"Il Belpaese" hätte es verdient

In letzter Zeit werden wir immer wieder aus der Schweiz angefragt, wie denn die Situation in Italien sei.  Anfänglich haben wir etwas erstaunt darüber reagiert. Wir waren der Meinung, dass man doch sehr gut informiert sei. Doch, wir sind seit Juni mittlerweile zum zweiten Mal im Wallis in Kurzferien, sind wir eines anderen belehrt worden. Keine Information über den Belpaese, höchsten im Fernsehen Reklame über Oesterreich. Da sind wir doch etwas konsterniert, weil – aktuell – sind die Fallzahlen in Italien besser als in der Schweiz; gemessen an der Bevölkerung. Hat das System? Steckt da Kalkül dahinter? Wenn ja, ist das sehr schade, dass man mit dieser Fehl-, Falsch- oder gar keiner Information die Bevölkerung im Land behalten will. Haben denn die Eidgenossen keine Angst vor den Touristen aus dem Ausland? Da atmen Belgier, Holländer, Franzosen, Deutsche, Italiener und viele mehr die gleiche Luft ein und aus wie die Schweizer. Ob im Einkaufszentrum, in der Seilbahn, im Restaurant etc. Und ja, im Restaurant gelten ja anscheinend kaum mehr Einschränkungen. In Italien? Da ist man nach wie vor sehr vorsichtig. Seit Wochen sind wir auf stets gleich tiefem Niveau. Natürlich tragen wir Masken im Einkaufszentrum und im öv. In den Restaurants gilt immer noch die Zweiertischregelung – ausser bei Familien. Bei Freunden wird ein grösserer Tisch beispielsweise für 4 Personen mit gebührendem Abstand angeboten. Immer noch nah und gemütlich. Ebenfalls bleiben die Discos und Clubs bis auf weiteres geschlossen.

 

Nochmals zur Erinnerung; Italien hat wohl den härtesten Lockdown in Europa durchgemacht. Es war kein Spaziergang. Ueber zwei Monate waren Millionen von Menschen in ihren Wohnungen eingesperrt, nur eine Person durfte nur mit Zertifikat für die ganze Familie einkaufen gehen. Die Kinder? Ueber zwei Monate in ein und derselben Wohnung. In Wohnungen, welche einerseits klein, und anderseits kaum Balkone haben. Viele jedoch haben in den Hügeln Zweitwohnungen etc. Doch diese durften erst nach zwei Monaten wieder besucht, und die Gärten bewirtschaftet werden.

 

Und nun, nachdem das italienische Volk mit so viel Disziplin nach dem Lockdown die Zahlen auf ein sensationell tiefes Niveau gebracht hat? Da schweigen die Nachbarländer. Die Länder, welche es nicht versäumt haben, die Bilder von Bergamo immer und immer wieder in den Zeitungen abzudrucken, oder über den Bildschirm flimmern zu lassen. Da frage ich mich als Journalistin: wo ist da die gerechte Berichterstattung? Ausser den «Abgesang Italiens» lese ich keine einzige erfreuliche Zeile. Die Italiener hätten indes Applaus, ein Chapeau und viele Reisende in dieses wunderbare Land verdient.

 

Wir durften seit Mitte Juni bereits einige Gäste bei uns begrüssen, wir haben uns riesige gefreut. Und alle haben sich sicher und sehr gut aufgehoben gefühlt. Abschliessend noch eine Reaktion einer unsere Gäste:

 

«Kei Tag vergoht ohni en Rückblick uf die letschti Wo. Mer händ eus so sicher gfüehlt. Mer händs gnosse  vom morge bis am obe. Shoppe , Wydegustation, Käffele. Mer händ glücklechi Mensche,  ob ide Stadt oder ufem Land, dörfe erlebe. Ond au met wenig italienische Kenntnis hämmer do und det en Schwatz duregfüehrt. Freue eus scho ufe September.”

Noch nie, und wahrscheinlich nie wieder wird man so viel Platz an den Stränden haben, oder die Sehenswürdigkeiten in den Städten so ruhig besichtigen können – nutzen Sie die Möglichkeit.

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Kommentare: 4
  • #1

    Cornelia Gygax (Dienstag, 07 Juli 2020 00:00)

    Liebi Bea du hesches uf e Punkt brocht sehr guet gschrebe. Ich frog mech au wieso sech alli so still verhalte. Send nur negativi Ereignis „Sehen-und Hörenswert? Als riesegi Italieliebhaberin stemmt s au mech sehr truurig. Ich setze mich i wo s nume got das Land is positive Liecht z rücke. Mer gänd ned uf . Lg.

  • #2

    Esther Berner (Dienstag, 07 Juli 2020 15:50)

    Ich kann euren Frust gut verstehen. Ausländischen Touristen sind aber auch in der Schweiz zurzeit nur spärlich unterwegs. Und die Schweizer halten sich offenbar an die schon früh bekannt gemachten Empfehlungen, diesen Sommer am besten gar nicht ins Ausland zu verreisen und haben schon längst umdisponiert. Oder der Gürtel wird bereits enger geschnallt, aufgrund einer Veränderung der persönlichen Arbeitssituation. Dass das Ganze aber System haben könnte, kann ich mir nicht vorstellen. Inzwischen ist es wohl eher dem Unvermögen resp. der Überforderung der Verantwortungsträger zuzuschreiben, dass schlecht oder gar nicht informiert wird. Gestern Abend hat das SRF berichtet, dass in Kloten eintreffende Fluggäste bislang weder vom Bund noch von den Fluggesellschaften informiert worden sind, wo sie sich melden müssen oder welche Massnahmen sie in der Schweiz von sich aus ergreifen müssen. Bei uns gilt: Ob Ein- oder Ausreisender - jeder ist selbstverantwortlich und auf sich gestellt. Ich hoffe natürlich für euch, dass ihr doch noch von ein paar spontanen Buchungen werdet profitieren können.

  • #3

    Bernadette Hausmann (Dienstag, 07 Juli 2020 22:47)

    Liebe Bea
    Ja dieses Coronavirus setzt uns allen zu, es verunsichert uns auch immer wieder und auch wir haben unsere geplanten Ferien auf nächstes Jahr verschoben. Niemand will sich zu nahe kommen, allerdings ist die Maskenpflicht in den ÖV gut angelaufen; die Schweizer können’s also doch!
    Über Italien wird aber nicht nur negativ berichtet, habe gelesen, dass man doch die Städte und Sehenswürdigkeiten jetzt besuchen soll, da viel weniger Leute unterwegs sind und man es so geniessen kann. An einen Badestrand würde ich aber sicher nicht gehen und im Urlaub möchte ich nicht unbedingt Maske tragen, allerdings wissen wir nicht was die Zukunft bringt. Vielleicht gehört das Masketragen bald zu unserem Alltag!!
    Alice und Hans haben nach euch gefragt, wer weiss, vielleicht wagen wir im Herbst doch noch eine Reise nach Montabone. Wir kommen gerne wieder, wann steht noch in den Sternen ✨ Alles Gute für euch und liebe Grüsse.

  • #4

    Verena und Manfred Körbs (Donnerstag, 09 Juli 2020 15:14)

    Der Bericht wurde sehr gut verfasst. Wir Schweizer könnten noch viel von den Italiener lernen. Hut ab! Wir freuen uns sehr auf die Piemonterwoche im September.
    Verena und Manfred aus Basel