Finster wars

Wir hatten in den letzten Tagen ein Hin und Her mit unseren Autos. Irgend eines war immer in der Garage. Ob für die Winterpneus, welche wir hier ja ab dem 15. November zwingend montiert haben müssen, oder für die Reperatur der Sturmschäden. Der eine fährt, ohne dass man den Schlüssel betätigen muss, der andere braucht den Schlüsseldreh. Ende letzte Woche kam es dann, dass auch der sturmgeschädigte Wagen fertig war. So fuhren wir zu zweit vom Carossier los, und ich sah, dass ich sozusagen keinen Sprit mehr im Tank hatte. Beim Einbiegen in den "Schleichweg" nach Montabone hielt ich an, um Roberto davon in Kenntnis zu setzen. Der hielt hinter mir, und meinte: "Fahr du nach Hause, ich gehe rasch tanken, aber lass mir den Autoschlüssel da". "Der ist in meiner Handtasche, ich brauche sie nicht (die Handtasche", war meine Antwort. Roberto fuhr los, ich stieg ins hintere Auto rein, und ihr könnt euch denken was ich sah, respektive eben nicht erblickte: Den Autoschlüssel. Roberte hatte in kurzerhand abgezogen und eingesteckt. Da sass ich nun im Stockfinstern. In der Handtasche lag nicht nur der Autoschlüssel, sondern auch die Handys fuhren mit Roberto zur Tankstelle.

Vor meinem inneren Auge sah ich, wie Roberto tankte, gemütlich nach Montabone hoch fuhr, und eventuell etwas erstaunt darüber war, dass ich noch nicht da sei. "Der merkt doch nicht, dass er den Autoschlüssel in der Tasche hat", sinnierte ich - natürlich immer noch im Dunkeln.

Ein paar hundert Meter weiter unten wusste ich von einem Haus, also machte ich mich auf in Richtung dieser Casa. Die vorbeifahrenden Autos reagierten nicht auf meine Haltezeichen, sondern rauschten  im Regen an mir vorbei. Ob ich bei dieser Finsternis wegen einer sehr dunkel gekleideten Person angehalten hätte? Endlich kam das Haus in Sicht - auch dort herrschte Finsternis. Aber da kommt ja ein Wagen den Berg hinunter. Jetzt nahm ich mir ein Herz, und stellte mich auf die Strasse. Eine etwas unsicher scheinende Dame liess die Scheibe runter, und ich erzählte ihr von meiner Situation. Rasch war ihr Handy zur Stelle, und ich konnte endlich Roberto erreichen. "Wo bisch du?", war seine Begrüssung. "Ja, wo ächt, uf em Wäg zum ne Telefon, du hesch der Outoschlüssel", war meine nicht gerade freundliche Antwort. Er stand schon längst wieder beim stehen gelassenen Auto, denn mein Roberto war kaum bei der Tankstelle, als er den Autoschlüssel in seiner Tasche bemerkt. Flugs liess er nur wenige Liter Moscht ins Auto, um so rasch wie möglich zurückzufahren. Aber da war ich ja schon weg. Mit etwas Verspätung kamen wir dann daheim an, gerade recht, um - mit nur einem Auto - mit meinem Sohn etwas Feines essen zu gehen. Natürlich musste ich mir noch anhören, dass man sich in solchen Fällen nicht vom Objekt entfernt. Aber mal ehrlich, das hätte unter Umständen Stunden dauern können . . . .

Jetzt sind wir für ein paar Wochen wieder nur mit einem Auto unterwegs, da bleiben wir höchstens gemeinsam im Finstern stehen. Der zweite mit dem AG-Schild ist in die Heimat zurückgekehrt.

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Kommentare: 1
  • #1

    Esther Berner (Freitag, 16 November 2018 16:54)

    Jo, so öppis! So ticken eben Männlein und Weiblein unterschiedlich. Ich hätte sicher auch nicht auf bessere Zeiten gewartet und mir selber geholfen. Ben fatto!