn weitergeben konnte. Ich muss zwar immer noch wie ein Schiesshund aufpassen, was da aus dem Lautsprecher kommt, aber es geht immer besser.

Aber, wenn ich dann auch mit Gegenüber so richtig in Schuss bin, passieren mir die einen oder anderen Fehler. So habe ich kürzlich gesagt, dass ich nun mit meinem "Carne", anstatt mit meinem "Cane" spazieren gehe. Die Antwort kam prompt: "Natürlich nimmst du dein Fleisch mit", begleitet von einem freundlichen Lächeln. Der Spaziergang fand dann mit Hund statt, beide waren wir mit "unserem Fleisch" unterwegs. Ich nehme mal an, dass ich doch noch ab und zu zum Schmunzeln Anlass gebe, aber es ist ja nie böse gemeint. Und mittlerweile ist es auch den Montabonesern aufgefallen, dass die Frau in der Casa Fossello die Sprache versteht und spricht. Warum ich das weiss? Fuhren sie mit dem Auto früher mit einem freundlichen Winken an mir vorbei, so wird vermehrt angehalten, die Autoscheibe runtergekurbelt und ein paar Worte gewechselt. Nicht ganz unschuldig dabei ist mein Hund, der mittlerweile eine stattliche Grösse angenommen hat. Immer wieder werde ich gefragt: "Sta ancora crescendo?" Wächst er noch? Ja, Tirass wächst noch ein Stückchen, und ich kann ihn jetzt schon über den Rücken streicheln, ohne mich zu bücken. Er ist so ein schöner Hund, mit ein wenig Fleisch auf den Rippen - welches er  auf unseren Spaziergängen auch mitnimmt.

 

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Hin und her

Endlich komme ich wieder dazu, euch vom Geschehen rund um unsere Casa Fossello zu berichten. Es war wirklich ein Hin und Her, ein Pendeln zwischen der Schweiz und Italien. Das erste Mal war ein Vergnügen, ich überraschte meine Schwester zum Geburtstag.  Am nächsten Tag gab es im Landgericht in Lenzburg das verspätete Geburtstagsessen für meinen Sohn Thomas. Zurück daheim, startete am nächsten Tag Roberto seinen "Ausflug" in die Schweiz, der Vater war im Spital. Aus zwei Tagen wurden deren vier, mittlerweile machte ich mir schon etwas Gedanken betreffend die Osterfeiertage. Ab Karfreitag bis Ende Mai haben wir volles Haus. Kommt hinzu - einige von euch wissen es - dass ich doch ein  ziemlicher Angsthase bin, wenn ich so alleine hieroben bin. Auch wenn mein Tirass mittlerweile ein hervorragender Wächter ist, ist es mir des Nachts ab und  zu nicht so geheuer. Und letzte Nacht war besonders, da waren die Jäger mit ihren Scheinwerfern auf Wildschweinjagd.

Doch heute Nachmittag war Roberto wieder da - samt Papa. Der ist zwar noch etwas schwach, aber er freute sich riesig, dass er reisen durfte. So ist er nun nicht mehr alleine, und hat nicht nur uns, sondern so einiges an Verwandtschaft in Acqui.

Und so ganz nebenbei ist nun auch unsere Laube zum "Stallzimmer" fertig geworden, ich lege euch ein Bild bei.

 

 

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Endspurt

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Eingeschneit

Ihr habt richtig gelesen, uns hat es eingeschneit. Ob den steilen und kurvenreichen Strässchen eigentlich nicht verwunderlich. Aber wir bekamen so richtig viel Schnee. Und auch wenn das Traktorgespann mit Schneepflug meistens so gegen Mittag vorbeifuhr, sahen wir es als nicht ratsam an, das Auto hervorzukramen. So kam es, dass ich mir die Schneeschuhe anschnallte, und den Berg hinauf ins Dorf zum Einkauf ging - Tirass war natürlich mit von der Partie. Die Verwehungen waren manchmal so tief, dass er beim Herumrasen zwischendurch ganz im Schnee verschwand. Eine halbe Stunde hinauf, einkaufen und etwas schwatzen, und dann wieder eine halbe Stunde hinab. Die Schneeschuhe waren der richtige Entscheid, denn Schneewehen und Glatteis unter dem Schnee waren so kein Problem. Im Lädeli wurde ich begrüsst, als ob ich weiss nicht was für eine Leistung vollbracht hätte. Nun ja, der eisig kalte Wind setzte mir schon etwas zu. Und es war ja nicht einmal bitternötig, einkaufen zu gehen. Wir hätten eigentlich genug zu essen gehabt, vom Wein ganz zu schweigen. Aber anstelle eines normalen Spaziergangs mit Hund konnte ich genau so gut ins Dorf wandern.

Heute Morgen dasselbe Bild, einfach mit noch mehr Schnee. Also Schneeschuhe montiert, und wieder auf Wanderschaft. Wir haben unseren eigenen Winterkurort.

Seit heute Nachmittag sind wir wieder erreichbar, morgen soll es nochmals so richtig schneien, bevor dann die Frühlingstemperaturen zu erwarten sind. Natürlich habe ich auch noch während unserem Marsch nach Montabone auf den Auslöser gedrückt.

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Ein Fass mit Boden

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Stevo und Roberto auf Irrfahrt

Um genau zu sein, war es keine Irrfahrt, und trotzdem landeten sie vor einer Woche unversehens in der «Pampas». Doch der Reihe nach. Zu Beginn dieser Geschichte steht der Kauf eines Biedermeiersofas, welches seinen Standort in Arbon hatte. Ich war – und bin – der Meinung, dass genau dieses Sofa in die neue Stube passt. Nun musste das Sitzmöbel noch zu uns gelangen. Stevo hatte einen Kollegen zur Hand, welcher uns ein so grosses Auto lieh, in welchem das Sofa bequem Platz fand. «Was meinsch wägem Wätter», fragte Roberto noch vor der Abreise. «Es sött nume chli schneie, u wär weiss, wenn du wieder Zit hesch», war meine Antwort. Gut, so fuhren Stevo und Roberto am vergangenen Donnerstagmorgen los. Knapp zwei Stunden später der erste Anruf. Der Wagen funktioniere nicht richtig, man könne nur 90 km/h fahren. Dieses Problem erledigte sich nach einem kurzen Aufenthalt. Eine Stunde später: «Es schneit so fescht, mir chöme chum vorwärts!». Bei mir meldete sich langsam das schlechte Gewissen, dass ich die Fahrt befürwortet habe. Lange war es ruhig, und der Anruf am Nachmittag beruhigte mich ungemein. Alles gut, die Sonne scheint sogar, sie seien auf der Rückreise. Ich rechnete rasch nach, wann sie denn wohl eintreffen würden, und machte mich ans Kochen. So gegen sechs Uhr: «Also heute wird das nichts mehr, das Auto ist endgültig kaputt, der Alternator muss ausgewechselt werden. Wir sind irgendwo in der Nähe von Varese.» Sie fanden zwar eine Übernachtungsmöglichkeit, aber mit Essen war nicht viel los. Den nächsten Tag verbrachten die beiden mit Warten auf das Ersatzteil. Es war wohl einer der Umstände, in welchem man anfängt sich die Lebensgeschichte zu erzählen. Endlich um drei Uhr wurde der Alternator geliefert, um vier Uhr konnten Stevo und Roberto weiterreisen. Sie waren arg müde bei ihrer Ankunft. Doch das Sofa ist wirklich hübsch.  Es steht im Moment noch eingepackt in der Garage, bevor es Ende Woche seinen endgültigen Platz bekommt.

 

Und apropos Lebensgeschichte. Stevo würde eigentlich gerne in der Schweiz arbeiten, er hat hier etwas wenig Aufträge. Nur zu leeren Häusern schauen mag er nicht, und bei uns geht es erst wieder im kommenden Winter weiter. Vielleicht hat ja jemand ein renovationsbedürftiges Rustico, Stevo wäre der Mann dafür. Wir haben mittlerweile das eine oder andere Referenzzimmer in der Casa Fossello. Am Freitag sollte endlich die Stube fertig sein.

 

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Dorfleben pur

Der Verein "Prolocco" in Montabone lud gestern Abend zur Benefizveranstaltung ein. Eigentlich hatten wir nicht vor, hinzugehen, doch unser Idraulico (der Mann für Sanitär/Heizung) meinte, dass wir den Anlass auf keinen Fall verpassen dürften. Also sagten wir zu, und fanden uns zur vereinbarten Zeit im Gemeindezentrum von Montabone ein. Natürlich bin ich bei solchen Anlässen immer etwas angespannt. Verstehe ich alle, blamiere ich mich mit meinem Italienisch nicht . . . .? Alles Sorgen, welche ich mir nicht hätte machen müssen. Mein Gegenüber gab sich besonders Mühe, etwas langsamer mit mir zu sprechen. Ich finde kaum die Worte, wie ich diesen Abend beschreiben soll. Es war eine Demonstration von dem Gefühl der Zusammengehörigkeit, welches ich selten bei einem solchen Anlass erlebt habe. Alte Menschen, mittelalterliche wie wir, Teenager und Kinder. Alle hatten ihren Spass miteinander. Das Essen, gekocht von Vereinsmitgliedern, war vorzüglich. Zuerst wurden kleine Küchlein mit Käse und Tomateneinlagen serviert, danach ein tolles Risotte mit Artischocken, gefolgt von einem sehr lange gegarten Stück Schweinefleisch mit Bratkartoffeln. Das Dessert - ein Tiramusù. Schon bis zu diesem Zeitpunkt fühlte ich mich wohl und gut augehoben. Die Veranstaltung fand übrigens für ein Kinderhilfswerk statt, natürlich nicht ohne Tombola. Vergesst alles, was ihr von einer Tombola gewohnt seid. Diese war komplett anders, sympathisch und auch herzerweichend. Sind wir es nicht gewohnt, dass da mindestens eine neue Kaffeemaschine, ja gar ein Bike oder sonst was als Preis winken sollte? Da gab es eine Flasche Wein zu gewinnen, einen Panettone von Weihnachten (das Verfalldatum wurde vor der Übergabe noch überprüft), etwas Weihnachtsdekoration, eine - scheussliche - Nachttischlampe etc. Und geschwind wurde auch noch die noch vor wenigen Augenblicken gebrauchte Salatschüssel sauber gereinigt als Preis beigesteuert. Alle hatten ihren Spass, egal ob das Gewonnene überhaupt gebraucht werden konnte, der Gedanke zählte.

