Günther

Günther haben wir von den Vorbesitzern der Casa Fossello übernommen. Er wurde nicht aktiv in das Uebernahmeprotokoll wie etwa die Betten, die Nachttische, die Tische oder Stühle übernommen, er war einfach da. Etwas blass stand er mal dort, mal hier. Er war und ist so durchscheinend und nichtssagend, dass man ihn glatt übersieht  - vor allem, wenn man nach ihm sucht. Denn, wenn wir ihn brauchen, dann dringend. "Weisch du, wo der Günther isch?" meine schon fast verzweifelte Frage gestern. "Nei, i ha ne vor es paar Tag im Chäller gseh", gab Roberto zur Antwort. Zum Glück für euch reden wir immer noch Schweizerdeutsch miteinander, sonst müsste ich das hier direkt übersetzen. Aber zurück zu Günther. Vor allem, als wir unseren Keller ausräumen mussten, da wir alles mit Plattenboden versehen wollten, war Günther für einige Zeit unauffindbar. Zuletzt haben wir ihn an seinem angestammten Ort vermutet, aber infolge der Züglete wurde er ohne Murren seinerseits an einem anderen Ort deponiert. Ihr werdet vielleicht denken, dass wir nach ihm rufen könnten. Doch Günther ist weder eine Katze noch ein Hund, er steht einfach nur so rum. Und wenn er einen Duft von sich lässt, dann liegt das in unserer Verantwortung, er kann rein gar nichts dafür. So suchten wir gestern wieder einmal nach Günther. Und siehe da, Roberto fand ihn fast auf Anhieb. Er war da, wo er eigentlich schon immer stand, auf dem Regal in unserem neuen Keller. Günter ist wirklich sehr blass, ja schon fast wässerig, aber hat so um die 65% Alkoholgehalt. Und das nicht nur vorübergehend, sondern für immer. Na ja, bis die Flasche halt leer ist. Und duften tut er nur dann, wenn wir den Deckel nicht richtig auf die Flasche schrauben. Aber Günther leistet uns gute Dienste, wenn wir etwas entfetten müssen. Ob es ein Badezimmerplättli ist, um einen neuen Seifenhalter zu montieren, oder wie gestern, als wir unsere neue Beschriftung vor dem Haus auf eine Holzplatte kleben mussten.

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