Stunden der Ungewissheit

Es war vor einigen Tagen, als unser Tirass wieder einmal einer seiner viel zu vielen Epilepsieanfälle hatte. Die momentanen Medikamente scheinen einfach nicht zu helfen, ab Montag stellen wir dann die Medikamentation um. Aber zurück zum Tag des Geschehens. Nach seinem Anfall schien er gut erholt, und strebte auf noch etwas wackeligen Beinen dem offenen Tor zu, welches zum Feld unterhalb unseres Hauses führt. Für uns eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, dort irgendwie weiterzukommen. Nun, Tirass in seiner Verwirrtheit - wir vermuten, er hatte nochmals einen Anfall - schaffte das für uns Unmögliche. Doch damals wussten wir das noch nicht. Wer bereits bei uns war, weiss, dass unser Grundstück sehr steil ist, und der Waldrand, resp. die Felswand den Abschluss bildet. Auf die andere Seite bildet ein tiefer Graben die Grenze. Vergebens riefen wir nach unserer Fellnase, die Suche mit Scheinwerfer waren ebenfalls negativ, denn inzwischen war es am Eindunkeln. Roberto war sich sicher, dass unser Tirass in einem seiner Anfälle einem Herzstillstand erlegen sei. Nach einer weiteren erfolglosen Suche beschloss ich, die Strasse herunterzufahren. Vielleicht hatte er ja einer der "Schluchten" überwunden. Doch kein Hundehaar von Tirass war zu sehen. Also fuhr ich die Strasse auf der gegenüberliegenden Hangseite noch hoch. Dort stoppte ich einen Autofahrer und fragte ihn, ob er eventuell einen frei laufenden Hund gesehen hätte. Natürlich war die Antwort ein "No". Aber er fragte nach der Rasse unseres Hundes und der Adresse. Unverrichteter Dinge kehrte ich nach Hause zurück. Roberto rechnete schon lange nicht mehr damit, den Hund lebend anzutreffen, in mir sträubte sich alles dagegen. Auch war kein Darandenken, einfach ins Bett zu gehen.  Ausgerüstet mit einer warmen Decke machte ich es mir auf dem Liegestuhl bequem. Wer weisse vielleicht rief Tirass nach uns in der  Nacht. Was rief, war mein Telefon, um ein Uhr in der Nacht. Der Mann, welchen ich auf der Strasse in Richtung Montabone angetroffen habe, hatte unseren Hund auf den Heimweg angetroffen und festgehalten. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie erleichtert wir waren.

Und der Mann, welcher unseren Tirass gefunden hatte war kein geringerer, als der zweite grosse Winzer von Montabone - ihm ist ein grosser Weineinkauf gewiss.

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Bernadette (Samstag, 28 September 2019 21:42)

    Mein Gott, was für eine Geschichte, da kommen mir ja die Tränen! Ich bin echt erleichtert, dass Tirass wieder da ist. Hoffentlich helfen die neuen Medikamente. Ich wünsche es euch und alles Gute für euch und Tirass. (Morgen feiern wir den 70. Geburtstag von Alice, da gibt es etwas zu erzählen)
    Liebe Grüsse Bernadette und Beat