Ich habe mich sehr gut unterhalten, und unverhofft war Mitternacht vorbei. Es war genau einer der Abende, welche ich nicht gerade herbeigesehnt hatte, und dann so schön endete. Wenn dies jetzt meine Söhne lesen, dann werden beide mit Bestimmtheit schmunzeln. Wieso? Jedes Mal, wenn sie etwas widerwillig an eine Veranstaltung gingen, sagte ich ihnen: "Du wirst sehen, das wird schlussendlich ein ganz toller Abend, weil du nichts erwartest". Genau so war es. Aber um das Geschriebene zu verdeutlichen, lasse ich nachfolgend die Bilder sprechen. Und in den nächsten Tagen erzähle ich euch über die Irrfahrt von Stevo und Roberto mit einem Biedermeiersofa. Ach ja, und wir sind seit gestern Abend Mitglied der Vereins "Prolocco".

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Kassenzettel

Vergangenen Freitag musste ich sehr spontan in die Schweiz reisen. Das heisst, morgen um halb Neun Uhr dem Arzt telefoniert, der Termin war dann in Aarau um 16 Uhr. Eigentlich hatte ich schon im Sinn gehabt, in den nächsten Woche die Fahrt zu unternehmen, aber nicht so plötzlich. Aber sei's drum, alles ist gut, und ich konnte noch das eine oder andere erledigen. So beispielsweise neue Kissen und Kissenbezüge kaufen, oder  Kaffeerahm. Den gibt es hier nur in Portionen, und ich brauche einfach am Morgen etwas mehr, als nur eine Portion in den grossen Kaffee. Auch Linzertörtchen und Streichleberwurst für Roberto war im Gepäck auf der Rückfahrt mit dabei. Nichts, ohne das wir nicht sein könnten, aber Dinge, welche man zwischendurch still für sich geniesst. Auch schon fast genussvoll sagte ich bei jedem Einkauf: "I bruche de keis Kassezedeli". Ihr wisst ja, hier in Italien muss man zwingend die Zettel mitnehmen. Man könnte ja vor dem Laden von der Guardia di Finanza angehalten und nach den Einkäufen und eben dem Kassabon gefragt werden. Euch wie mir ist das aber sicher noch nie passiert - oder doch? Und wenn die Zettel mal bei mir in der Tasche gelanden sind, dann kommen die nur schwer wieder raus. Bis ich dann vor lauter Zettel die wichtigen Sachen nicht mehr finde, dann wird ausgemistet. Und so konnte ich ohne unnötigen Papierballast meine Heimreise am Samstag wieder antreten. Da ich bereits in Thun und später auch Interlaken bei meinen Schwestern zu Besuch war, führte mich der Weg über den Brünig in Richtung Gotthard. Begleitet von einer klitzekleinen diebischen Freude über diesen Entscheid, denn die Route über Egerkingen war hoffnungslos überlastet und immer wieder wurden Staumeldungen gesendet. Die Freude währte genau bis vor den Ceneritunnel. Alle Ampeln standen auf Rot, während rund dreiviertel Stunden ging gar nichts mehr. Und so alleine im Auto macht das Stehen nicht wirklich Spass. Aber ich habe ja stets das Italienischbuch mit dabei, und so konnte ich wieder das eine oder andere dazulernen. Am Samstag habe ich wieder einer meiner Abende, auf die ich mich einerseits freue, anderseits schon etwas nervös bin. In Montabone organisiert der Verein "Proloco" ein Nachtessen zugunsten eines Hilfswerkes. Da gehen wir natürlich hin, ich mit enorm gespitzten Ohren, damit ich auch so viel wie möglich verstehe. Das Zusammensein mit den Landsleuten ist schlicht und einfach die beste Möglichkeit die Sprache zu beherrschen - zwei Mal die Woche von meiner Italienischlehrerin Valeria unterstützt.

Und zum Schluss noch dies: Roberto und ich erkunden bei gutem Wetter und Zeit die Wanderwege, als auch für Wanderfreudige haben wir mittlerweile ein gutes Angebot zusammengestellt.

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Stevo möchte noch warten

Stevo möchte das Zimmer lieber präsentieren, wenn es fertig ist.
Stevo möchte das Zimmer lieber präsentieren, wenn es fertig ist.

Ich habe euch ja Bilder vom Salotto versprochen. Nun, so einfach war das nicht. Stevo möchte lieber, dass ich das Bild mache, wenn alles fertig ist. Ich hingegen bevorzuge das Vorher/Nachher, und habe mich übers Wochenende über die Leiter gewagt. Denn, einen anderen Weg gibt es momentan nicht. Stevo hat alles dichtgemacht, damit die anderen Zimmer nicht allzu staubig werden. Jetzt müsst ihr euch nur noch einen schönen Holzboden dazu denken, dann ist es doch perfekt, oder? Und wie letztes Jahr ist Roberto ein paar Wochen vor der Saison die Ruhe selber, ich hingegen bin schon «e chli am hypere». Obwohl ich ja selber auch weiss, dass alles fertig wird. Nur sieht man noch nicht so viele Ergebnisse. Mitte Februar kommt Franco, um die Laube hinter unserem Haus zu verglasen, Paolo wird nächste Woche im «Stallzimmer» neue Heizkörper anbringen. Wir werden die Cantina neu streichen und das kleine (inoffizielle) Zimmer teilweise streichen. Und dann habe ich mir noch selber Arbeit gesucht. Mir haben die mit Houssen überzogenen Gartenstühle in der Cantina nie so recht gefallen. Auf der Suche nach neuen Stühlen bin ich im nahen Bistagno auf einen Antiquitätenhändler gestossen. Der hatte genau die richtigen Stühle. Nur, diese muss ich noch schleifen und mit frischer Farbe versehen. Ihr versteht vielleicht, dass ich doch etwas um die Zeit bange. Nun folgt mit einem Klick noch das Zimmer, wie es sich heute gezeigt hat.

 

 

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Frühlingsputz und -schnitt

In den vergangenen drei Tagen war es so richtig frühlingshaft. Da zuckt die Rosenschere, und auch die Putzlappen sind etwas ungeduldiger als sonst. Man wird einfach von den Weinbauern angesteckt. Überall wird geschnitten und gezupft, Berge voller Rebenzweige türmen sich am Ende der Reihen. Da wollte auch Roberto nicht zurückstehen, und verpasste der Glyzinie ihren Schnitt. Etwas kurz, aber sie wird sich schon erholen. Schon im letzten Jahr hatte ich die Befürchtung, sie überlebt diesen Schnitt nicht. Ich habe im Frühjahr noch nie eine so schön blühende Glyzinie gesehen. Deshalb lasse ich Roberto gewähren, und halte mich mit Kommentaren zurück. Ich bin ja auch kein Meister dieses Faches, und wägelte derweil die Abschnitte mit der Schubkarre in Richtung Depot. Das sind rund 100 Meter den Weg hinab und wieder hinauf, jedes Mal begleitet von meinem treuen Tirass. Wir hätten ein tolles Bild abgegeben. Denn es machte ihm sichtlich Spass, beim Vorbeirasen einen Zweig in der Karre zu schnappen. Ihr könnt euch vorstellen, dass die Fuhre immer wieder zu kippen drohte. Doch er ist mittlerweile ein recht gut erzogener Hund, und liess die Spielerei auf Befehl hin dann auch bleiben. Er kam später auf seine Rechnung.  Geputzt sind nun auch die Fenster und Läden an unserem Haus, sobald Stevo mit den Renovationsarbeiten fertig ist, zügeln Eimer und Lappen mit mir ins Gästehaus. Das Zimmer wird übrigens toll, morgen gehen wir den Bodenbelag aussuchen, und dann klappt es sicher auch mit einem Föteli vom Ort des Geschehens.

 

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2 Cents

Eigentlich hat Italien weitaus grössere Probleme, als das folgende. Aber zu Beginn des Jahres war es das Top-Thema überhaupt. Es ging um ganz genau 2 Cents. Ihr kennt die Plasticksäckchen, welche bei den Früchten und Gemüsen in den Supermärkten zum Abrollen und Einpacken der Waren bereit stehen. Das ist auch hier der Fall. Nun wurden diese Tüten auf Anfang Jahr allesamt mit solchen welche kompostierbar sind ausgetauscht. Jedoch, jedes dieser abbaubaren Dinger kostet neu 2 Cents. Ihr werdet denken: "Na und?" Hier wogte eine Welle der Entrüstung durch das Volk, alle verarmten unisono ob diesen 2 Cents. Abend-, ja tagesfüllende Sendungen wurden diesem Thema gewidmet. Leute an den Gemüseständen brachen ob der Abzokke fast in Träen aus. Mir wurde an der Kasse mitgeteilt, dass nun im ganzen EU-Gebiet dies so gelte. Also, auch wenn ich jeden Tag einer dieser Tüten nehme, dann kostet mich das im Jahr 730 Cents, gut 7 Euro.

