Landleben

Zum ersten Mal in diesem Jahr schreibe ich den Eintrag draussen, wir geniessen Frühlings- ja fast Frühsommertage. Die Begleitmusik in der gewohnten Ruhe ist ein Weinbauer mit seinem Traktor, nichts Aussergewöhnliches. Man könnte fast vergessen, dass wir uns in einer ausserordentlichen Zeit befinden. Stevo ist an den Abschlussarbeiten, kein Problem, denn hier kann man sich sehr gut aus dem Weg gehen. Wir zupfen derweil Unkraut, mähen Rasen und Wege, und pützeln das Gästehaus heraus. Denn, irgendwann wird sich dieses wieder mit Leben füllen. Eigentlich Idylle pur. Wir wissen aber jetzt schon, dass wir die in den kommenden Wochen fehlenden Einnahmen bis Ende Saison nicht mehr generieren können. Aber das geht wohl den meisten so.

Zwar dürfen wir ausser für Einkäufe das Gemeindegebiet nicht verlassen, aber wer schon einmal bei uns war, weiss, wie weitläufig es bei uns ist. Es ist uns bewusst, dass wir uns in einer guten Situation an hervorragender Lage befinden. Ja, manchmal vergessen wir fast die Einschränkungen. Nicht so in den Städten. Wie beengend muss es sein, die Zeit in der Wohnung zu verbringen, und vor allem, die Situation den Kindern zu erklären. Im Moment darf man für sportliche Betätigung - aber nur einzeln ausgeführt - nach draussen, auch Spazieren ist erlaubt. Aber immer nur alleine, oder mit der Person, mit welcher man auch daheim zusammen ist. Spaziergänge mit Hunden sind ebenfalls erlaubt. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich so mancher Hund in einer anderen Welt wähnt. Denn so oft, wie die Leute mit ihren Hunden in der Stadt Gassi gehen, ist das nicht üblich.

Unsere Ausflüge nach Acqui Terme beschränken sich auf das Minimum, nämlich, um die Dinge einkaufen zu gehen, welche im Dorfladen nicht erhältlich sind.  Das "uns" gibt es dabei nicht, nur eine Person pro Familie darf einkaufen, und auch das nur mit Ausgangsschein. Die Carabinieri kontrollieren häufig, sind aber sehr nett. Ihr seht, die Vorgaben sind happig - aber wenn sich der Erfolg in den nächsten Wochen einstellt . . .

Ich bin ja so verchlüpft, als ich die leergekauften Regale in den Schweizer Geschäften sah. Ist die Angst wirklich so gross? Vor zwei Wochen sah man hier vereinzelt Leute mit übervollen Wagen, aber nun ist der Alltag eingekehrt. Es fehlt an nichts, und die Stimmung ist ruhig. Na ja, wir sind euch punkto Einschränkungen etwas voraus, wir sind in der zweiten Woche. Etwas ist allerdings gewöhnungsbedürftig. Im Supermarkt tragen sozusagen alle, Kunden wie Personal, Masken. Da kommt man sich ohne etwas deplatziert vor. Also stülpe auch ich mir eine über, die Handschuhe sind sowieso Standard. Aber ich sage euch, das Atmen fällt schon etwas schwer, und draussen ist das tief Luft holen eine Wohltat. Ich hoffe, dass auch euch das mit Abstand Zusammenstehen nicht allzu schwer fällt. Häbets guet.

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Kommentare: 2
  • #1

    Fehlmann Werner (Mittwoch, 18 März 2020 19:02)

    Danke für den unaufgeregten Bericht, vielleicht ist er gerade deswegen so eindrücklich..! Alles Gute wünsche ich aus der ��

  • #2

    Bernadette (Mittwoch, 18 März 2020 20:19)

    Guete Obe liebe Bea
    Auch bei uns ist der Frühling da, ich habe gestern und heute den Sitzplatz für gemütliche Stunden bereit gemacht. Wir verbringen die Zeit ausschliesslich zu Hause, unsere beiden Kinder sind für uns da, wenn wir etwas brauchen. Hamsterkäufe musste ich keine tätigen und morgen backe ich wieder einen Zopf. So weit so gut. Und trotzdem hat sich das Leben etwas geändert, die anstehenden Geburtstagsfestli, auch der 75. von Beat werden auf später verschoben! Wir sind aber guten Mutes. Wir wünschen euch alles Gute, bleibt gesund.
    Herzlichst Bernadette und Beat