Woche fünf und sechs

Derweil Roberte sich einen Fussballmatch aus früherer Zeit - 2006 Halbfinal Deutschland-Italien an der WM- anschaut, versuche ich, mich nicht allzu sehr über das Gebahren einiger weniger Eidgenossen aufzuregen. Seit vier Wochen herrscht bei uns absolute Stille. Höchstens am frühen Morgen - wenn ich mit dem Hund auf Tour bin - wird diese unterbrochen durch Lastwagen, welche im Tal auf der Hauptstrasse von und nach Acqui Terme fahren. Ab und zu ein PW, aber der Fahrer muss wohl zur Arbeit. Ehrlich, ich staune über die Disziplin der Italiener. Ich kann es zwar nur für unsere Region beurteilen, aber die ist musterhaft. Die Ausgangssperre ist ein eklatanter Eingriff in die Bewegungsfreiheit. Vor allem in den Städten ist dies wahrscheinlich schwer auszuhalten. Aber es funktioniert, und viele Stimmen haben sich via den sozialen Medien zu Wort gemeldet mit dem Aufruf, die kommenden zwei Wochen noch auszuharren. Chapeau den Italienern. Und die Zahlen lassen hoffen.

Heute beispielsweise war ein wunderbarer Frühlingstag. Ach was sage ich, es war bereits etwas Frühsommer in der Luft. Unter uns im Tal die Strasse, welche normalerweise in dieser Zeit von Motorradfahrern massenhaft befahren wird. Heute? Kein Ton. Und ich bin sicher, dass diesselbe Disziplin am kommenden Osterwochenende herrscht. Diese Nation, welche sich - nach Meinung von uns Schweizern - nicht allzu streng an das Gesetz hält. Aber, die Italiener wollen endlich aus der Ausgangssperre raus. Und das geht nur, wenn man sich im Moment wirklich daran hält.

Und genau das scheinen viele in der Schweiz nicht zu wollen. Die Zahl der Unfälle, Toten und Verletzte auf der Strasse, unterscheidet sich kaum von einem x-beliebigen Wochenende früher. Wir nehmen hier einen Teil der Schweizer Bevölkerung wahr als zwängelnde Kinder. Ist es denn so schwierig, für einmal auf den Ausflug zu verzichten. Ich weiss, viele sind der Meinung, da wo sie hingehen, sei sowieso keine Menschenseele. Die Bilder, welche heute in Umlauf waren, erzählen vom Gegenteil. Auch ich befürchte nicht, dass der Virus bei mir grossen Schaden anrichtet, aber das ist nie und nimmer ein Grund, weshalb ich mich nicht an die Empfehlungen des Bundesrates halten möchte - hier sind es Verbote mit Androhung von hohen Bussen oder Gefängnis. Aber wollen die Unbelehrbaren wirklich, dass ihre Partner, Eltern und Grosseltern länger als nötig in ihren Wohnungen ausharren müssen, damit man den eigenen Egoismus ausleben kann? Denn genau auf das läuft es hinaus. Die Auswüchse dieses und des nächsten Wochenendes sind `nicht sofort, sondern erst nach zwei oder drei Wochen ersichtlicht - wenn es für den einen oder anderen schon zu spät ist.

Entschuldigt bitte, dass ich mich gerade etwas echauffiere, aber auch wenn man das Gefühl hat, das Ganze sei nur Panikmache, könnte man sich doch einfach nur einmal an die Empfehlungen halten. Denn, je schneller wir aus dieser Situation raus sind, umso weniger "wirtschaftliche" Opfer gibt es. Und können wir abschätzen, wie viele Kinder Schaden nehmen wenn sie so lange Zeit ohne soziale Kontakte nach Aussen verbringen müssen? Sei es in der Schweiz oder in Italien. Und mal ehrlich, freut sich nicht der eine oder andere schon auf die Sommerferien an der Adria oder Riviera? Aber je länger, dass es dauert, um so weiter muss man dann dem Strand entlang marschieren, um ein noch funktionierendes Bagno zu finden oder eine Bar. Auch nächstes Jahr Nun - jeder einzelne hat es in der Hand.

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Kommentare: 1
  • #1

    Cornelia Gygax (Donnerstag, 09 April 2020 18:10)

    Liebi Bea , liebe Roberto. Sehr schön und wahrhaftig gschrebe. Han mich au scho gfrogt wer meh durchhaltevermöge het bezüglich blibet dihei. Italie kämpft und bi eus gets emmerno Meinige esch jo alles halb so schlimm. En grossteil vo de Bevölkerig befolgt d Richtlinie. Ich han aber au beobachtet, dass vermehrt weder meh Lüt underwegs send als vor einere Woche. Jo mer freue eus doch All wenn mer weder nach Italie (mini 2. Heimat ) dörfe Reise. Mer gänd ned uf und hoffe euch bald wiedergseh bliibet Gsund. A presto ci vediamo.conny & Stefan