Das Beste an der Geschichte ist, man kann das am Tag zuvor erstandene Säckchen am nächsten Einkaufstag wieder mitnehmen und neu befüllen, dann spart man sich natürlich die 2 Cents. Und die Person an der Kasse fragt auch jedes Mal, ob man diese kompostierbare Kostbarkeit hier entnommen hat, oder von daheim mitgenommen. Ein, "Ja, von daheim", und die 2 Cents werden dem Kunden erlassen. Ohne dass dieses Objekt der Aufregung irgendwo gekennzeichnet wäre. Ich habe, glaube ich, die Italiener immer noch nicht begriffen. 

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"Carciofi, Carciofi"

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Start ins zweite Jahr

Stevo (li.) und sein Gehilfe Marco geben alles.
Stevo (li.) und sein Gehilfe Marco geben alles.

Wir starten ins zweite Jahr, wie wir ins erste Jahr gestartet sind: mit viel Staub, Lärm und der Neugier, was Stevo alles zustande bringt. Diejenigen, welche bereits bei uns waren, wissen, dass der Raum – die Stube – zum Zimmer «Volta» zwar «amächelig» war, aber der Verputz sich so langsam von den Wänden verabschiedete. Nun hilft Stevo und sein Gehilfe Marco mit dem Hammer noch etwas nach. Das eine Deckengewölbe ist viel versprechend, und auch an den Wänden erscheint das alte Mauerwerk. Etwas zu euphorisch war ich beim Boden. Denn, als Stevo die Bodenplatten löste, erschien darunter der über 200 Jahre alte Plattenbelag. Nur leider nicht komplett, es fehlt sehr viel – Schade. Ich sah natürlich in Gedanken schon, wie das Ganz mit dem Original wohl aussehen möge. Ja, wenn wir unseren Stevo nicht hätten, es ginge so dass eine oder andere etwas harzig vonstatten. Es scheint uns fast so, als ob er schon genau wüsste, wie er den Raum gerne gestalten würde, und uns dies dann so häppchenweise schmackhaft macht. Bis jetzt haben sich seine Ideen als sehr gut erwiesen – wir sind gespannt. Natürlich mischt sich bei aller Freude auch die Sorge dazu, ob denn auch wirklich auch alles, was wir uns vorgenommen haben, auch fertig wird. Nun, es hat im ersten Jahr geklappt, es wird auch dieses Jahr klappen. Auch wenn die Liste von Roberto eigentlich recht lang ist. Wie heisst es so treffend? «Es gibt viel zu tun, packen wir es an». Unten seht ihr, wie die Stube vorher ausgesehen hat.

 

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Streikender Hund

In Italien ist streiken ja sozusagen an der Tagesordnung. Wobei wir noch nie hautnah davon betroffen waren. Mir persönlich kam jedoch Ferragosta einem Streik doch sehr nahe. Aber das ist aus der Sicht der Ausländerin gesehen.

 

Doch gestern streikte unser Tirass, was wir jedoch unter Berücksichtigung der Umstände verstehen konnten. Wir waren zu Silvester an eine Tavolata nach Turin eingeladen worden. Der Hund sei überhaupt kein Problem, beschied man uns. Also, warum eigentlich nicht? Ausser der Cousine von Roberto kannten wir von den rund 30 Personen niemanden. Doch schon bald war unser Tirass der Mittelpunkt des Geschehens. Und er wusste sich in Szene zu setzen. Liess sich brav tätscheln, verlor trotz all dem Neuen die Ruhe nicht, und erntete nur Komplimente. Die Schattenseite: er kam ob der vielen Leute kaum zur Ruhe. Und da sich das Essen schon sehr in die Länge zog, verliessen wir die Neujahrsparty so gegen ein Uhr im neuen Jahr. Wohlgemerkt – wir hatten lediglich die Vorspeise gehabt. Aber die vielen kleinen Dinge vorab liess uns gesättigt von Dannen ziehen. Und unser Tirass? Der ist es sich gewohnt, sich so gegen acht Uhr in die Nacht zu verabschieden. Nun wurde es halb drei Uhr, bis wir unser Heim im dichten Nebel «gefunden» hatten. So kam es, dass er den ersten Jahrestag im wahrsten Sinne des Wortes verschlief. Jegliche sonst freudig quittierte Aufforderung zum Spaziergang prallte an ihm ab. Kurz raus, Geschäft erledigen, dann wieder auf seinen Platz und weiterschlafen. Doch dies wusste er sportlich zu gestalten, auf dem Trampolin. Da macht man sich trotzdem etwas Sorgen. Aber heute Morgen war er wieder ausgeschlafen und fit. Wir genossen beide den tollen Spaziergang über die Hügel – natürlich aus verschiedenen Sichtweisen. Bei mir war es das herrliche Panorama, bei ihm sehr wahrscheinlich die neuen Gerüche.

 

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Zwischen den Jahren

Zuerst möchte ich euch allen von Herzen ein gutes neues Jahr wünschen. Viel Gfröits, Gesundheit und häufige Augenblicke des Schmunzelns. Das macht das sonst so ernste Leben etwas leichter. Ich will euch aber zu Jahresbeginn nicht gleich zutexten, sondern möchte lieber die Bilder sprechen lassen, wie es bei uns zwischen Weihnachten und Neujahr so war.

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I Panettoni

Während in der Schweiz so manches Haus vor lauter blinkender Lämpchen kaum mehr zu erkennen ist, gestaltet sich die Weihnachtsbeleuchtung hier etwas verhaltener. Da und dort ein leuchtender - etwas kitschiger - Stern an einem Tor, hie und da ein beleuchtetes Fenster. Für eine echte Tanne muss man sich schon etwas auf die Suche begeben, die künstlichen samt Geblinke gibt es sozusagen an jeder Ecke. Ich muss mir schon etwas Mühe geben, um diesem Kitsch nicht zu verfallen, er hat schon was für sich.

In den Supermercati herrschen vor allem die Berge mit Panettoni vor. In jeder nur erdenklich süssen Varinte sind sie vorhanden, soweit das Auge über die Gestelle hinweg reicht. Und sie werden auch verschenkt. Wir haben gerade die Nummer drei erhalten, und Weihnachten ist noch gar nicht da. Morgen kommt Besuch, sicher mit einem Panettone. Am 24. und 25. Dezember erwarten wir ebenfalls Gäste. Wenn Sie ohne Panettone kämen, würde mich das doch sehr wundern. Das wären dann Nummer 5 und 6. Wir selber verschenken keinen Panettone, hoffentlich nimmt das uns niemand übel, und sie freuen sich über Toblerone etc. Den einen Panettone von der Distillerie "Berta" werden wir am 26. Dezeber zum Dessert mit einem feinen Moscato kredenzen, weil er keine kandierten Früchte drin hat. Die ganze Familie hat dies nicht so gern. Am 26. nämlich treffen meine Söhne für ein paar Tage ein. Vor dem besagten Panettone gibt es ein reichhaltiges Vorspeisenbuffet mit Acciughe verde, carne battuta, diverse Paté, marinierte Pilze, frisch zubereitete Artischokkenherzen und vitello tonnato. Natürlich darf auch ein Klecks russischer Salat nicht fehlen. Ein Muss auf jedem Vorspeisenbuffet. Warum das so ist, konnte mir bis jetzt noch niemand erklären.

Je nach Wunsch der Gäste gibt es vor dem Hauptgang noch ein Kürbistörtchen. Dann folgt das Kaninchen mit Polenta und Rosmarinkarotten. Und wie bereits erwähnt, zum Abschluss der Panettone, oder dann ein Panna cotta. Ich bin überzeugt, dass unser Tirass in den kommenden Tagen für Verdauungsspaziergänge heiss begehrt sein wird. Ihm geht es mittlerweile wieder gut, er hat sich in den 10 Tagen Schnee und Regen in der Schweiz erkältet. Es war nicht unbedingt wegen der Kälte, auch wir haben hier den ganzen Tag um den Gefrierpunkt, jedoch sonnig und trocken. Die Feuchte und Nässe war es. Er ist halt trotz seiner mittlerweile schon beeindruckender Grösse "es Finöggeli".

Ihr werdet euch sicherlich fragen, was wir denn mit den anderen - mindestens 5 - Panettoni machen. Die geben wir mit in die Schweiz in der Hoffnung, dass sie den einen oder anderen Liebhaber antreffen. 

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Wieder daheim

10 Tage Schweiz. Eine Zeit, welche nur so dahinraste. Wir hatten natürlich auch genügend Termine: Ärzte, Verwandte, Freunde, DH und so viele mehr. Als krönender Abschluss dann meine Geburtstagsfeier mit Söhnen, Geschwister und Freunden. Es war ein wundervoller Abend. Nicht nur die Gesellschaft, sondern auch das Team des Landgerichts in Lenzburg tat das seine dazu. Es war schlichtweg köstlich. Ein Dankeschön an dieser Stelle an Pasquale und seine Crew. Das Wetter war zum Abwinken, derweil hier die Sonne fast täglich schien. Aber schön waren die Ferien trotzdem. Wir haben das schöne Wettter Christine und Hansueli von Herzen gegönnt. Sie haben unser Haus aufs Beste behütet, Alex kam voll und ganz auf seine Kosten bezüglich der Streicheleinheiten.

