Wo ist der Brasato?

Wie ihr wisst, bieten wir seit dieser Saison den Gästen am Ankunftstag das Nachtessen an. Obwohl wir ja als B&B dies nicht dürften. Natürlich haben dann auch die bereits anwesenden Gäste die Wahl, wieder bei uns zu essen. Da kommt dann öfters eine schöne Tavolata zusammen. Diese Art zu speisen soll ja im Kommen sein.

Es war vor ein paar Tagen, als wir für sechs Gäste das Nachtessen kochen durften, auf dem Menüplan stand ein reichhaltiges Vorspeisenbuffet, Pasta mit Tomatensalsa, Brasato mit Rosmarinkarotten. Als Dessert wurde ein Honigparfait mit Zwetschensauce gereicht. Roberto marinierte den Brasato mit Gemüse und Wein einen Tag im Voraus, und widmete ihm während der Kochzeit seine gesamte Aufmerksamkeit. Ich indessen war anderweitig beschäftigt, und als mir Roberto beschied: "Ich gange jetzt zum Vater uf Acqui Terme", war ich mit keinem Gedanken beim Brasato. Dieser war nämlich in der Zwischenzeit zart gekocht, und Roberto legt ihn in der Küche in eine Tiefe Schüssel zum Auskühlen. Denn, etwas abgekaltet lässt sich der Brasato viel besser schneiden.

Ich war kurz vor dem Nachtessen gerade beim Decken des Tisches für die Gäste, als Roberto um die Ecke bog und fragte: "Wo hesch der Brasato häre ta?". Ich hatte gar nichts irgendwohin getan, und den Brasato hatte ich überhaupt nie gesehen - nur das leere Gefäss. Es geschahen gleich darauf zwei Dinge: wir schauten unseren Tirass an, welcher zufrieden auf dem Rücken in den Abend hinein schlummerte, gleichzeitig wurde uns klar, dass unser Hauptgang bereits vertilgt war. Roberto, eigentlich ein gemütlicher Zeitgenosse, geriet nun schon etwas aus der Fassung. Aber es obsiegte die Einsicht, das Schimpfen das zarte Stück Brasato nicht wieder zum Vorschein brachte, und wir nach einer Lösung suchen mussten. Der Krux bei der Sache war, dass unsere Gäste bereits wussen, dass ein Brasato auf der Speisefolge stand. Glücklicherweise haben wir den einen und anderen guten Draht zu den Restaurantbesitzer in Acqui Terme. Und so half uns Giorgio vom "Nuovo Ciarlocco" mit einem grossen Stück Brasato aus der Patsche, und die Gäste mussten auf nichts verzichten. Natürlich erzählten wir vom Missgeschick, denn mit fremden Federn möchten wir uns nicht schmücken.

Wir haben unseren Tirass eigentlich schon so weit, dass er nichts mehr aus der Küche klaut. Jedoch, wenn er merkt, dass wir beide total abgelenkt sind, und mit keinem Gedanken an die Dinge in der Küche denken, schlägt er zu.

Wir sind am Lernen, unsere Sinne für die Verführungen von Tirass zu stärken. Denn, wenn wir extra unserem Hund etwas Tolles hinstellen, damit er es nimmt, und wir ihn dann ob dem Geschepper, dem Zuschnappen der Falle, dem stinkenden Zitronenlumpen etc. vom Tun hindern wollen, ignoriert er diese Verführungen über Stunden. Ergo müssen wir alles, was ihn gelüsten könnte, nicht mir stehen lassen. Andere Vorschläge?

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Kommentare: 2
  • #1

    Fehlmann Werner (Donnerstag, 27 September 2018 08:58)

    Haha � hat Tirass wieder mal zugeschlagen � kommt mir doch bekannt vor, im Bezug auf mein Frühstück Buffet wo föllig lautlos .... auf einmal der feine Aufschnitt fehlte .. und mich unschuldige Hunde-Augen anglotzten..!���

  • #2

    Peter Bollinger (Sonntag, 30 September 2018 11:28)

    :-) ich kugel mich vor lachen... ein kluger Hund der Tirass hat ein feines Näschen für Gutes! ... gut ist die Küche von Bea & Roberto!
    Liebe Grüsse aus CH