Abgeriegelt

Heute Morgen kamen wir uns so richtig gut betreut vor, um halb Neun stand unser Gemeindepräsident mit den Carabinieri vor dem Tor. Sie wollten wissen, wie die Lage betreffend der Gäste sei. Konkret, ob wir eventuell anwesende bereits in ihre Heimat geschickt und den bis zum 3. April zu erwartenden abgesagt hätten. Haben wir bereits schweren Herzens gemacht. Da wir in Montabone eine der wenigen Beherbergungsbetriebe sind, welche bereits anfang März die Tore wieder öffnet, konnten die Beamten ihre Runde wohl rasch beenden. Die meisten öffnen am 1. April oder an Ostern.

Es ist wirklich ein etwas beklemmendes Gefühlt, wenn man ausser zum Allernötigsten nicht mehr von Daheim weg darf. Wir gehen in der gästefreien Zeit zwar auch nicht jeden Tag nach Acqui Terme oder auf Besuch. Aber wenn das Zuhausebleiben zur Pflicht wird, dann ist das etwas ganz anderes. Für jede Tätigkeit ausserhalb unseres Grundstückes müssen wir eine "Autocertificazione"  dabei haben, welche aussagt, warum wir gerade nicht an unserem Wohnort sind. Sogar, wenn ich mit dem Hund auf Wanderung bin, wo ich eh niemanden antreffe. Auch fürs Einkaufen haben wir eine dabei. Im Supermercato hat sich einiges geändert. Das Personal an der Kasse ist mit Masken ausgerüstet, und alle haben Handschuhe an. Die sonst sehr nette und gesprächige Signora bei den Selbstzahlkassen machte heute einen sehr grossen Bogen um die Kunden und liess jede zweite Kasse sperren, um ja den Abstand von Kunde zu Kunde zu wahren.Auch wird man immer wieder dazu aufgerufen, den Abstand zum nächsten zu wahren.

Aber es geht ja Millionen von Menschen genau gleich im Belpaese. Standen am Sonntag, als über Nacht das Piemont zur roten Zone erklärt wurde, so ziemlich alle unter Schock, hat sich das etwas gelegt. Die Regale im Supermercato sind gut gefüllt, und von Hektik oder sogar Hamsterkäufe keine Spur (mehr). Die fanden vor rund zwei Wochen statt. Auch die Nespressolieferung ist gestern pünktlich einen Tag nach Bestellung eingetroffen. Einzig der Nachschub aus der Schweiz von Kaffeerahmfläschli und Le Parfait Portiönli kommt etwas ins Stocken, mit diesem Manko können wir leben.

Wir haben ja das Glück, ein grosses Grundstück zu haben, da fällt einem die Decke weniger auf den Kopf. Im Moment gibt es draussen genug zu tun, und auch das Wetter spielt mit. Aber äbe, freiwillig daheim zu bleiben ist was anderes als auferlegt.

Das Piemont hat zwar mit seinen Corona-Fällen gemessen an den über 4 Mio. Einwohner eine nicht gerade hohe Zahl, aber man versteht die Situation und fügt sich den Vorschriften. So ist es auf der Hauptstrasse sehr sehr ruhig, am frühen Morgen sieht man nur vereinzelt Lastwagen durchfahren. Alle haben die gleiche Hoffnung, dass die Einschränkungen bis zum 3. April Erfolge zeigen. Natürlich auch wir, neben den fehlenden Einnahmen fehlt uns vor allem der Kontakt mit den Gästen, das Kommen und Gehen, und die Freude, wenn es ihnen gefallen hat.

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