Ein eindeutiges Indiz, dass wir wieder italienischen Boden unter den Rädern hatten, war, dass der Schrittzähler in meiner Tasche plötzlich munter mitzählte. Die Strassen sind halt schon etwas anders :-) Aber wir sind froh, weder daheim zu sein, es hat mir gefehlt. Ich hielt es selber kaum für möglich, dass mir die Abgeschiedenheit gefehlt hat. Während ich hier mit Tirass sozusagen stundenlang durch Rebberge und Wiesen streifen kann, und niemandem begegne, dauerte es in Beinwil am See kaum fünf Minuten im Wald, um auf Mensch und Hund zu stossen. Ein Vorteil: Tirass lernte, dass man auch einfach an Hunden vorbeigehen kann.

Nun hat uns der Alltag wieder, es geht weiter mit intensiven Italienischstunden, der Hundeerziehung, aber auch der gedanklichen Vorbereitung auf unseren Besuch. Meine Söhne reisen am 26. Dezember zu uns. Der Einkaufszettel hat bereits eine veritable Länge angenommen, immer Neues kommt hinzu. Denn am Ankunftstag köcheln wir hier was Feines. Zuerst gibt es eine reiche Anzahl an Vorspeisen, dann noch so das eine oder andere. Wir freuen uns auf jeden Fall, die erste Weihnachten bei uns zu feiern.

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Wir sind in den Ferien

Unser zehntägiger Ausflug in die Schweiz bedurfte einiger Vorkehrungen. Zuallererst stand natürlich die Frage im Vordergrund, wer denn in dieser Zeit zu Haus, Hof, Katze und Pelletheizung schauen würde. Unser Büssi ist sich natürlich etwas mehr als die tägliche Futtergabe gewöhnt. Also müsste jemand etwas mehr Zeit aufwenden. Bereits im Frühjahr sondierten wir bei verschiedenen Leuten, ob sie wohl Interesse hätten, unser Daheim während 10 Tagen im Dezember zu hüten. «Ja, sehr gerne. Aber in der Adventszeit?», war dann jeweils die verständlich abschlägige Antwort. Nun, Christine und Hansueli nahmen sich die Zeit, und sind nun während unserer Abwesenheit Herr und Meister über unsere Casa Fossello. Ein herzliches Dankeschön ins Piemont.

 

Und wir? Ja, wir sind für 10 Tage in den Ferien in der Schweiz. Genauer in Beinwil am See. Dort konnten wir mit Tirass eine gemütliche Ferienwohnung mieten. Wir fühlen uns sehr wohl. Ja, uns kommt «Böju» vor wie ein Winterkurort. Denn, wenn wir aus den Fenstern schauen, sehen wir vor allem festlich dekorierte Häuser. Bei uns daheim sind es einzelne mit wenig Lichtern gekennzeichnete Bauernhöfe. Doch, bevor wir überhaupt an ein Ankommen denken konnten, mussten wir uns vor dem Gotthard eine geschlagene Stunde lang gedulden. Weiss der Gugger warum, es war so wenige Verkehr, und plötzlich standen die Ampeln auf Rot. Nun ja, die haben ja sicherlich gewusst, was sie da tun. Vergeblich hörten wir die Verkehrsmeldungen ab, kein Ton von «unserem» Problem.

 

He nu, jetzt sind wir da, und haben in den Ferientagen sehr viel vor. Das eigentliche «Schlussbouquet» wird dann unsere Feier zum 60sten Geburtstag sein. Dazwischen liegt jedoch noch eine Woche voller Termine. Die einen nötig, die andern spontan und hoch erfreulich.

 

Der Handschuh ist weg

Unseren Hund hätten wir genau so gut "Spiropolvere" - Staubsauger nennen können. Wenn wir nicht wahnsinnig aufpassen, frisst er sozusagen alles. Vom Papiernastuch bis hin zum Küchenschwämmchen. Von Ästen etc. können wir ihn mittlerweile fernhalten. Jedoch fand sich auch schon ein Stein auf dem Röntgenbild. Damals, als wir ein Kontrollröntgen betr. der Dysplasie machten. Alles war übrigens picobello. Jedes Ding, das er verschluckte, kam nach einiger Zeit auch wieder zum Vorschein.

Doch heute nach der Hundeschule schoss er den Vogel ab. Er klaute sich aus meiner Jackentasche einen Handschuh, und würgte ihn in Windeseile herunter. Es war ihm anzusehen, dass der "Händsche" aus Fleece nicht richtig gut herunterrutschte, und ich stand relativ ratlos vor meiner Fellnase. Zum Glück war Hundetrainer Andrea zur Stelle und wusste auch Rat. Er kam mit Acqua Ossigenata herbeigeeilt, verabreichte Tirass einiges davon. Nach einigen Schritten wurde unserem Hund ziemlich übel. Und siehe da, der Handschuh erblickte wieder das Licht der Welt. Ihr versteht, dass ich auf dem Markt neue Hanschuhe kaufen werde.

Nicht allzu gross war unser Schrecken, als wir nach Hause kamen. Wissen wir doch mittlerweile, dass unser Stevo recht waghalsig seiner Arbeit nachgeht. Wenn wir ihn darauf aufmerksam machen, lächelt er nur und meint, das sei schon in Ordnung so. Ich lege euch ein Bild bei, das sagt mehr, als viele Erklärungen. Er ist mittlerweile mit der Arbeit fertig und heil vom Gerüst heruntergestiegen. Was er gemacht hat? Den ganzen Verputz hat er weggenommen, und die schöne, alte Mauer wieder hervorgeholt. So geht es immer wieder einen Schritt weiter zu unserem Ziel, so viel wie möglich das Ursprüngliche des Gästehauses zu zeigen. Im Januar macht Stevo im Innern weiter. Dort ist es glücklicherweise nicht mehr so hoch.

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Signaturen

Ihr glaubt gar nicht, wie viele Unterschriften ich in diesem ersten Jahr im Piemont bereits geleistet habe. Für die Eröffnung eines Bankkontos mindestens 20 Unterschriften. Und wehe, sie ähneln sich nicht – was in Anbetracht der Menge verständlich ist – beginnt man von vorne. Weil sie der gescheite Computer immer wieder vergleicht. Dass es für ein Bankkonto schon die eine oder andere Signatur braucht, ist verständlich. Doch dass es für den Erwerb eines neuen Handys deren acht braucht, dünkte mich schon etwas happig. Der Clou! Mein neues Handy hörte auf eine ganz andere Nummer. Da kribbelt es dann schon etwas in der Bauchgegend. Vor allem, weil wir genau wissen, dass man nicht einfach bei Vodafone hereinspazieren kann, und dann gleich bedient wird. Da kann man getrost sein Nümmerchen am Eingang ziehen, und noch andere Einkäufe erledigen. Eine halbe Stunde wartet man dort locker. Und trotzdem mussten wir uns die alte Nummer wieder zurückholen. Das ging natürlich nur mit einem erneuten Unterschriftenmarathon. Zusätzlich müssen dann immer noch der Codice fiscale, die Kreditkarte und die ID-Karte bereit sein. 

 

Und stellt euch vor, ihr bringt das Auto in die Garage, und bekommt einen Ersatzwagen. Schlüssel in die Hand gedrückt, vielleicht noch rasch das Auto erklärt, und tschüss. Nicht so hier. Nach der Unterzeichnung von drei Formularen und dem Beifügen der Namen, wer denn diesen Wagen auch noch fahren darf, durften wir endlich das Autöchen in Empfang nehmen. Ein Panda, bei welchem man zu uns hoch in jeder Kurve in den ersten Gang schalten musste, um überhaupt unser Heim zu erreichen. Aber gäbig wäre es schon, so ein kleines Poschtiwägeli. Das Zurückbringen erforderte dann wiederum einige Formulare samt Unterschrift.   

 

Ich glaube, Italien könnte man mit Formularen zukleistern. Doch zuerst werden wir eingeschneit, wenn denn die Wettervoraussagen stimmen. Ich werde berichten.

 

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Warme Küche

Der Titel sagt eigentlich alles. Unsere Baustelle in der Küche ist beendet, wir können endlich wieder kochen. Wir wollen aber nicht gemäss dem Sprichwort mit der Tür ins Haus fallen, sondern lassen es langsam angehen. Heute gibt es für mich kleine Artischockenherzen mit Knobauch gebraten und ein Tagliata (Fleisch) dazu. Wo Roberto ist? Der erfüllt sich einen Wunsch, und ist auf dem Weg nach Turin. Zusammen mit unserem Idraulico und seinem Sohn schauen sie sich einen Juve-Match an. Morgen dann gibt es Tajarin mit Albatrüffel. Denn heute war in Acqui Terme Trüffelfest, und wir haben uns einen Trüffel (15 Gramm = 15 Euro !!) gegönnt. Den hobeln wir dann über die piemontesischen Teigwaren. So, nun will ich euch aber unseren chemineélosen Raum nicht mehr vorenthalten, und füge ein paar Bilder bei. A dopo.

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Kalte Küche

Wir haben uns ja darauf gefreut, dass wir von unserer Küche aus nun endlich eine schöne grosse Tür in den angrenzenden Keller erhalten. Ein Jahr lang mussten wir uns durch ein kleines  Türchen bücken, welches unter der Treppe in den Keller führte. Aussenrum war es ein bisschen weit. Wir haben uns das recht einfach vorgestellt. Derweil wir für drei Tage in der Schweiz unter anderem den Geburtstag meiner Schwester feiern würden, legen sich unsere Handwerker so richtig ins Zeug, brechen das Cheminée in der Küche ab, um Platz für die Türe zu machen. Nun, ins Zeug legten sie sich schon, sogar übers Wochenende. Doch das Besprechen, was wir alles gerne hätten, und die Umsetzung sind zwei verschiedene paar Stiefel. Es kommt ganz bestimmt gut, nur dauert es wie gewohnt ein paar Tage länger, als geplant. Tisch und Stühle aus der Küche stehen nun im Wohnzimmer, es sieht aus, als ob wir bereit für einen Auszug wären. Kochen geht nicht, die Küche ist sozusagen staubdicht zugemacht. Notgedrungen gibt es halt kalte Küche bei uns, da häufige auswärts Essen ist nicht so mein Ding. Vor allem auch, weil unser Hund nicht ganz auf dem Damm ist. Er hat heute seine Männlichkeit verloren und ist noch etwas schlapp. Ihr merkt, die Freude ist bei mir im Moment an einem kleinen Ort. Doch, sobald wieder alles an seinem Platz steht, und ich hoch erhobenen Hauptes in den Keller gehen kann, kommt auch die wieder. Und sobald die Arbeiten abgeschlossen sind, verwöhne ich euch mit einer Fotostrecke.

 

Es gibt noch eine zweite Baustelle ganz am Ende des Gästehauses. Dort legen wir die ursprüngliche Mauer frei – sieht schon jetzt recht gut aus.

 

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Bilder sagen mehr als Worte - unser erstes Jahr

Feuer und Staub

Unser erstes Jahr in Montabone scheint eines der wettermässigen Ausnahmen zu sein. Brütend heiss im Sommer ohne jegliche Abkühlung, viel Wind, aber vor allem kein Regen. In der Lombardei und in Teilen des Piemonts wüten seit einigen Tagen Waldbrände. Diese Katastrophe spielt sich zwar rund zwei Fahrstunden von uns ab, macht aber trotzdem betroffen. Vor allem auch, weil die Brände wahrscheinlich von Menschenhand gelegt wurden. Derweil die Menschen in den grossen Städten vom Smog geplagt werden, macht hier die harte Erde den Weinbauern viel Arbeit. So gerade Lorenzo, welchen wir auf dem Nachmittagsmarsch im Weinberg angetroffen haben. Von Hand hackt er die Erde zwischen den Reben auf, für die Maschinen sei diese zu hart. Das tiefe Auflockern ist wichtig, damit der Regen nicht einfach den Hang hinabfliesst, sondern ins Erdreich dringt. Ein Blick auf die Wetterkarte zeigt, dass zwar übers Wochenende leichter Regen erwartet wird, mit einer Wahrscheinlichkeit von 15% - nicht gerade viel. Eigentlich erstaunlich, dass wir immer noch genügend Wasser haben. Es liegt da auf der Hand, dass alles staubtrocken ist.  Aber das ist in Anbetracht, was andere mit dem Feuer erleben, ein kleiner Störfaktor. Sonst herrscht im Moment eitel Sonnenschein, mit klaren Nächten, einem kühlen Tagesbeginn mit einer kalten Nasenspitze beim ersten Spaziergang, und ab und zu leichten Nebelschleiern am Morgen. Der Herbst, für mich die schönste Jahreszeit im Piemont.

Noch ein Nachtrag zum "Amtshund". Tirass haben wir vergangene Woche erfolgreich in Nizza Monferrato registrieren lassen. Das Ganze dauerte 30 Minuten. Und das, weil wir noch auf den Tierarzt warten mussten. Ihm oblag die Aufgabe, den Schlüssel hervorzukramen, den Schrank in unmittelbarer Nähe der Sachbearbeiterin zu öffnen, und das Lesegerät für den Chip hervorzuzaubern. Mit dem nötigen Ernst las er die Nummer des Chip bei Tirass ab, nickte uns kurz zu, und verschwand wieder. Das nenne ich gelebte Aufgabenteilung. Aber egal, wieder etwas erledigt.

 

Zum Naschen verführt

Unsere Fellnase «Tirass» folgt Kater Alex überall hin. Mauzend flaniert er voraus, Tirass folgt in gebührendem Abstand. Und wenn er etwas zurückbleibt, wartet Alex auf ihn. Ein eigenartiges Gespann, denn er darf auf keinen Fall zu nahe an Alex aufschliessen, sonst gibt’s eins auf die Nase. So folgte unser Hund dem Kater vor einigen Tagen die Treppe ganz am Ende des Gästehauses hinauf. Auch die «Schareisen» konnten ihn nicht zurückhalten – das wirklich positive an der Geschichte. Der Weg führte die zwei durch die leider offene Türe hinein in die Loggia, welche zum einen Zimmer gehört. Die Koffer standen gepackt dort parat, darunter auch eine Tasche mit einigen köstlichen Erzeugnisses des Piemonts. Als ich Kater und Hund aufgestöbert hatte, tat sich Tirass bereits an einem kleinen Stück Käse gütlich. Die Salami interessierte ihn überhaupt nicht. Es war dann an mir, den abreisebereiten Gästen zähneknirschend das Missgeschick mitzuteilen. Tirass würde für ein Stück Käse Purzelbäume schlagen. Sie quittierten dies mit einem Lachen und meinten: «Mir hätte ou Tür nid dörfe offe lah». Danke fürs Verständnis.  Alex sass bei dieser ganzen Aktion völlig unschuldig auf dem Treppenabsatz. Wüsste ich es nicht genau, dass er den Hund nicht absichtlich dorthin geführt hätte, ich müsste es anhand seines sooo zufriedenen Gesichtsausdrucks fast annehmen.

 

Zufriedenheit auch bei unserem Nachbarn. Wir ihr sicherlich wisst, gibt es in Italien neben den Strassen immer diese Gräben. Das sind die Ablaufrinnen, wenns regnet. Nun wurde auch in den Rebbergen, die feste Erde aufgelockert, und jeweils gegen diese Strassengräben hin eine Querrinne gegraben. So kann das Wasser einerseits in die Erde eindringen, andererseits auch in die Strassengräben abfliessen. So, und jetzt kommen wir ins Spiel. Natürlich haben auch wir bei unserer Zufahrt so einen Graben, der war voller Laub. Vor zwei Tagen nun haben wir diesen bis weit in die Gemeindestrasse hinauf gesäubert – das Wasser kann kommen. Wir wissen ja kaum mehr, wie sich Regen anfühlt, seit rund einem halben Jahr hat es höchstens mal getröpfelt Nachbar Angelo, welcher gerade beim Holzen war, schaute uns anerkennend zu, und meinte kurz und bündig: «Vuoi siete bravi».

 

 

 

 

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"Amtshund"

Unser "Tirass" muss sich auf der Amtsstelle vorstellen.
Unser "Tirass" muss sich auf der Amtsstelle vorstellen.

Ihr wisst, wir haben seit Juli einen Hund. Er hat all die erforderlichen Impfungen, geht mit uns brav in die Hundeschule und ist ein wirklich netter Kerl. Wir würden ihn nicht mehr hergeben. Wie in der Schweiz, wollten wir vor kurzem unseren «Tirass» auf der Gemeinde anmelden. Doch das ging leider nicht, da er nicht aus dem Piemont selber kommt, und zu allem Übel noch aus keinem EU-Land eingereist ist. Uns wurde ein Fragebogen sowie die Adresse der A.S.L in Nizza Monferrato in die Hand gedrückt, wo wir unseren Vierbeiner registrieren lassen müssen. Natürlich wollen sie auf dieser Amtsstelle diesen auch persönlich sehen. Die werden ja Augen machen. 5 Monate alt, 30 kg schwer, und hat die Grösse von so vielen bereits ausgewachsenen Hunden. So werden wir nächste Woche nach Nizza Monferrato fahren, um «Tirass» offiziell vorzustellen und anzumelden. Nizza Monferrato ist ein nettes Städtchen mit guten Restaurants, da lohnt sich die Fahrt allemal. 

Viele Gäste staunen übrigens, dass wir immer noch mit unseren AG-Schildern herumfahren. Ja, auch das werden wir in den nächsten Tagen ändern müssen – es wird wirklich langsam Zeit. Mitte November reisen wir für zwei Tage in die Schweiz, dann werden wir zusammen mit den Winterpneus auch die neue Nummer am Auto haben. Ihr denkt Winterpneus? Jawohl, wir haben hier vom 15. November bis 15. April ein Obligatorium für Winterpneus. Die Strässchen sind halt gar steil. Ich halte euch natürlich auf dem Laufenden, wie dann das Vorhaben mit den Autoschildern über die Bühne ging.

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Beim Einschlafen denke ich an das Posto

Also es ist so. Wenn ich ausnahmsweise mal nicht einschlafen kann, oder mitten in der Nacht erwache, dann hilft mir vor allem eines: An etwas denken, was jenseits unserer Möglichkeiten liegt. So, dass man so viel Fantasie einsetzen kann, wie man will. Kurz: von etwas träumen, was man eh nie realisieren wird. Auch wenn der Goldesel bei uns Einkehr halten würde, hier hätten wir noch genügend Projekte. Vielleicht wissen die einen oder anderen, was ich meine. Auf Sichtdistanz liegt eben dieses Posto – oder Plätzchen. Ein paar Steine, Ruine wäre übertrieben, thronend über einem Rebberg. Das Gelände dahinter zuerst flach, dann sanft ansteigend. Die Lage ist gut besonnt, Wasser und Strom sind kein Problem. So, und hier setzt dann des Nachts meine Fantasie ein, was man alles auf diesem Posto verwirklichen könnte. Ich sage euch, mir kommen ganz tolle Sachen in den Sinn. Ach so, auch die Aussicht ist sehr schön, in die Täler hinein und auf die Hügel. Weit komme ich mit meinen «Bauplänen» nicht, denn stets werde ich dann vom Schlaf übermannt. 

 

Auf einem unserer Abendspaziergänge mit Tirass erkundigten wir uns bei Nachbar Lorenzo, wem dieses Areal denn gehöre. Das ist im Besitz seines Cousins, welcher das Grundstück schon lange verkaufen möchte. Nur, wir haben ja bereits ein schönes Posto. Und so erinnert mich Lorenzo ab und zu daran, dass ich unseren Gästen dieses Hügelchen doch zeigen möge. Wer weiss, vielleicht hat ja jemand genug Fantasie und trägt sich eh mit dem Gedanken . . . .  Auch mein Nachbar darf sich in Tagträumen ergehen, wie ich in der Nacht.

 

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Für mich etwas vom Schönsten

Das Piemont im Herbst ist für mich etwas vom Schönsten. Ich kann mich kaum satt sehen. Nach den Einkäufen in Acqui kommt es vor, dass ich einfach etwas durch die Hügel fahre, und dabei die Zeit völlig vergesse. Das Licht ist immer wieder anders. Und wenn gegen Abend die Schatten länger werden, dann bin ich hin und weg. Die richtigen Worte finde ich nicht, schaut selbst. Denkt jedoch daran, dass ein Bild die Wirklichkeit nie wiedergeben kann. Es fehlt der Duft, der Wind, und meine Liebe zu dieser wundervollen Gegend.

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Die Duschen habe ich nun unter Kontrolle

Den Gästen sei Dank.

 

Obwohl wir sozusagen das Schlussbouquet noch vor uns haben – bis Ende Oktober dürfen wir noch viele Gäste begrüssen – schauen wir bereits jetzt auf eine tolle Saison zurück. Kaum waren die nötigsten Renovationsarbeiten fertig, die Farbe gerade getrocknet, durften wir unsere ersten Gäste begrüssen. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle, welche uns besucht haben. Jeder einzelne Gast war für uns etwas Besonderes. Welche Präferenzen sie wohl zum Frühstück haben? Ist genug von allem da? Sind wir auch für Spezialwünsche gerüstet? Dieses und viel mehr ging uns jeweils durch den Kopf. Wenn während ein paar Tagen dem Fleisch auf dem Frühstücksbuffet sehr zugesprochen wurde, waren es an anderen Tagen vor allem der Fruchtsalat, das Müesli oder die Käseauswahl. Es gab Tage, da waren die Zöpfchen der Renner, andere Gäste schätzten vor allem die Vollkorn- und Dinkelbrötchen. Aber egal welche Konfi, was für Brötchen oder welche Käsesorte den Vorrang hatte. Alle schätzen unsere Lage, die Ruhe und die Aussicht. «Los, jetzt ghört me gar nüt», hörten wir ab und zu.

 

Nicht dass ihr jetzt etwas mein, man liege bei uns nur faul herum und höre nichts. Mitnichten. Im Piemont gibt es so vieles zu entdecken. Da waren wir der ideale Ausgangspunkt für diverse Touren. Roberto ist für den Besuch der Kellereien der beliebte Reiseführer, kennt er doch mittlerweile so den einen oder anderen guten Tipp, und übersetzt wo nötig bei den Führungen. Ich indessen kümmere mich um die Zimmer, was mir zu Beginn ab und zu eine unfreiwillige Dusche einbrachte. Es ist ja so. Damit die Schiebetüren bei der Dusche wieder Tropfenfrei sind, muss man sie logischerweise von innen putzen. Und da passierte es halt schon, dass beim Bücken der Duschhahn aufgedreht wurde. Mittlerweile habe ich alle Duschen im Griff und brauche keine Unterbrüche mehr, um mir die Haare zu trocknen und mich umzuziehen.

 

Auch wenn wir zwei in vielem etwas Routine bekommen haben, bringt jeder Tag etwas Neues. Oft sind es Kleinigkeiten, aber wichtig genug, um keinen Alltag aufkommen zu lassen. Der Gast bestimmt unseren Tagesablauf, obwohl wir ja eigentlich «nur» ein B&B sind. Aber wenn wir schon da sind, können wir, wenn gewünscht auch einen kleinen Apero servieren. Nicht nur Schlafen und z’Mörgele soll man bei uns gut, sondern sich schlichtweg rundum wohl fühlen. Ich hoffe, dass uns dies bis jetzt gut gelungen ist.

 

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Wir haben nicht nur das Renovieren im Kopf

Heute werden wir noch einmal mit einem sommerlichen Tag belohnt. Wohl einer der letzten Einträge in diesem Jahr, welchen ich draussen unter der Pergola schreiben kann. Vis-à-vis sitzt Robertos Vater, welcher die von Vico gebrachten Barbera-Trauben bereit für die Konfipfanne macht. Nebenan im verdorrten Rasenstück liegt Tirass, in das Knabbern eines «Ochsenschuhs» vertieft. Ja, man könnte fast sagen: Idylle pur. Roberto? Der geniesst ein paar ruhige Stunden vor dem Fernseher mit Fussball.

 

Wie bereits geschrieben, sind wir mitten in der Planung, was wir über die Wintermonate alles machen wollen. Neben den baulichen Vorhaben gibt es aber noch anderes. So mit Tirass ans Meer fahren, im November in der Schweiz den Geburtstag meiner Schwester feiern, im Dezember während zehn Tagen in der Schweiz weilen. Dann nämlich, wenn Roberto und ich unseren Sechzigsten feiern werden. Dieser Aufenthalt wird sich für uns wie Ferien anfühlen, wir haben uns auch eine Ferienwohnung gemietet. Ich bin wirklich gespannt, wie es sein wird. Endlich hat es auch mit dem Hüten unseres Hauses geklappt. Als die Zusage kam, fiel mir schon ein rechter Brocken vom Herzen. So kurz vor Weihnachten war es auch echt schwierig, jemanden zu finden. Wir wollen einerseits das Haus nicht so lange unbeaufsichtigt lassen, andererseits muss die Pellet-Heizung ab und zu gefüttert werden, und auch Kater Alex schätzt regelmässige Fütterung und Streicheleinheiten.

 

Nächstes Mal gibt es eine kleine Rückschau auf unsere erste Saison. Kurz zusammengefasst: Es waren unglaublich spannende Monate, wir haben sehr viel erlebt.

 

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Die Ruine

Unser Gäste haben sie schon gesehen, die Ruine von nebenan. Nchts Ungewöhnliches in dieser Gegend. Jedoch habe ich den Eindruck, dass das Umgelände vom Besitzer Angelo speziell gepflegt wird. Er war während der Sommermonate abwesend, und wir haben ihn  ziemlich vermisst, da er immer ein Liedchen pfeifend an der Arbeit ist. Nun ist er zurück, und kommt Tag für Tag vorbei, um sich um die Ruine zu kümmern. Es ist übrigens nicht ratsam - das habe ich wahrscheinlich schon erzählt  - ihn nach einem Verkauf zu fragen. Da reagiert er ziemlich ruppig. Denn dies ist sein Elternhaus, und er hat wohl viele glückliche Augenblicke dort verbracht. Mit den folgenden Bildern versuche ich zu zeigen, dass auch eine Ruine etwas Besonderes sein kann. Vor allem, wenn man bedenkt, was man an diesem Platz so alles machen könnte . . .

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"Es herbschtelet"

Man spürt es überall. Im milden Lüftchen weht neu ein frisches mit. Die Tage werden kürzer, die Temperaturen sinken in der Nacht auf angenehme Schlaftemperaturen. Langsam verfärbt sich die Landschaft um uns herum. Sicher auch wegen des fehlenden Wassers. Aber es ist vor allem der Herbst, welcher Einzug hält. Das erfüllt mich mit etwas Melancholie. Vor allem, wenn dann am frühen Morgen leichte Nebelschwaden durchs nahe Bormidatal ziehen. Melancholie darum, weil ich ja genau weiss, dass es nun einige Monate dauern wird, bis ich wieder über die Sommerhitze schreiben darf. Jedoch, es ist etwas Klagen auf hohem Niveau. Denn tagsüber haben wir immer noch so rund 25 Grad. Und bis zur nächsten Sommerhitze haben wir noch sehr viel vor. Da sind einerseits unsere "Herbstgäste" welche aktuell die internationale Käsemesse in Bra besuchen wollen, sich auf die Trüffelsaison freuen, bei nun angenehmen Temperaturen die nahen Städte besichtigen wollen, oder ganz einfach hier bei uns zur Ruhe kommen möchten. Eine ideale Zeit, um all das zu tun.

Und wir? wir schauen etwas weiter in den Herbst - sogar Winter - hinein. Es gibt viel  zu tun, was wir vor der Saison nicht machen konnten. Da wären da zwei Zimmer, welche renoviert werden, der Laubengang hinter unserem Haus, der eine Verglasung bekommt, der grosse gedeckte Sitzplatz, bei welchem ein Windschutz angebracht wird . . .  etc. Und das alles in relativ kurzer Zeit. Denn nicht nur wir sind im Dezember ausser Haus, auch unser Stevo macht eine kleine Winterpause. All diejenigen, welche sich fragen, ob es uns im Winter nicht langweilig werde, können beruhigt sein. Uns wird die Decke definitiv nicht auf den Kopf fallen - ausser, die Handwerker machen was falsch. Genaueres über unsere Vorhaben folgen demnächst. Nun gibt es noch ein paar herbstliche Bildeindrücke. Ach ja, so wegen Herbst. Da ist immer wieder mein Lieblingsgedicht präsent. Es ist "Herbsttag" von Rainer Maria Rilke, und lautet:

 

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

 

Ich wünsche euch allen schöne Herbsttage.

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Ein besonderer "Zmorge"

Gestern war die Autorin Susanne Gantner auf der Durchreise bei uns zu Gast. Sie feiert mit ihrem Erstling "Mit spitzer Nadel" ausserordentliche Erfolge. Bereits steht der zweite Krimi kurz vor den Abschluss, er wird Anfang 2018 erscheinen. Unsere Gäste kamen jedoch bereits in den Genuss einer Lesung aus dem zweiten Wurf der Autorin. Der Krimi trägt den Titel "Ein Gloria zum Sterben". Gebannt lauschten wir nach dem Frühstück Susanne Gantners  Stimme, sie machte uns so richtig gwundrig auf ihr neues Werk. Das Buch wird ganz sicher die Bibliothek in der Casa Fossello bereichern. 

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Teilen

Wir lernen es ja schon als Kinder, dass Teilen etwas Schönes sein soll. "Geteilte Freude ist doppelte Freude" und so. Aber manchmal fällt es sehr schwer. Es ist so: Wir haben einen Feigenbaum, welcher im Augenblick herrlich süsse Früchte trägt. Die Krux daran ist, dass dieser Baum an einem Steilhang steht, wir also fast nicht, oder nur mit akrobatischer Einlage, an die Früchte herankommen. Für Roberto kein Problem, der lässt die süssen Feigen gerne an Ort und Stelle, er hat sie nicht gerne. Aber ich umso mehr. Die Leiter kann man nicht recht oder sicher anstellen, deshalb behelfe ich mich mit einem Regenschirm, dessen Handgriff ich dazu benütze, um die Äste an mich heranzuziehen. Natürlich ist die erste Feige kaum geerntet schon verschwunden, sie sind einfach soooo guet. Aber unten am Baum wartet noch jemand anderer, welcher fürs Leben gerne Feigen hat. Unser Tirass. Er hat inzwischen auch bemerkt, dass die frisch gepflückten besser sind, als die, welche am Boden liegen. Und euch geht es wahrscheinlich auch so, man kann einem Hundeblick einfach kaum widerstehen. Deshalb teile ich meine inzwischen mager gewordene Feigenernte redlich mit ihm. Ein besonderer Augenblick, so feigenschmatzend mit meinem Hund in die weiten Hügel blickend dazusitzen.

"Es Chischtli für üs"

Die Lese für den Brachetto, den Chardonnay und Moscato ist in vollem Gange. Noch bevor es richtig hell wird, hört man die Traktoren gehn Rebberge rattern. Während Moscato und Chardonnay doch bei den meisten geläufige Sorten sind, so ist dies wahrescheinich beim Brachetto d'Acqui etwas anders. Sehr einfach ausgedrückt, ist dies der rote Bruder des Moscato d'Asti. Nur nicht so bekannt, und ihm sind regional sehr starke Grenzen gesetzt. Breits im April findet in Aqui das Brachetto-Fest statt. Wie der Moscato wird er leicht gekühlt getrunken, und schmeckt eigentlich hervorragend. "Eigentlich", weil ich die süsslichen Weine nicht so gerne mag. Jedoch, die Traube selber ist für den Verzehr wunderbar, "unser" Weinbauer Vito aus Montabone brachte uns vor wenigen Tagen ein Kistchen dieser Trauben vorbei. Nun sind die, welche wir nicht sofort assen, entweder in Konfigläser gefüllt, oder getrocknet im Grappa eingelegt. Letztere in einigen Wochen mit einer feinen Glace Fior die latte serviert - ein Gedicht.

Wie es scheint, findet am Freitag der Sommer ein - vorübergehendes - Ende. Endlich ist etwas Regen in Aussicht. Wenn ich unseren Tirass nach einem Spaziergang so anschaue, könnte man glatt meinen, wir wären am Strand entlang marschiert. Er ist voller Sand und Staub. Die Dusche danach ist nicht so sein Ding. Gerade ist er dabei, mein Sitzkissen anzuknabbern. Ich werde mal das letzte Ründchen für Heute mit ihm drehen. Doch zuerst ein paar Bilder der Lese und meiner liebsten Stimmung, das letzte Abendrot.

 

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Siesta

Auch in der Schweiz wäre man diesen Sommer sicher froh, wenn die Siesta sozusagen zum Kulturgut des Landes gehört. Wir halten uns nach Möglichkeit strikt daran, denn schliesslich will man als Ausländer nicht auffallen. Das gelingt uns ganz gut, zumal ja auch die Geschäfte – bis auf die Supermärkte - zwischen 12.30 und ca. 15.30 Uhr geschlossen haben. Und als die Temperaturen über 40 Grad kletterten, blieb einem gar nichts andere übrig, als sich drinnen in der Kühle auszuruhen. Das «Leben» verschiebt man in die frühen Morgen und späteren Abendstunden. Auch unser Landwirt vis-à-vis handhabt das so. Er pflügt den Acker morgens um fünf Uhr, oder abends bis um 24 Uhr. Jetzt hat er sein Werk nach Tagen beendet. Nun hört man bereits frühmorgens Stimmengewirr aus den Rebbergen, die Lese hat begonnen. Von Zufrieden bis Missmutig haben wir schon alle Stimmungen aufgenommen. Sosehr man den Regen begrüssen würde, im jetzigen Zeitpunkt, so hat man uns gesagt, wäre es eher schlecht. Die Aussichten lassen auch kein Nass erwarten.

 

Aber ich bin etwas abgedriftet. Zurück zur Siesta. Auch bei den Gästen pflegt man bereits nach kurzer Zeit die südländische Gewohnheit, zieht sich in den Nachmittagsstunden zu einem Päuschen zurück. Ausser eine Führung in einer Kellerei wurde etwas früh angesetzt. Jedoch es geht klimatisiert die kurze Strecke, und in einem unserer bevorzugten Kellereien ist es teilweise 12 resp. 14 Grad. Ich verrate euch gerne die Webadresse, einfach so zum Schnuppern (www.coppo.it). Feiner Wein und vor allem sehr guter Spumante. Man reagiert übrigens etwas verschnupft, wenn man an der Degustation nach einem Prosecco fragt. Dieser Spumante braucht zwischen 3 und 7 Jahre, bis er präsentiert wird. Und es sind wirklich gute Tröpfchen.

 

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Hundstage

Bekanntlich wird der Sommerabschnitt von Ende Juli bis Ende August als die Hundstage bezeichnet. Bei uns völlig zutreffend. Zum einen war es während rund 10 Tagen 40 Grad, teilweise sogar darüber – und dies am Schatten. Zum andern hielt Tirass bei uns Einzug.  Wochen, in welchen wir stark gefordert wurden. Sei es mit Geduld, oder mit Kraft. Denn unser Welpe, gerade mal 3 Monate alt, wiegt schon 15 kg. Anfänglich ging das noch, weil er es noch nicht wagte, alleine in das obere Stockwerk zu gehen. Nun, ein paar Wochen bei uns, und Tirass ist schon sehr mutig geworden, ergo treibt die Neugier ihn auch ein Stockwerk höher. Nur runter, das ist etwas schwierig. Anfänglich trugen wir ihn wieder runter, aber mittlerweile dankt es unser Rücken, dass wir das nicht mehr tun. Und Tirass versuchte es tapfer selber. Da kommt das Hinterteil manchmal vor den Vorderpfoten. Mit Leine und gutem Zureden nimmt er nun langsam Tritt für Tritt – ein gescheiter Hund. Mit Kater Alex geht es schon recht gut, er folgt Tirass wie ein Schatten. Wehe aber, wenn der Hund zu nahekommt, dann wird leise gefaucht. Ich habe das Gefühl, lediglich um die Form zu wahren.

 

Immer noch ist Tirass die Sensation, wenn wir ins Einkaufszentrum, in die Stadt oder ins Restaurant gehen. Und auch schon ist uns passiert, dass im Einkaufszentrum plötzlich jemand «Tirass» rief. Da seht ihr nun, welchen Stellenwert wir hier einnehmen.

 

Zum Glück sind die Temperaturen mit rund 30 Grad wieder im Normalbereich, und auch die Nächte sind mit rund 20 Grad wieder angenehm kühl. Tja, man wird bescheiden in den Ansprüchen. Und der Regen? Der lässt immer noch auf sich warten. Ab und zu ein «Sprutz» aber das war es denn auch schon. Mittlerweile türmt sich unser Schnittgut in der Verbrennungsstelle. Wir wagen es nicht, dieses anzuzünden. Wobei wir am frühen Morgen da und dort ein Räuchlein aufsteigen sehen. Aber das sind Einheimische, das haben die – hoffentlich – besser im Griff.

 

Morgen beginnt für uns sozusagen wieder die Saison, wir haben wieder volles Haus. Natürlich gibt es immer wieder ein paar Tage, wo noch ein Zimmer frei ist. Einfach probieren, wer sich spontan für einen Besuch entscheiden sollte. Ich war im Herbst selten im Piemont, aber ich kann mir gut vorstellen, dass, wenn sich die Reben herbstlich verfärben, es eine Augenweide sein wird. Kommt der Trüffel, der Käse und alles andere Feine aus der piemontesischen Küche dazu.

Da fühlt man sich gleich wie "Gott in Frankreich". Was nicht ganz von ungefähr kommt, denn das Piemont gehörte früher zu Savoyen. Das erklärt wohl den Ausspruch. Denn ich selber habe in Frankreich noch nie so köstlich gegessen, wie im Piemont. Aber das kann der eine oder andere auch anders sehen.

 

Wildschweinjagd

Eigentlich ist es ein Glück für den heutigen Blog, dass heute Morgen die Wildschweinjagd begonnen hat. Denn sonst hätte ich meinem  Ärger über den fehlenden Kundenservice bei grossen Unternehmungen Luft gemacht. Es ist so: seit rund drei Wochen ist unser Backofen ausser Betrieb. Man versprach uns, das defekte Teil zu bestellen. Nach zwei Wochen war dieses dann in Asti vor Ort. Nun meint ihr vielleicht, der Techniker käme vorbei, um dies einzubauen. Weit gefehlt, es kam lediglich ein Chauffeur, welcher unseren Backofen - nach zwei Wochen! - abholte. "Den sehen wir nie wieder", meinte ich verärgert. Sehen tun wir den Ofen schon wieder, aber wann? Ihr wisst, es ist August, und in genau dieser Woche ist Ferragosto. Das heisst, es ist niemand mehr in den grossen Betrieben ume. Ich rechne grosszügig und bin zufrieden, wenn unser Backofen so Anfang September retourniert wird. In der Zwischenzeit kaufen wir uns einen Ersatz. Den irgendwann wird der eine oder andere seinen Dienst wieder versagen, und dann sind wir, wie man so schön sagt, putzt und gstrählt. 

Noch ein zweites Ferragosto-Müsterchen? Bittesehr. Unser Internet gab am Donnerstag seinen Geist auf. Auch schon passiert. Dann haben wir einfach den Stecker gezogen, wieder reingesteckt, und alles lief wieder bestens. Doch dieses Mal wollte es einfach nicht klappen. Die Hotline war ständig besetzt, und auf allen anderen Nummern meldete sich niemand - Ferragosto. Roberto wurde nun doch langsam etwas hässig, stieg ins Auto, um im Geschäft in Acqui Terme nachzufragen. Sie ahnen es: es war zu infolge Ferragosto. Wir waren jedoch in guter Gesellschaft, quer durch Italien funktionierte das Internet von EOLO nicht mehr. Mittlerweile geht auch das wieder, aber nur Dank der Unterstützung von Lorenzos Sohn, der ist ein IT-Fachmann. Man musste nämlich mithilfe der Passwörter und einem angeschlossenen PC den ganzen Zauber wieder starten. Kurz gesagt: Wir haben den Alltag Italiens hautnah zu spüren bekommen. Und wenn man meint, es käme eine Ansage per Telefonbeantworter, oder am Geschäft sei irgend was angeschrieben. Fehlanzeige. Zu ist zu, fertigschnätz.

Zurück zum Thema, der Wildschweinjagd. Das Feld weit unter uns treibt einem Landwirt sicher die Tränen in die Augen, das Maisfeld ist total verwüstet durch die Wildschweine. Heute nun hat die Jagd auf diese begonnen. Bis Ende September erleben wir diese am Samstagabend, Sonntag und Mittwoch hautnah. Denn sie halten sich vorwiegend in unserem Gebiet auf, die Jäger und Wildschweine. So haben wir vor unserem Tor einen veritablen Wagenpark der Jäger, und dass sie nicht um unser Haus herumgehen müssen, haben wir ihnen die Tore geöffnet. Ein herzliches Dankeschön und ein feiner Roero Arneis folgten. Es ist schon ein etwas komisches Gefühl, wenn man von unserer Kanzel aus auf der Strasse vis-à-vis eine Reihe Jäger sieht, und um unser Anwesen sich einige tummeln. Ich bin auf die weiteren Jagdtage gespannt. Heute betrug die Ausbeute zwei Wildschweine.

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NO!!!

Bevor ich zum eigentlichen Thema komme noch der Hinweis, dass unter der Rubrik "Rezepte aus unserer Küche" endlich wieder einmal etwas dazugekommen ist.

Heute möchte ich über zwei "No's" berichten. Das eine ist sehr ärgerlich, und es wäre eher ein "Ou neiii". Es geht um unseren Backofen. Vor fast zwei Wochen versagte das gute Ding seinen Dienst, rasch war der Techniker informiert, der versprach, innert Wochenfrist den Schaden zu beheben. Seit diesem Versprechen ist es mehr als ruhig rund um den Techniker. Und wie bereits geschrieben, versagt der Ersatzbackofen bei der Unterhitze seinen Dienst. Ich, ansonsten in solchen Dingen eher in der ruhigen Ecke anzusiedeln, rege mich nun schon etwas auf. Wir haben gefühlte 10 Nummern zum Anrufen, doch nirgends wollte man zuständig sein. Aber oh Wunder, Roberto entdeckte auf dem Servicevertrag noch ein weiteres Nümmerchen. Und siehe da, die nette Dame wusste, dass übermorgen der Techniker zwischen 9 und 16 Uhr bei uns vorbeikommt. Ich zweifle zwar noch etwas, dass es dann auch wirklick klappt.  Damit jemand da ist, gehe ich alleine mit unserem Tirrass in die Welpenschule. Wobei wir beim zweiten "No" angelangt sind.

Unser Hund wird in italienischer Sprache erzogen. Wir wollen den Kleinen mit einer zweiten Sprache nicht überfordern. Bei mir spielt das ja nicht eine so grosse Rolle betreffend der Überforderung. Ich muss bei den Ausführungen des Lehrers jeweils wie ein Schiesshund aufpassen, dass ich alles recht verstehe. Dieser kommt aus Rom, spricht sehr schnell, und für mich manchmal nicht ganz verständlich. Bis jetzt war Roberto immer dabei, und sprang ein, wenn ich nicht alles verstand. Nun, morgen Mittwoch bin ich mit meinem Vierpfoter auf meine zwei eigenen Beine gestellt. Er kann schon "vieni, sede, terra" fehlerfrei, und durch die Röhre - Tubo - springt er mit grosser Freude. Ebenso macht ihm die Wippe keine Mühe. Wenn am Ende eine Belohnung wartet, macht unser Tirass fast alles. Aber zurück zum "No". Wenn man einen Hund fragen würde, welches Wort er in seinen ersten Monaten am meisten hört, so würde er bestimmt das No nennen. So vieles darf der Kleine, welcher mal riesengross sein wird, nicht. Die Polstergruppe ist tabu. Sie darf auch nicht angeknabbert werden. Beim Spaziergang nicht alles in den Mund nehmen, beim Spielen nicht beissen, das Katzenfutter in Ruhe lassen, nicht auf den Rasen - wenn auch mittlerweile völlig vertrocknet - pinkeln . . . . . Die Liste kann beliebig erweitert werden. Aber es klappt schon recht gut, und wir würden ihn nicht mehr hergeben. Sie wissen schon, die Hundeblicke, das Herumtoben mit ihm, seine Freude, wenn er uns sieht. Auch hier ist die Liste lang und wird immer länger. Heute Abend geht es mit ihm in die Stadt unter die Leute, und morgen gibt es bei einem Fest jede Menge Sozialkontakte - andere Hunde - für ihn.

Neun Uhr, 32 Grad

«E fresca oggi», rief mir gestern unser Nachbar Lorenzo mit einem breiten Grinsen und zwei Strohballen in der Hand zu. «Si, e un vento fresco», rief ich zurück. Reines Wunschdenken von uns beiden. Die Temperaturen erreichen im Schatten lockere 40 Grad, und auch jetzt, um halb Neun Uhr, zeigt das Thermometer noch 32 Grad. Dazu bläst ein warmer Wind, welcher alles austrocknet. Wobei wir es hier oben noch gut haben, in Acqui Terme selber ist es noch heisser.  Die Wäsche trocknet an der Leine zwar in Windeseile, doch sie aufzuhängen ist etwas happig. Neben Katz und Hund schätzen auch die Insekten die grosse flache Schale mit stets frischem Wasser draussen. Während Alex sich sehr vornehm den Durst löscht, steht Tirass mit allen Vieren rein und «götscht» so richtig darin herum.  

 

Der 1. August ging natürlich auch bei uns nicht ganz spurlos vorüber, jedoch weit ab von jeglicher Knallerei. Zusammen mit den Gästen genossen wir den Nationalfeiertag ohne Schwefelrauch mit einem feinen Essen draussen vor dem Weinkeller.

 

Bereits in einer Woche beginnen die Weinbauern mit der Lese der ersten Traubensorte. Und ich Grünschnabel habe immer gemeint, das passiere so etwa im Oktober. Ein Blick in die Rebberge beim morgendlichen Spaziergang zeigen reich behangene Stöcke. Obs ein guter Jahrgang wird? Keine Ahnung, ich werde bei Gelegenheit bei Vico nachfragen.

 

Ein Blick auf die Wetterapp zeigt, dass es in den nächsten Tagen etwas kühler – so um die 35 Grad – sein wird, bevor es an Ferragosto wiederum so richtig einheizt.  Ja, Ferragosto erlebe ich dieses Jahr zum ersten Mal hautnah. In dieser Woche um den 15. August sind wohl die meisten Italiener in den Ferien. Jedoch, so habe ich gelesen, seien sie nicht die grossen Reisenden, sondern verziehen sich im eigenen Land an den Strand oder in die Berge. Die Auswahl ist ja reichlich.